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Episodisches und semantisches Gedächtnis: was Tulving meinte, und wo die Grenze verschwimmt

Episodisch ist, was du erlebt hast. Semantisch ist, was du weißt. Tulvings Unterscheidung von 1972, zwei Fragen für Klausurbeispiele und die Grenzfälle.

Kognition13 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Das episodische Gedächtnis speichert Ereignisse, die du selbst erlebt hast, zusammen mit Zeit und Ort. Das semantische Gedächtnis speichert dein allgemeines Wissen über Fakten, Wörter und Begriffe. Es enthält keinen Hinweis darauf, wann und wo du etwas gelernt hast. Die Erinnerung an deine erste Psychologie-Vorlesung ist episodisch. Das Wissen, was „kognitive Dissonanz“ bedeutet, ist semantisch. Beide gehören zum deklarativen, also expliziten Langzeitgedächtnis. Endel Tulving hat die Unterscheidung 1972 eingeführt.

Die kurzen Definitionen sind einfach. Schwierig sind die Klausurbeispiele, die genau zwischen beiden liegen. Außerdem hat Tulving seine eigene Definition nach 1972 stark verändert. Dieser Artikel zeigt die Unterscheidung in Tulvings Worten und zwei Fragen, mit denen du die meisten Beispiele einordnest. Er zeigt auch die Stellen, an denen die Grenze verschwimmt.

  • Tulving beschrieb 1972 das episodische Gedächtnis als Gedächtnis für zeitlich datierte Episoden und Ereignisse. Das semantische Gedächtnis nannte er einen „mental thesaurus“, also einen mentalen Thesaurus.
  • Beide sind deklarativ (explizit). Das prozedurale Gedächtnis, zum Beispiel für das Fahrradfahren, ist implizit und gehört zu keinem von beiden.
  • 2002 definierte Tulving das episodische Gedächtnis auch über das Erleben beim Abruf: Du erlebst das Ereignis in Gedanken noch einmal. Ein semantisches Faktum weißt du nur.
  • Fakten über dein eigenes Leben, zum Beispiel dein Geburtsdatum, gelten meist als semantisch. Die Forschung nennt sie „personal semantics“.
  • Ob es zwei getrennte Systeme gibt, ist bis heute strittig. Tulving sagte ja. Mehrere Kritiker halten ein einziges System für ausreichend.

Der Unterschied in einer Tabelle

Episodisches und semantisches Gedächtnis im Vergleich.
Episodisches GedächtnisSemantisches Gedächtnis
InhaltEreignisse, die du selbst erlebt hastFakten, Wörter, Begriffe und Regeln
BeispielDie Vorlesung, in der du zum ersten Mal das Wort „Schema“ gehört hastWas ein Schema ist
Zeit und OrtAn Zeit und Ort des Ereignisses gebundenKein Hinweis darauf, wann und wo du es gelernt hast
Erleben beim AbrufDu erlebst das Ereignis noch einmal („erinnern“)Du weißt das Faktum („wissen“)
Persönlich oder geteiltNur deinsZum großen Teil mit anderen Menschen geteilt
Tulvings Formulierung von 1972„temporally dated episodes or events“„a mental thesaurus“

Die zwei englischen Formulierungen stehen in Tulvings Kapitel von 1972. Greenberg und Verfaellie zitieren sie mit Seitenzahl. Auf Deutsch heißen sie „zeitlich datierte Episoden oder Ereignisse“ und „ein mentaler Thesaurus“. Alle englischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt.

Eine Merkhilfe: Eine Episode ist eine einzelne Szene aus deinem Leben, wie die Episode einer Serie. Das Wort semantisch kommt nach dem Dorsch-Lexikon der Psychologie vom griechischen semainein, „bezeichnen“. Im semantischen Gedächtnis liegen die Bedeutungen von Wörtern und Begriffen.

Woher die Unterscheidung stammt

Die Unterscheidung entstand nach einer Tagung. Im März 1971 organisierten Wayne Donaldson und Tulving in Pittsburgh eine Konferenz über Organisationsprozesse im Gedächtnis. Drei Vorträge sprachen von „semantic memory“. Der Begriff stammte aus der Dissertation von M. Ross Quillian von 1966, die nie veröffentlicht wurde. Tulving fand, dass diese Vorträge ein anderes Gedächtnis beschrieben als das Gedächtnis, das die Psychologie seit Ebbinghaus untersucht hatte. Er schrieb danach ein Kapitel über den Unterschied. Das Kapitel erschien 1972 im Tagungsband „Organization of Memory“.

