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Interleaving: wenn gemischtes Üben hilft – und wann nicht

Interleaving mischt Themen in einer Einheit. Was eine Metaanalyse mit 59 Studien zeigt, warum es sich schlechter anfühlt und wie du es für Prüfungen nutzt.

Lernen10 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Interleaving, auf Deutsch verschachteltes Lernen, mischt in einer Lerneinheit mehrere verwandte Themen. Du beendest ein Thema nicht, bevor du das nächste beginnst. In der Notation von Taylor und Rohrer (2010) lauten die beiden Ordnungen abcbcacab für gemischtes Üben und aaabbbccc für blockiertes Üben. Es hilft am meisten, wenn sich die Inhalte ähneln und leicht zu verwechseln sind.

  • Gemischtes Üben bedeutet A, B, C, B, A, C. Blockiertes Üben bedeutet A, A, A, dann B, B, B.
  • Die bekanntesten Studien fanden deutliche Effekte. In einer Studie lösten Studierende eine Woche nach gemischtem Üben 63 % neuer Matheaufgaben, nach blockiertem Üben nur 20 %.
  • Über viele Studien gemittelt hängt der Effekt vom Material ab. Er war am größten für Bilder und kehrte sich für Wortmaterial um.
  • Interleaving fühlt sich schlechter an, während es wirkt. Die Übungsleistung sinkt. Lernende hielten blockiertes Üben für ebenso gut oder besser, obwohl ihre eigenen Ergebnisse das Gegenteil zeigten.
  • Für psychologische Fachbegriffe sprechen die Belege für eine Reihenfolge. Lerne zuerst jede Definition mit Abruf und Abstand. Mische dann leicht zu verwechselnde Begriffe und übe das Einordnen.

Was Interleaving bedeutet

Interleaving ordnet die Übung. Es ändert nicht die Lernzeit und nicht den Stoff. Nimm die vier Verstärkerpläne: feste Quote, variable Quote, festes Intervall und variables Intervall. Beim blockierten Üben beantwortest du zehn Fragen zur festen Quote, dann zehn zur variablen Quote und so weiter. Beim gemischten Üben kommen dieselben 40 Fragen in gemischter Ordnung, sodass selten zwei Fragen zum selben Plan aufeinander folgen.

Die beiden Ordnungen trainieren verschiedene Dinge. Im Block kennst du die Antwortart, bevor du die Frage liest. Du musst nur eine Regel anwenden. In der gemischten Menge musst du zuerst entscheiden, zu welchem Begriff die Frage gehört. Diese Entscheidung prüft die Klausur, und blockiertes Üben lässt sie aus.

Die Forschung zu Bewegungsmustern zeigt ein frühes Beispiel. Robert und Elizabeth Bjork beschreiben eine Studie aus dem Jahr 1979 mit drei Bewegungsmustern, geübt in Blöcken oder in zufälliger Ordnung. Die Blockgruppe lernte in der Übung schneller. Zehn Tage später, unter zufälliger Testordnung, war die gemischte Gruppe deutlich besser. Die Bjorks zählen Interleaving zu den wünschenswerten Erschwernissen: Bedingungen, die das Lernen schwerer erscheinen lassen, aber zu dauerhafterem und flexiblerem Lernen führen.

Die Belege: drei klassische Studien

Die Zahlen in Lernratgebern stammen aus drei Forschungslinien mit jeweils anderem Material.

Die erste ist Mathematik. In einer Studie von Rohrer und Taylor (2007) lernten Studierende das Volumen vier ungewöhnlicher geometrischer Körper. In der Übung löste die Blockgruppe 89 % der Aufgaben richtig und die gemischte Gruppe nur 60 %. Eine Woche später kehrte sich das Ergebnis um. Die gemischte Gruppe löste 63 % der Testaufgaben und die Blockgruppe 20 %. Nur 18 Studierende schlossen alle drei Sitzungen ab. Das Mischen verteilte zudem die Wiederholungen über die Zeit. Eine spätere Studie mit Kindern hielt den Abstand konstant, und Interleaving verdoppelte weiter die Werte in einem Test einen Tag später.

Die zweite ist Kunst. Kornell und Bjork (2008) zeigten sechs Bilder von jeweils 12 Künstlern. Bei sechs Künstlern kamen die Bilder nacheinander. Bei den anderen sechs waren sie mit Bildern anderer Künstler gemischt. Bei neuen Bildern nannten die Teilnehmenden den richtigen Künstler in 61 % der Fälle für die gemischten Künstler und in 35 % für die blockierten. Eine genaue Replikation mit hoher Teststärke des zweiten Experiments fand einen mittelgroßen Vorteil, ähnlich wie im Original.

