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Proaktive und retroaktive Interferenz: welche Erinnerung wem im Weg steht

Proaktiv: Altes stört das Neue. Retroaktiv: Neues stört das Alte. Der Unterschied, eine verlässliche Merkhilfe und die Studien hinter beiden Begriffen.

Kognition11 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Proaktive Interferenz liegt vor, wenn älteres Lernen den Abruf von etwas erschwert, das du kürzlich gelernt hast. Retroaktive Interferenz ist der umgekehrte Fall: neueres Lernen erschwert den Abruf von etwas, das du vorher gelernt hast. Das Präfix zeigt an, in welche Richtung die Störung in der Zeit wirkt: „pro" nach vorn, von der alten Erinnerung aus, „retro" nach hinten, von der neuen aus. Beide Effekte sind am stärksten, wenn sich das alte und das neue Material ähneln.

Beide Begriffe sind leicht zu definieren und leicht zu verwechseln, weil das Richtungswort die störende Erinnerung beschreibt, nicht die, die versagt. Dieser Artikel liefert eine einzige Frage, mit der sich jedes Beispiel zuordnen lässt, und die Geschichte, die den Unterschied im Kopf bleiben lässt.

  • Proaktive Interferenz: altes Lernen blockiert den Abruf von Neuem. Retroaktive Interferenz: neues Lernen blockiert den Abruf von Altem.
  • Die schnellste Testfrage lautet, welche Erinnerung du nicht mehr abrufen kannst, nicht welche Erinnerung stört.
  • Interferenz ist ein normaler Bestandteil des Gedächtnisses, keine Verletzung oder Störung. Sie ist nicht dasselbe wie eine Amnesie.
  • Der deutsche Name für retroaktive Interferenz stammt aus dem Jahr 1900. Proaktive Interferenz wurde sogar noch früher entdeckt, geriet dann aber für Jahrzehnte in Vergessenheit, bis Underwood sie 1957 wieder in den Mittelpunkt rückte.
  • Ähnlichkeit macht Interferenz zuverlässig stärker. Ob sie zwingend nötig ist, wird seit über hundert Jahren diskutiert und ist bis heute offen.

Der Unterschied in einer Tabelle

Beide Begriffe benennen denselben Vorgang, nämlich dass ein Lerninhalt mit einem anderen konkurriert, nur von entgegengesetzten Enden der Zeitachse aus betrachtet.

Proaktive und retroaktive Interferenz im Vergleich.
Proaktive InterferenzRetroaktive Interferenz
Welche Erinnerung versagtDie neuereDie ältere
Welche Erinnerung störtDie ältereDie neuere
Zeitrichtung der StörungVorwärtsRückwärts
AlltagsbeispielDu nennst noch deine alte Telefonnummer statt der neuenDu lernst Eriksons Stufenmodell, und Ebbinghaus' Vergessenskurve fällt dir kaum noch ein
Klassische StudieUnderwood (1957)Jenkins und Dallenbach (1924)

Beide Beispiele in dieser Tabelle stammen aus OpenStax' Psychology 2e. Dort wird proaktive Interferenz so beschrieben, dass ältere Informationen den Abruf neu gelernter Informationen behindern, retroaktive Interferenz so, dass neuer gelernte Informationen den Abruf älterer Informationen behindern.

Die eine Frage, die jedes Beispiel einordnet

Die meisten Menschen kennen beide Definitionen und zögern trotzdem, sobald es konkret wird, weil sie versuchen, die störende Erinnerung zu verfolgen. Verfolge stattdessen die Erinnerung, die versagt.

Frag dich: Welche Erinnerung bekomme ich nicht mehr abgerufen?

  • Wenn die neuere Erinnerung nicht kommt, wirkt die ältere nach vorn und blockiert sie. Das ist proaktive Interferenz.
  • Wenn die ältere Erinnerung nicht kommt, wirkt die neuere nach hinten und blockiert sie. Das ist retroaktive Interferenz.

Das funktioniert, weil das Präfix die Richtung benennt, in die die Interferenz wirkt, und Interferenz wirkt immer auf die Erinnerung, die versagt. Sobald du weißt, welche Erinnerung ausgefallen ist, ergibt sich das Präfix von selbst.