Tulving brauchte außerdem einen Namen für das Gedächtnis, das nicht semantisch war. Den Ausdruck „event memory“ wollte er nicht verwenden, weil andere Forscher ihn schon in einem anderen Zusammenhang benutzten. In einem kleinen Buch von S. Munsat fand er den Ausdruck „nonepisodic memory“. Er übernahm die positive Form: episodisch.

Tulving hielt die Idee nicht für neu. In einem Rückblick von 1987 schrieb er, die Unterscheidung sei „überhaupt nicht originell“ gewesen. Philosophen und Forscher, die Gedächtnisstörungen untersuchten, hatten ähnliche Gedanken schon früher geäußert. Tulving verglich seine Leser mit der Figur bei Molière, die entdeckt, dass sie ihr Leben lang Prosa gesprochen hat. Die Gedächtnisforscher erfuhren mit Freude, was sie die ganze Zeit untersucht hatten.

Wie Tulving die Definition veränderte

Die Fassung von 1972 war vorsichtig. Das zeigen Renoult und Rugg in ihrem Rückblick auf Tulvings Werk von 2020. Tulving nannte seine Fassung eine „vortheoretische“ Position. Sie ordnete das Gedächtnis nach der Art der Information: persönliche Ereignisse auf der einen Seite, allgemeines Wissen auf der anderen. Tulving behauptete noch nicht, dass beide funktional getrennt sind. Er beschrieb sie 1972 als „teilweise überlappend“ und 1983 als „eng voneinander abhängig“.

In seinem Buch „Elements of Episodic Memory“ von 1983 ging er weiter. Er schlug vor, dass episodisches und semantisches Gedächtnis zwei funktional trennbare Systeme sind. Er gab auch einen Irrtum zu. 1972 hatte er angenommen, dass die klassischen Lern- und Testversuche das episodische Gedächtnis messen. Gemeint sind Versuche in der Tradition von Ebbinghaus’ Versuchen zur Vergessenskurve. Später sagte er: Das taten sie nicht. Die Versuche fragten, was die Versuchspersonen behalten hatten, aber fast nie nach dem Wo und Wann. Sie beachteten auch nicht, wie die Versuchspersonen das Erinnern erlebten.

Dieser zweite Punkt wurde zum Kern der Theorie. 1985 beschrieb Tulving drei Arten von Bewusstsein. Renoult und Rugg fassen sie so zusammen:

  • Autonoetisches Bewusstsein („selbst-wissend“) gehört zum episodischen Gedächtnis. Du reist in Gedanken in der Zeit zurück und erlebst das Ereignis noch einmal.
  • Noetisches Bewusstsein (englisch „noetic“, „wissend“) gehört zum semantischen Gedächtnis. Du weißt das Faktum, aber du erlebst nichts noch einmal.
  • Anoetisches Bewusstsein (englisch „anoetic“, „nicht-wissend“) gehört zum prozeduralen Gedächtnis. Es ist an die Gegenwart gebunden.

2002 ruhte Tulvings Definition auf drei Begriffen: dem Selbst, dem autonoetischen Bewusstsein und der subjektiv erlebten Zeit. Tulving schrieb, das episodische Gedächtnis ermögliche eine „mentale Zeitreise durch die subjektive Zeit“. Das episodische Gedächtnis braucht nach Tulving das semantische Gedächtnis, geht aber darüber hinaus. Nach seiner Theorie ist das episodische Gedächtnis in der Evolution aus dem semantischen Gedächtnis entstanden, nicht umgekehrt.

Wo beide im Langzeitgedächtnis stehen

Episodisches und semantisches Gedächtnis sind die zwei Teile des deklarativen Gedächtnisses. Das Wissensportal dasgehirn.info schreibt, dass beide zusammen häufig als explizites oder deklaratives Gedächtnis bezeichnet werden. In beiden Fällen ist dir bewusst, dass du etwas weißt, und du kannst es mitteilen. Die anderen Gedächtnisarten heißen zusammen implizites oder nicht-deklaratives Gedächtnis. Das wichtigste Beispiel ist das prozedurale Gedächtnis für Fertigkeiten. Auch erlernte Ängste und Konditionierungen gehören dazu.

Wo episodisches und semantisches Gedächtnis im Langzeitgedächtnis stehen.
LangzeitgedächtnisArtBeispiel
Deklarativ (explizit)EpisodischDeine letzte Geburtstagsfeier
Deklarativ (explizit)SemantischDie Hauptstadt von Frankreich oder die Definition eines Fachbegriffs
Nicht-deklarativ (implizit)ProzeduralFahrradfahren oder Schreiben
Nicht-deklarativ (implizit)Erlernte Ängste und KonditionierungenEine gelernte Angstreaktion

Eine Klausur fragt vielleicht nach episodischem, semantischem und prozeduralem Gedächtnis. Dann gilt: Die ersten zwei sind deklarativ, das dritte ist nicht-deklarativ.