Die dritte ist der Unterricht. In einer preregistrierten Studie von Rohrer und Kollegen (2020) übten 54 siebte Klassen vier Monate lang gemischt oder blockiert. In einem unangekündigten Test einen Monat später erreichten die gemischten Klassen 61 % und die blockierten 38 %. Die Autoren schreiben, dass wichtige Vorbehalte bleiben. Der Effekt zeigt sich auch an der Universität. Physikstudierende mit gemischten Hausaufgaben lösten mehr Aufgaben in zwei Überraschungstests, mit medianen Verbesserungen von 50 % und 125 %.

Was eine Metaanalyse mit 59 Studien fand

Einzelstudien zeigen, dass Interleaving wirken kann. Eine Metaanalyse zeigt, wie oft und wofür. Brunmair und Richter (2019) fassten 238 Effektstärken aus 59 Studien zusammen. Der mittlere Effekt war moderat, änderte sich aber stark mit dem Lernmaterial. Die Effektstärke ist hier Hedges g. Positive Werte sprechen für Interleaving, negative für Blocken.

Interleaving-Effekt nach Lernmaterial in Brunmairs und Richters Metaanalyse.
LernmaterialEffekt (Hedges g)Was das bedeutet
Bilder0,67Deutlicher Vorteil für Interleaving
Alle 59 Studien0,42Moderater Vorteil im Mittel
Matheaufgaben0,34Kleiner Vorteil
Sachtexte0,21, nicht signifikantKein klarer Effekt
Wörter−0,39Vorteil für Blocken

Die Metaanalyse fand zudem drei Bedingungen mit stärkerem Effekt. Interleaving half mehr, wenn sich die Kategorien ähnelten und wenn die Beispiele innerhalb jeder Kategorie stärker variierten. Es half zudem mehr bei komplexem Material. Die Autoren schließen, dass Interleaving induktives Lernen wirksam fördern kann. Sie warnen, dass es bei bestimmten Bedingungen mit Vorsicht zu nutzen ist, besonders bei Sachtexten und Wörtern.

Das Wortergebnis braucht Vorsicht. Es beruht auf nur 13 Effektstärken, aus Aufgaben wie Namen in verschiedenen Kategorien, Ausspracheregeln und Übersetzungen. Das Manuskript der Autoren warnt, dass der negative Effekt möglicherweise nicht an den Wörtern liegt, sondern an den Aufgabentypen. Eine systematische Übersicht zu 26 Studien fand, dass Interleaving am meisten nützt, wenn sich die Inhalte nur fein unterscheiden. Sie merkt zudem an, dass die meisten Belege aus Laborstudien mit Studierenden stammen.

Wann Interleaving nicht hilft

Die Grenzen zählen ebenso wie die Zahlen, denn die meisten Ratgeber lassen sie aus. Drei Fälle fallen in der Forschung auf.

Der erste ist das Mischen von Themen ohne Gemeinsamkeit. Viele Studierende lernen zwei Fächer mit Karteikarten und halten die Stapel getrennt. Hausman und Kornell (2014) prüften, ob das Mischen der Stapel hilft. Die Teilnehmenden wechselten entweder zwischen Anatomiebegriffen und indonesischen Vokabeln oder lernten erst ein Thema und dann das andere. In vier Experimenten machte das Mischen keinen sicheren Unterschied. Der Titel der Arbeit sagt es klar. Das Mischen von Themen beim Lernen verbessert das Lernen nicht.

Der zweite sind Kategorien, die sich leicht unterscheiden lassen. Carvalho und Goldstone (2014) fanden bessere Ergebnisse durch Interleaving für Kategorien mit hoher Ähnlichkeit. Für Kategorien mit geringer Ähnlichkeit war blockiertes Lernen besser. Ihre Erklärung lautet, dass Interleaving die Unterschiede zwischen Kategorien zeigt und Blocken die Gemeinsamkeiten innerhalb einer Kategorie.

Der dritte ist Wortmaterial, wie die Metaanalyse zeigte. Wenn du lernst, was ein Begriff bedeutet, ähnelt die Aufgabe einem Wortpaar. Begriff auf der einen Seite, Definition auf der anderen. Dies ist unsere Deutung, kein getestetes Ergebnis. Die Metaanalyse fand keinen Nutzen für Wortmaterial, und die wenigen Wortstudien sprachen für Blocken. Auch die Karteikartenstudie oben fand keinen Nutzen aus dem Mischen von Vokabeln mit Anatomiebegriffen.