Die Testfrage an sechs Alltagssituationen angewendet.
SituationWelche Erinnerung versagtAntwort
Du wählst noch die alte Telefonnummer statt der neuenDie neue NummerProaktiv
Nach dem Wechsel deines Passworts fällt dir das alte nicht mehr einDas alte PasswortRetroaktiv
Du hast zuerst Englisch gelernt, und beim Spanischsprechen kommen ständig englische Wörter dazwischenDas spanische WortProaktiv
Du hast letztes Semester in einem anderen Hörsaal gesessen und läufst aus Gewohnheit noch immer dorthinDer neue HörsaalProaktiv
Du parkst jeden Tag woanders und weißt am Donnerstag nicht mehr, wo du am Dienstag geparkt hastDer Parkplatz vom DienstagRetroaktiv
Du lernst nach Ebbinghaus' Vergessenskurve Eriksons Stufenmodell, und Ebbinghaus verblasstEbbinghaus' VergessenskurveRetroaktiv

Zwei der Beispiele, die alte Telefonnummer und das alte Passwort, betreffen dieselbe Art von Information und landen trotzdem bei entgegengesetzten Antworten. Nicht der Inhalt entscheidet, sondern die Richtung, in der die Erinnerung versagt.

Woher der Name „rückwirkende Hemmung" kommt

Der Begriff kam mit einem deutschen Namen in die Welt. Georg Müller und Alfons Pilzecker untersuchten 1900 in Göttingen mit Ebbinghaus' Nonsense-Silben als Material, wie eine zweite Lernphase die erste störte, und nannten das Phänomen „rückwirkende Hemmung". Für sie war das der Nachteil, den späteres Lernen für früher Gelerntes mit sich bringt. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie hält bis heute fest, dass das Phänomen zuerst von G. E. Müller und Pilzecker 1900 untersucht wurde, und beschreibt es so, dass eine zweite Serie irgendwelchen Materials einen ungünstigen Einfluss auf die Erinnerung an das vorher Gelernte ausübt.

Als der Begriff später ins Englische wanderte, wurde daraus „retroactive inhibition" und schließlich „retroactive interference". Fachbegriffe zwischen Deutsch und Englisch ändern auf diesem Weg oft ihre Form, aber nicht ihre Bedeutung. Ein Gegenstück gibt es ebenfalls im Deutschen: Das Dorsch-Lexikon führt proaktive Interferenz unter dem älteren Namen „vorwirkende Hemmung", auch wenn dieser Begriff heute seltener vorkommt als sein retroaktives Gegenstück.

1914 zeigte Heine in Müllers eigenem Labor in einer umfangreichen Versuchsreihe, dass retroaktive Interferenz auftrat, wenn am Ende Erinnern verlangt wurde, aber nicht, wenn Wiedererkennen genügte. Heine zeigte außerdem als Erste, dass retroaktive Interferenz nach einer Schlafphase geringer ausfiel als nach einer Wachphase. Das war ein volles Jahrzehnt, bevor eine spätere Studie mit demselben Befund berühmt wurde.

Der Schlafversuch, der retroaktive Interferenz berühmt machte

1924 wollten Jenkins und Dallenbach zeigen, dass Zeit allein kein Vergessen verursacht. Ihre zwei studentischen Versuchspersonen lebten und schliefen im Labor, lernten zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten Listen aus Nonsense-Silben und wurden nach Phasen des Schlafs oder des Wachseins geprüft. Das Vergessen fiel nach dem Schlaf deutlich geringer aus als nach dem Wachsein. Ihr Schlusssatz wird bis heute zitiert, hier in eigener Übersetzung aus dem Englischen:

Vergessen ist weniger eine Frage des Verblassens alter Eindrücke und Assoziationen, sondern vielmehr eine Frage der Interferenz, Hemmung oder Auslöschung des Alten durch das Neue.
Jenkins und Dallenbach, 1924, S. 612

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Es waren nur zwei Versuchspersonen, also eine eindrucksvolle Demonstration und keine große Schlafstudie. Und der Schlafbefund war, wie oben erwähnt, nicht neu: Heine hatte denselben Vorteil des Schlafs schon zehn Jahre zuvor gezeigt, nur wurde die spätere Studie bekannter.