Klausurbeispiele einordnen: zwei Fragen

Zwei Fragen ordnen die meisten Beispiele ein:

  1. 1.Ist die Erinnerung an einen bestimmten Zeitpunkt und einen bestimmten Ort in deinem Leben gebunden?
  2. 2.Erlebst du das Ereignis beim Abruf noch einmal, oder weißt du nur das Faktum?

Wenn beide Antworten auf das Ereignis zeigen, ist die Erinnerung episodisch. Wenn du nur das Faktum weißt, ist sie semantisch. Wenn du etwas kannst, es aber nicht in Worte fassen kannst, ist das Gedächtnis prozedural.

Typische Klausurbeispiele, mit den zwei Fragen eingeordnet.
BeispielArtBegründung
Du erinnerst dich, wie du letzten Sommer auf den Eiffelturm gestiegen bistEpisodischEin Zeitpunkt, ein Ort, und du erlebst es noch einmal
Du weißt, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich istSemantischEin geteiltes Faktum ohne Erinnerung daran, wo du es gelernt hast
Du erinnerst dich an die Vorlesung, in der du zum ersten Mal „operante Konditionierung“ gehört hastEpisodischDie Vorlesung ist ein datiertes Ereignis
Du kannst „operante Konditionierung“ in der Klausur definierenSemantischDu weißt die Bedeutung und erlebst die Vorlesung nicht noch einmal
Du kennst dein GeburtsdatumSemantisch (persönliches Faktenwissen)Es geht um dich, aber du erinnerst dich nicht an das Ereignis
Du erinnerst dich an die Feier zu deinem zehnten GeburtstagEpisodischEin bestimmtes Ereignis, das du noch einmal erleben kannst
Du fährst Fahrrad, ohne darüber nachzudenkenProzeduralEine Fertigkeit, kein Faktum und kein Ereignis

Die dritte und die vierte Zeile zeigen den wichtigsten Punkt für das Studium. Ein Fachbegriff kann zwei Erinnerungen hinterlassen. Die Vorlesung ist eine Episode. Die Definition, die du in die Klausur mitnimmst, ist semantisches Wissen. Sie braucht die Vorlesung nicht mehr.

Es gibt eine Einschränkung. Tulving selbst meinte nicht, dass eine einzelne Erinnerung immer zu genau einem System gehört. 2002 schrieb er, das episodische Gedächtnis sei „keine bestimmte Art von Gedächtnisaufgabe“. Nach seiner Theorie nutzt fast jede Gedächtnisaufgabe mehr als ein System. Klausuren verlangen trotzdem eine Zuordnung, und die zwei Fragen liefern die erwartete Antwort. Die Theorie beschreibt aber Systeme, keine Etiketten für einzelne Erinnerungen.

Persönliches Faktenwissen: die Kategorie dazwischen

Fakten über die eigene Vergangenheit sind die schwierigsten Fälle. Du kennst den Namen deiner Grundschule, die Straße, in der du aufgewachsen bist, und dein Geburtsdatum. Diese Fakten sind persönlich, wie die Inhalte des episodischen Gedächtnisses. Du weißt sie aber, ohne etwas noch einmal zu erleben, wie die Inhalte des semantischen Gedächtnisses.

Renoult und Kollegen nannten diese Kategorie 2012 „personal semantics“, also persönliches Faktenwissen. Meist zählt die Forschung sie zum semantischen Gedächtnis. Der Überblicksartikel zeigt aber kein einheitliches Ergebnis. Die Hirnaktivität bei persönlichem Faktenwissen kann dem semantischen Gedächtnis ähneln, dem episodischen Gedächtnis ähneln oder keinem von beiden. Das Ergebnis hängt davon ab, wie eine Studie die Kategorie erfasst. Für die Klausur ist „semantisch“ die übliche Antwort. Für die Forschung ist die Frage offen.

Belege dafür, dass sich beide trennen lassen

Belege für die Trennung stammen von Menschen mit Hirnverletzungen. Solche Fälle sind selten. Nach Tulving betrifft eine Hirnschädigung meist Teile mehrerer Systeme. Dann sind das Gedächtnis für Fakten und das Gedächtnis für Ereignisse zusammen beeinträchtigt.