Eine große Übersicht zu Lerntechniken von Dunlosky und Kollegen (2013) bewertete Interleaving mit mittlerem Nutzen. Nur Abrufüben und verteiltes Üben erhielten die hohe Bewertung. Die Autoren schrieben, dass die Vorteile von Interleaving gerade erst systematisch erforscht werden.

Ist Interleaving nur Spacing unter anderem Namen?

Nein, obwohl beides zusammenhängt. Wenn du mischst, verteilst du die Wiederholungen jedes Themas automatisch über die Zeit, und Spaced Repetition verbessert das Behalten für sich. Frühe Ergebnisse könnten also vom Abstand stammen, nicht vom Mischen.

Zwei Studien prüften dies direkt. In der Mathestudie mit Kindern hielten die Forscher den Abstand in beiden Ordnungen gleich, und Interleaving verdoppelte weiter die Testwerte am nächsten Tag. Kang und Pashler (2012) nutzten Bilder. Mehr zeitlicher Abstand zwischen Bildern desselben Künstlers half nicht mehr als Ballung, ohne die Künstler zu mischen. Bilder verschiedener Künstler nebeneinander zeigten dagegen so gute Ergebnisse wie Interleaving. Die Autoren nennen den Mechanismus diskriminativen Kontrast. Interleaving wirkt, weil es verschiedene Kategorien nebeneinander stellt, sodass Lernende sie vergleichen.

In der Praxis beantworten Spacing und Interleaving verschiedene Fragen. Spacing entscheidet, wann du zu einem Thema zurückkehrst. Interleaving entscheidet, was daneben steht, wenn du es tust.

Warum es sich schlechter anfühlt, obwohl es wirkt

Lernende bewerten Interleaving schlechter, als es leistet, und mehrere Studien maßen dies. In der Bilderstudie von Kornell und Bjork schnitten 78 % der Teilnehmenden mit den gemischten Künstlern besser ab. Aber 78 % sagten auch, dass blockiertes Lernen ebenso gut oder besser war als Mischen.

Dasselbe Muster zeigte sich mit psychologischem Material. Zulkiply und Burt (2013) gaben 40 Studierenden kurze Fallbeschreibungen sechs psychischer Störungsbilder, jeweils mit erfundenem Etikett. Die Störungen umfassten Zwangsstörung, Phobie und Depression. Nach gemischtem Lernen ordneten die Studierenden neue Fälle genauer zu, kurz nach dem Lernen und eine Woche später. Dennoch hielten 65 % in der Kurzfristgruppe und 70 % in der Wochengruppe blockiertes Lernen für wirksamer. In der Physikstudie an der Universität bewerteten Studierende gemischte Hausaufgaben als schwerer und glaubten fälschlich, weniger daraus gelernt zu haben.

Die Bjorks erklären die Täuschung so. Blockiertes Üben gibt gute Leistung in der Sitzung, und Lernende deuten diese Leistung als Beleg für Lernen. Interleaving senkt die Übungswerte, wie 89 % gegen 60 % in der Mathestudie zeigen, und fühlt sich daher wie Versagen an. Nur ein späterer Test zeigt, welche Methode mehr Lernen erzeugte.

So nutzt du Interleaving für psychologische Fachbegriffe

Psychologieprüfungen stellen zwei Fragetypen. Manche fragen, was ein Begriff bedeutet. Andere beschreiben einen Fall und fragen, welches Konzept er zeigt. Die Forschung stützt für jeden Typ eine andere Methode, in dieser Ordnung.

  1. 1.Lerne zuerst jede Definition einzeln. Nutze Abruf und Abstand für diese Stufe, kein Mischen. Unser Leitfaden zum Einprägen psychologischer Fachbegriffe erklärt, warum Abrufüben und Spacing die stärksten Belege haben.
  2. 2.Baue kleine Sets aus leicht zu verwechselnden Begriffen. Die Studien nennen keine ideale Setgröße, aber drei bis sechs Begriffe mit gemeinsamen Merkmalen lassen sich leicht bauen und prüfen. Mische keine Themen ohne Gemeinsamkeit.
  3. 3.Übe mit Fällen, nicht nur mit Definitionen. Lies eine kurze Beschreibung, entscheide, welches Konzept sie zeigt, und prüfe dann. Dies ist die Aufgabe mit dem Nutzen aus der Störungsfallstudie.
  4. 4.Starte mit Blöcken, wenn ein Set neu ist, und mische dann. In einer Bilderstudie von Yan und Kollegen (2017) wirkten ein blockierter Start mit folgendem Mischen und kurze Miniblöcke statistisch ebenso gut wie reines Mischen.
  5. 5.Erwarte niedrigere Übungswerte. Ein Abfall in der Übung zeigt nicht, dass die Methode versagt.
  6. 6.Kehre an späteren Tagen zu jedem Set zurück, sodass du Abstand und Kontrast kombinierst.