Diese Evidenz war einer der Bausteine, die McGeoch 1932 dazu bewegten, für die Interferenztheorie anstelle der Zerfallstheorie zu argumentieren. Wir vergessen demnach vor allem wegen dem, was wir noch lernen, nicht allein, weil Zeit vergeht. Zeit spielt weiterhin eine Rolle. Interferenz gilt heute als eine der Hauptursachen des Vergessens, nicht als die einzige.

Proaktive Interferenz: zuerst entdeckt, zuletzt beachtet

Der weniger naheliegende der beiden Effekte wurde, kurios genug, als Erster untersucht. 1893 und 1894 veröffentlichte John Bergström Experimente zu dem, was er die „Interferenz von Assoziationen" nannte, wie C. M. MacLeod in seiner Geschichte der Interferenzforschung beschreibt. Bergström ließ Versuchspersonen Kartenstapel nach Inhalt sortieren, ordnete die Stapelpositionen dann neu und ließ erneut sortieren. Das zweite Sortieren dauerte spürbar länger, und die Versuchspersonen wiederholten oft das alte Sortiermuster. Heute nennen wir das proaktive Interferenz, und Bergström gilt als die erste Person, die dazu empirische Studien vorlegte.

Danach verschwand der Effekt für Jahrzehnte fast vollständig aus der Forschung. Der Begriff „proaktive Hemmung" wurde offenbar erstmals 1934 von Maslow verwendet, doch erst Underwoods Arbeit von 1957 rückte das Konzept wirklich in den Mittelpunkt.

Underwood wertete eine Reihe von Experimenten aus, bei denen eine Liste gelernt und einen Tag später abgefragt wurde, und bemerkte etwas, dem zuvor niemand große Beachtung geschenkt hatte: Der Abruf fiel umso schlechter aus, je mehr Listen eine Person zuvor bereits gelernt hatte. Seine eigene Deutung war, dass die proaktive Interferenz umso stärker ausfällt, je mehr vorausgegangene Listen es gab.

Die Folge war größer als die einzelne Beobachtung. Das Bild davon, wie schnell wir vergessen, stammte von Hermann Ebbinghaus, der 1885 an sich selbst enorme Mengen an Nonsense-Silben lernte und daraus die berühmte Vergessenskurve ableitete. Wenn frühere Listen Vergessen verursachen, dann maß Ebbinghaus' berühmt steile Kurve auch seine eigene angesammelte Interferenz, nicht nur den bloßen Zeitverlauf. Underwood schätzte frühere Angaben zur Vergessensrate als deutliche Überschätzungen ein, vielleicht um das Dreifache zu hoch, und schloss daraus, dass ein solches Vergessen vor allem aus proaktiver Interferenz resultieren müsse. Ähnlichkeit mit anderem Material und situative Ähnlichkeit seien, so Underwood, mit Abstand die entscheidendsten Faktoren beim Vergessen.

Proaktive Interferenz im Kurzzeitgedächtnis

Derselbe Effekt zeigte sich auch im Kurzzeitgedächtnis. Peterson und Peterson berichteten 1959, dass sich der Abruf einer Dreier-Konsonantenfolge exponentiell verschlechterte, sobald Versuchspersonen zwischen Lernen und Abruf rückwärts zählen mussten: von nahezu perfekt bei drei Sekunden Verzögerung auf unter zehn Prozent bei achtzehn Sekunden. Das wurde zunächst als reiner Verfall über die Zeit gedeutet.

Keppel und Underwood sahen sich 1962 gezielt nur die ersten Durchgänge dieser Aufgabe an und fanden schon nach einem einzigen vorangegangenen Element einen deutlichen proaktiven Effekt. Beim allerersten Durchgang fiel der Abruf kaum ab. Die dramatische Vergessenskurve war größtenteils Interferenz, die sich über die Durchgänge aufbaute und in gemittelten Daten unsichtbar blieb.