Der bekannteste Fall ist K.C., ein Mann aus Toronto, den Tulvings Gruppe über viele Jahre untersuchte. Mit 30 Jahren erlitt K.C. bei einem Motorradunfall eine schwere Kopfverletzung. Seine Intelligenz und seine Sprache blieben normal. Er kannte viele Fakten über sein eigenes Leben, zum Beispiel die Adresse seines ersten Zuhauses und die Lage des Ferienhauses seiner Eltern. Auch sein Schulwissen aus der Zeit vor dem Unfall blieb weitgehend erhalten. Er konnte sich aber an kein einziges Ereignis aus seinem Leben erinnern. Er konnte auch nicht sagen, was er später am Tag oder in der Zukunft tun würde. Nach der Verletzung konnte er neue Ereignisse und neue Fakten kaum noch lernen.

Ein zweiter Beleg stammt von Faraneh Vargha-Khadem und Kollegen aus dem Jahr 1997. Sie beschrieben drei Patienten mit einer Schädigung des Hippocampus auf beiden Seiten des Gehirns. Die Schädigung war bei der Geburt, bis zum Alter von 4 Jahren und im Alter von 9 Jahren entstanden. Alle drei hatten eine ausgeprägte Amnesie für die Ereignisse des Alltags. Trotzdem besuchten alle drei Regelschulen. Ihre Sprache, ihre Lese- und Schreibfähigkeit und ihr Faktenwissen lagen im unteren Durchschnitt bis Durchschnitt. Die Autoren folgerten, dass die episodische und die semantische Komponente „teilweise dissoziierbar“ sind.

Auch das umgekehrte Muster kommt vor. Greenberg und Verfaellie beschreiben in ihrem Überblick von 2010 die semantische Demenz. Dabei ist das semantische Gedächtnis schwer beeinträchtigt, und das episodische Gedächtnis ist relativ gut erhalten. Die Begriffe anterograde und retrograde Amnesie erklärt unser Artikel über proaktive und retroaktive Interferenz. Dort steht auch, warum eine Amnesie keine Interferenz ist.

Sind es wirklich zwei getrennte Systeme?

Darüber gibt es keine Einigkeit. Tulvings These von 1983 wurde nach seinen eigenen Worten „schnell umstritten“. In seinem Rückblick von 1987 nennt er die kritische Bewertung der Unterscheidung von McKoon, Ratcliff und Dell aus dem Jahr 1986. 2002 nennt er weitere Kritiker, darunter Glenberg (1997) und Craik (2001). Beide hielten ein einziges Gedächtnissystem für ausreichend. Nach ihrer Ansicht sind Fakten leichter abrufbar als Ereignisse, weil Menschen Fakten häufiger benutzen. Auch das Dorsch-Lexikon der Psychologie nennt die Unterscheidung „nicht unstrittig“.

Der Fall K.C. lässt denselben Einwand zu. Vielleicht erinnerte er alte Fakten besser, weil er sie häufiger wiederholt hatte als einzelne Ereignisse. Tulving antwortete mit einem Gegenbeispiel. K.C. kannte auch Fakten, die er kaum oft wiederholt haben kann, zum Beispiel den Unterschied zwischen Stalaktiten und Stalagmiten. Tulving räumte aber ein, dass die Erklärung über Wiederholung logisch möglich ist.

Die heutige Forschung betont vor allem, wie stark beide voneinander abhängen. Greenberg und Verfaellie folgerten, dass beide Gedächtnisformen einander bei der Einspeicherung und beim Abruf beeinflussen können. Renoult und Rugg berichten die Hypothese der „trace transformation“, also der Umformung der Gedächtnisspur. Danach entsteht semantisches Wissen mit Zeit und Erfahrung aus episodischen Erinnerungen. Das ist eine Hypothese, kein gesichertes Ergebnis. Greenberg und Verfaellie zitieren eine ältere Form des Gedankens von Alan Baddeley: Das semantische Gedächtnis könnte der „angesammelte Rückstand“ vieler Lernepisoden sein.

Auch die Fälle mit früher Hippocampus-Schädigung haben Grenzen. Renoult und Rugg halten fest, dass diese Patienten in Labortests neue Fakten nur langsam lernen. Sie halten auch fest, dass ein teilweise arbeitender Hippocampus zu diesem Lernen beitragen kann.

Was das für das Lernen von Fachbegriffen bedeutet

Für das Studium zählt der Punkt aus der Beispieltabelle. Jeder Fachbegriff beginnt als Episode: eine Vorlesung, eine Buchseite oder ein Gespräch. Das Ziel ist semantisches Wissen, das du ohne die ursprüngliche Szene benutzen kannst. Wenn Baddeleys Gedanke stimmt, entsteht dieses Wissen aus vielen Begegnungen mit dem Begriff, nicht aus einer einzigen.