Gute Sets stammen aus den Paaren, die Studierende am häufigsten verwechseln. Suchanfragen an diese Seite zeigen einige davon.

Beispiel-Sets aus gemischten Begriffen für Psychologieprüfungen.
SetZu mischende BegriffeWarum sie sich verwechseln lassen
VerstärkerpläneFeste Quote, variable Quote, festes Intervall, variables IntervallSie unterscheiden sich in zwei Merkmalen
Positive und negative Verstärkung und BestrafungPositive Verstärkung, negative Verstärkung, positive Bestrafung, negative BestrafungNegativ bedeutet, dass etwas wegfällt, nicht dass das Ergebnis schlecht ist
Interferenz und AmnesieProaktive Interferenz, retroaktive Interferenz, retrograde Amnesie, anterograde AmnesieBeide Paare benennen eine Zeitrichtung, vorwärts oder rückwärts
LangzeitgedächtnisEpisodisches Gedächtnis, semantisches Gedächtnis, prozedurales GedächtnisAlle drei sind Formen des Langzeitgedächtnisses
HeuristikenVerfügbarkeitsheuristik, Repräsentativitätsheuristik, AnkerAlle drei sind Abkürzungen beim Urteilen unter Unsicherheit

Gemischte Sets in Psychology World üben

In Psychology World speicherst du solche leicht zu verwechselnden Begriffe in einer Liste, eine Liste je Set. Dann übst du die Liste als Karteikarten, als Multiple-Choice-Fragen, sobald sie vier oder mehr Begriffe enthält, oder durch Eingabe der Antwort. Die vier Verstärkerpläne oder die vier operanten Folgen erfüllen allein die Viererregel für Multiple-Choice. Was die drei Lernmodi können steht auf der Startseite.

Häufige Fragen

Was ist ein Beispiel für Interleaving?

Ein Studierender wiederholt drei Heuristiken, Verfügbarkeit, Repräsentativität und Anker. Er liest kurze Beschreibungen von Urteilen in zufälliger Ordnung und nennt jeweils die Heuristik. Eine blockierte Version zeigte alle Fälle zur Verfügbarkeit zuerst, sodass er nie wählen müsste.

Ist Interleaving besser als Spaced Repetition?

Sie leisten verschiedene Aufgaben, also nutze beide. Spaced Repetition entscheidet, wie lange du wartest, bevor du zu einem Thema zurückkehrst. Es gehört zu den beiden Techniken mit hoher Bewertung bei Dunlosky und Kollegen. Interleaving entscheidet, welche Themen nebeneinander stehen. Es hilft am meisten, wenn du ähnliche Konzepte unterscheiden musst.

Hilft Interleaving bei Karteikarten und Vokabeln?

Die Belege sagen eher nein. Das Mischen von Anatomie- und Vokabelstapeln machte in vier Experimenten keinen sicheren Unterschied, und Studien mit Wortmaterial sprachen in der Metaanalyse für Blocken. Karteikarten profitieren stärker von Abruf und Abstand. Mische Karten, wenn die Karten Konzepte zeigen, die du miteinander verwechselst.

Warum funktioniert Interleaving?

Kang und Pashler nennen als Erklärung den diskriminativen Kontrast. Wenn verschiedene Kategorien nebeneinander erscheinen, vergleichst du sie und bemerkst die Merkmale, die sie trennen. Brunmairs und Richters Metaanalyse stützt diese Sicht und eine Verfeinerung, den Aufmerksamkeitsrahmen. Dort lenkt Interleaving die Aufmerksamkeit auf Unterschiede zwischen Kategorien, Blocken auf Ähnlichkeiten innerhalb einer Kategorie.

Wie viele Themen soll ich auf einmal mischen?

Die Studien in diesem Artikel nennen keine richtige Zahl. Sie zeigen, dass Ähnlichkeit zählt. In der Metaanalyse war der Nutzen größer, wenn sich die Kategorien ähnelten. Wähle die Themen also zuerst nach Ähnlichkeit. Wenige Konzepte, die du oft verwechselst, bilden ein besseres Set als viele unabhängige Themen.

Quellen

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