Ein Jahr später zeigten Wickens, Born und Allen, dass sich diese Interferenz größtenteils auflöste, sobald sich die Art des Materials über die Durchgänge änderte. Sie waren die Ersten, die diesen Effekt „Befreiung von proaktiver Interferenz" nannten (im Original: release from proactive interference). Das ist ein bemerkenswerter Befund, allerdings aus Kurzzeitgedächtnis-Aufgaben mit Wortlisten, und keine Lerntechnik, die für das Einprägen von Fachbegriffen geprüft wurde.

Warum Ähnlichkeit zählt und wo sich die Forschung uneinig ist

Als Faustregel gilt: Interferenz ist am stärksten zwischen Dingen, die sich ähneln. Underwood formulierte es deutlich, als er Ähnlichkeit mit anderem Material und situative Ähnlichkeit zu den wichtigsten Faktoren des Vergessens überhaupt zählte.

Der unbequeme Teil ist, dass sich die Entdecker der retroaktiven Interferenz selbst uneinig waren. Müller und Pilzecker behaupteten 1900, der Effekt hänge gar nicht von der Ähnlichkeit der beiden Materialarten ab. Ranschburg widersprach dem 1905, und Robinson kam 1920 zu dem Schluss, dass der Grad der retroaktiven Hemmung in einer gegebenen Situation eine Funktion der Ähnlichkeit zwischen der eingeschobenen Tätigkeit und dem ursprünglichen Lernen sei, auch wenn er einräumte, dass selbst oberflächlich unähnliches Material stören könne.

Diese ältere Position ist nicht verschwunden. Dewar, Cowan und Della Sala argumentierten 2007, retroaktive Interferenz entstehe auch durch unspezifische geistige Anstrengung nach dem Lernen, nicht nur durch ähnliches Material. In ihren Experimenten senkte sogar eine anspruchsvolle Tonerkennungsaufgabe, die keinerlei neues bedeutungshaltiges Material enthielt, den Abruf gegenüber einer stillen Ruhephase.

Halte fest, was sich sicher sagen lässt: Ähnlichkeit macht Interferenz zuverlässig stärker. Ob sie zwingend nötig ist, wird seit 1900 diskutiert und ist bis heute offen.

Interferenz ist keine Amnesie

Vier Begriffe werden hier häufig verwechselt, und zwei davon klingen einfach nur ähnlich. Interferenz betrifft das gesunde, gewöhnliche Gedächtnis. Die Amnesien sind Gedächtnisverluste nach einer Hirnverletzung oder Erkrankung.

Vier Begriffe, die oft verwechselt werden, und was jeder tatsächlich bezeichnet.
BegriffWas es istWann es auftritt
Proaktive InterferenzÄlteres Lernen erschwert den Abruf neu GelerntenGesundes Gedächtnis
Retroaktive InterferenzNeueres Lernen erschwert den Abruf älter GelerntenGesundes Gedächtnis
Anterograde AmnesieNeue Informationen können nicht gespeichert werden, während Erinnerungen von vor der Verletzung erhalten bleibenNach Hirnverletzung oder Erkrankung
Retrograde AmnesieVerlust von Erinnerungen an Ereignisse vor der VerletzungNach Hirnverletzung oder Erkrankung

Die beiden Amnesie-Definitionen stammen ebenfalls von OpenStax. „Retroaktiv" und „retrograd" sind keine Varianten desselben Wortes: Retroaktive Interferenz ist Konkurrenz zwischen zwei gewöhnlichen Erinnerungen, retrograde Amnesie der Verlust von Erinnerungen, die vor einer Verletzung entstanden sind.

Der Misinformationseffekt ist noch etwas anderes. Er beschreibt, wie der Kontakt mit ungenauen Informationen nach einem Ereignis dazu führen kann, dass sich jemand später falsch an das Ereignis selbst erinnert. Das ähnelt retroaktiver Interferenz insofern, als etwas Späteres etwas Früheres stört, betrifft aber die Verzerrung einer Erinnerung, nicht ihr bloßes Nichtabrufbarsein.

Verwechselbare Begriffe gezielt lernen

Psychologische Fachbegriffe sind von Natur aus ähnliches Material. Nahezu gleichlautende Begriffe unterscheiden sich oft nur um einen Wortteil, genau die Bedingung, unter der Interferenz am stärksten wirkt: proaktiv und retroaktiv, anterograd und retrograd. Wer solche Begriffe einzeln und isoliert lernt, bleibt bei jedem Einzelnen sicher und ist trotzdem unsicher, welcher welcher ist.