Das passt zur Forschung über Lernmethoden. Dunlosky und Kollegen bewerteten 2013 zehn Lerntechniken. Nur zwei erhielten die Bewertung „hoher Nutzen“: Übungstests und verteiltes Üben. Das heißt: Frag dich ab, statt den Stoff noch einmal zu lesen, und verteile die Lernsitzungen über die Zeit. Warum getrennte Sitzungen besser wirken als eine lange Sitzung, erklärt unser Artikel über verteilte Wiederholung. Wie du beide Methoden für eine Klausur nutzt, zeigt unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe.

Psychology World ist für diesen wiederholten Kontakt gebaut. Du schlägst einen Begriff nach und speicherst ihn in einer eigenen Liste. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, als Multiple Choice ab vier Wörtern in der Liste oder durch Tippen der Antwort. Die tägliche Wortmitteilung zeigt dir außerdem jeden Tag einen Begriff, ohne dass du suchen musst. Die vier Schritte der Lernschleife und was die einzelnen Lernmodi tun stehen auf der Startseite.

Häufige Fragen

Ist das autobiografische Gedächtnis dasselbe wie das episodische Gedächtnis?

Nicht ganz. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie hält fest, dass das episodische Gedächtnis häufig mit dem autobiografischen Gedächtnis gleichgesetzt wird. Das autobiografische Gedächtnis enthält aber zwei Arten von Inhalten: erinnerte Episoden aus dem eigenen Leben und persönliches Faktenwissen, zum Beispiel das Geburtsdatum. Nur die Episoden sind im engen Sinn episodisch.

Gehört das semantische Gedächtnis zum expliziten oder zum impliziten Gedächtnis?

Das semantische Gedächtnis gehört zum expliziten Gedächtnis. Zusammen mit dem episodischen Gedächtnis bildet es das deklarative, also explizite Gedächtnis: Dir ist bewusst, dass du etwas weißt, und du kannst es mitteilen. Zum impliziten, nicht-deklarativen Gedächtnis gehören das prozedurale Gedächtnis für Fertigkeiten wie das Fahrradfahren sowie erlernte Ängste und Konditionierungen.

Was entwickelt sich zuerst, das episodische oder das semantische Gedächtnis?

Nach Tulving entwickelt sich das semantische Gedächtnis zuerst. Er nahm an, dass Kinder zuerst ein prozedurales System nutzen, dann das semantische Gedächtnis aufbauen und zuletzt das episodische Gedächtnis. Autonoetisches Bewusstsein tritt nach seiner Darstellung selten vor dem Alter von etwa 4 Jahren auf. Renoult und Rugg nennen die Beobachtung, dass sich das episodische Gedächtnis später entwickelt, unstrittig.

Wo im Gehirn liegen das episodische und das semantische Gedächtnis?

Einen einzelnen Ort gibt es für keines von beiden. Tulving beschrieb 2002 für das episodische Gedächtnis ein weit verteiltes Netzwerk aus Regionen der Hirnrinde und tiefer liegenden Regionen. Vargha-Khadem und Kollegen folgerten 1997, dass nur die episodische Komponente vollständig vom Hippocampus abhängt. Bei der semantischen Demenz ist nach Greenberg und Verfaellie vor allem der vordere seitliche Schläfenlappen betroffen.

Quellen

  1. 1.Tulving, E. (1987). Citation Classic: Kommentar zu „Episodic and semantic memory“ (1972). Current Contents, 30. November 1987.
  2. 2.Tulving, E. (2002). Episodic memory: From mind to brain. Annual Review of Psychology, 53, 1–25.
  3. 3.Renoult, L., und Rugg, M. D. (2020). An historical perspective on Endel Tulving's episodic-semantic distinction. Neuropsychologia, 139, 107366.
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  5. 5.Vargha-Khadem, F., Gadian, D. G., Watkins, K. E., Connelly, A., Van Paesschen, W., und Mishkin, M. (1997). Differential effects of early hippocampal pathology on episodic and semantic memory. Science, 277(5324), 376–380.
  6. 6.Renoult, L., Davidson, P. S. R., Palombo, D. J., Moscovitch, M., und Levine, B. (2012). Personal semantics: At the crossroads of semantic and episodic memory. Trends in Cognitive Sciences, 16(11), 550–558.
  7. 7.Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., und Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58.
  8. 8.Kupferschmidt, K. (2018). Formen des Gedächtnisses. dasgehirn.info.
  9. 9.Mecklenbräuker, S., und Frings, C. (2022). Gedächtnis, episodisches. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
  10. 10.Dorsch – Lexikon der Psychologie (2016). Gedächtnis, semantisches. Hogrefe.

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