Die praktische Antwort ist, Fachbegriffe, die sich zum Verwechseln ähnlich sind, als Paar zu lernen statt als getrennte Einträge. Trage die vier Begriffe aus der Tabelle oben in eine Lernliste in Psychology World ein und übe sie als Karteikarte, als Multiple Choice, sobald die Liste mindestens vier Wörter enthält, oder per Tippen, dem Modus, der dich wirklich prüft. Was die einzelnen Lernmodi tun steht auf der Startseite.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen proaktiver und retroaktiver Interferenz?

Proaktive Interferenz liegt vor, wenn älteres Lernen den Abruf neu gelernter Inhalte erschwert. Retroaktive Interferenz liegt vor, wenn neuer gelerntes Material den Abruf älterer Inhalte erschwert. Das Präfix beschreibt die Richtung, in die die störende Erinnerung wirkt, vorwärts bei proaktiv und rückwärts bei retroaktiv, bezogen auf die Erinnerung, die versagt.

Wie merkt man sich, welche welche ist?

Frag dich, welche Erinnerung nicht mehr abrufbar ist. Fehlt die neuere, wirkt die ältere nach vorn: proaktiv. Fehlt die ältere, wirkt die neuere nach hinten: retroaktiv. Das ist verlässlicher, als zu versuchen, die störende Erinnerung selbst zu verfolgen.

Was ist ein Beispiel für proaktive Interferenz?

Du nennst noch deine alte Telefonnummer, obwohl du die neue angeben wolltest. Die alte Nummer wurde zuerst gelernt und blockiert den Abruf der neueren. Ein weiteres häufiges Beispiel ist eine zuerst gelernte Fremdsprache, die sich beim Sprechen einer später gelernten dazwischendrängt.

Ist retroaktive Interferenz dasselbe wie retrograde Amnesie?

Nein. Retroaktive Interferenz ist die Konkurrenz zweier gewöhnlicher Erinnerungen im gesunden Gedächtnis, bei der neueres Lernen den Abruf älteren Lernens erschwert. Retrograde Amnesie ist der Verlust von Erinnerungen an Ereignisse, die vor einer Hirnverletzung oder Erkrankung liegen. Die Vorsilben klingen ähnlich, das eine beschreibt aber normales Vergessen, das andere eine klinische Störung.

Was bedeutet rückwirkende Hemmung?

„Rückwirkende Hemmung" ist die ursprüngliche deutsche Bezeichnung für retroaktive Interferenz, geprägt von Georg Müller und Alfons Pilzecker 1900 in Göttingen. Sie bezeichnet denselben Vorgang wie der heute gebräuchlichere Begriff Interferenz: neu gelerntes Material stört rückwirkend den Abruf von etwas, das vorher gelernt wurde.

Quellen

  1. 1.Dewar, M. T., Cowan, N., & Della Sala, S. (2007). Forgetting due to retroactive interference: A fusion of Müller and Pilzecker's (1900) early insights into everyday forgetting and recent research on anterograde amnesia. Cortex, 43(5), 616–634.
  2. 2.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Retroaktive (rückwirkende), proaktive (vorwirkende) Hemmung.
  3. 3.Jenkins, J. G., & Dallenbach, K. M. (1924). Obliviscence during sleep and waking. American Journal of Psychology, 35(4), 605–612.
  4. 4.Keppel, G., & Underwood, B. J. (1962). Proactive inhibition in short-term retention of single items. Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior, 1(3), 153–161.
  5. 5.MacLeod, C. M. Interference theory: History and current status. In M. J. Kahana & A. D. Wagner (Eds.), Handbook of human memory. Oxford University Press.
  6. 6.Peterson, L., & Peterson, M. J. (1959). Short-term retention of individual verbal items. Journal of Experimental Psychology, 58(3), 193–198.
  7. 7.Spielman, R. M., Jenkins, W. J., & Lovett, M. D. (2020). Psychology 2e, 8.3 Problems with memory. OpenStax.
  8. 8.Underwood, B. J. (1957). Interference and forgetting. Psychological Review, 64(1), 49–60.

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