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Negative Verstärkung und Bestrafung, und das Wort, bei dem Skinner umdachte

Negative Verstärkung macht ein Verhalten häufiger, Bestrafung seltener. Die vier Fälle, Typ I und II, ein Test für jedes Beispiel und Skinners Begriffswechsel.

Konditionierung13 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Negative Verstärkung und Bestrafung wirken in entgegengesetzte Richtungen: Negative Verstärkung macht ein Verhalten häufiger, indem etwas Unangenehmes wegfällt, Bestrafung macht ein Verhalten seltener. „Negativ“ heißt dabei nicht schlecht, sondern entfernt. Wenn sich die Verwechslung trotzdem natürlich anfühlt, hat das einen Grund: B. F. Skinner selbst nannte 1938 „negative Verstärkung“, was heute Bestrafung heißt, und drehte die Definition fünfzehn Jahre später um.

  • Verstärkung macht ein Verhalten immer häufiger, Bestrafung immer seltener. „Positiv“ heißt, ein Reiz kommt hinzu, „negativ“, ein Reiz wird entfernt.
  • Daraus ergeben sich vier Fälle: positive Verstärkung, negative Verstärkung, positive Bestrafung und negative Bestrafung. Im deutschen Unterricht heißen die beiden Bestrafungen oft auch Bestrafung Typ I und Typ II.
  • Zwei Fragen ordnen jedes Beispiel ein: Wurde das Verhalten danach häufiger oder seltener? Kam etwas hinzu, oder fiel etwas weg?
  • Entscheidend ist die Wirkung auf das Verhalten, nicht die Absicht. Eine „Strafe“, nach der ein Verhalten häufiger wird, ist ein Verstärker.
  • Skinners Buch von 1938 verwendete „negative Verstärkung“ für bestrafende Reize, sein Buch von 1953 kehrte das um. Seit 1975 streiten Verhaltensanalytiker darüber, ob man die Unterscheidung in positiv und negativ überhaupt braucht.

Negative Verstärkung und Bestrafung: der Unterschied in Kürze

Negative Verstärkung ist keine Form der Bestrafung. Sie ist eine Form der Verstärkung, und Verstärkung stärkt per Definition das Verhalten, auf das sie folgt. „Negativ“ beschreibt nur, wie sie das tut: indem etwas Unangenehmes endet oder entfernt wird. Das offene Lehrbuch Psychology 2e von OpenStax definiert sie als einen Fall, in dem ein unerwünschter Reiz entfernt wird, um ein Verhalten zu verstärken.

Bestrafung erledigt die Gegenaufgabe. Sie schwächt das Verhalten, auf das sie folgt, entweder weil etwas Unangenehmes hinzukommt oder weil etwas Angenehmes wegfällt.

Das Standardbeispiel ist der Gurtwarnton im Auto. Der Ton nervt, das Anschnallen stellt ihn ab, und beim nächsten Mal schnallst du dich früher an. Etwas Unangenehmes wurde entfernt, und das Verhalten, das es entfernt hat, wurde häufiger. Das ist negative Verstärkung. Bestraft wurde niemand.

Die vier Fälle der operanten Konditionierung

Verstärkung und Bestrafung gehören zur operanten Konditionierung, also zu Verhalten, das durch seine Folgen geformt wird. Den Begriff „operant“ führte Skinner 1937 ein. Kreuzt man die zwei Wirkungen mit den zwei Operationen, entstehen vier Begriffe, und jeder ist durch zwei Dinge zugleich bestimmt. Eine Vorlesung der FU Berlin zur operanten Konditionierung fasst sie als Einführung oder Elimination einer positiven oder negativen Konsequenz.

Die vier Fälle: was mit dem Reiz geschieht und was mit dem Verhalten.
Wirkung auf das VerhaltenReiz kommt hinzu (positiv)Reiz fällt weg (negativ)
Verhalten wird häufiger (Verstärkung)Positive Verstärkung: Lob für eine erledigte Aufgabe, also werden Aufgaben öfter erledigtNegative Verstärkung: Der Gurtwarnton hört auf, wenn du dich anschnallst, also schnallst du dich früher an
Verhalten wird seltener (Bestrafung)Positive Bestrafung, auch Bestrafung Typ I oder direkte Bestrafung: Zusatzaufgaben nach einem Regelverstoß, also wird die Regel seltener gebrochenNegative Bestrafung, auch Bestrafung Typ II oder indirekte Bestrafung: Ein Spielzeug wird nach dem Hauen weggenommen, also wird seltener gehauen

Lies die Tabelle zuerst nach Zeilen. Die Zeile sagt dir, ob die Folge das Verhalten gestärkt oder geschwächt hat, und das ist der wichtigere Teil. Die Spalte sagt nur, auf welchem Weg.

Ein Test mit zwei Fragen, der jedes Beispiel einordnet

Die Reihenfolge ist wichtig. Stell die Fragen in dieser Abfolge:

  1. 1.Wurde das Verhalten danach häufiger oder seltener? Häufiger heißt Verstärkung, seltener heißt Bestrafung.
  2. 2.Kam ein Reiz hinzu, oder fiel einer weg? Hinzu heißt positiv, weg heißt negativ.

Die erste Frage erledigt den größten Teil der Arbeit. Steht fest, dass eine Folge eine Bestrafung ist, kann sie keine negative Verstärkung sein, ganz gleich, was dabei wegfiel.

Klassische Beispiele, mit dem Zwei-Fragen-Test eingeordnet.
BeispielVerhalten danachHinzu oder wegBegriff
Der Gurtwarnton verstummt, sobald du dich anschnallstAnschnallen wird häufigerWarnton fällt wegNegative Verstärkung
Eine Schmerztablette beendet KopfschmerzenTablette bei Kopfschmerzen wird häufigerSchmerz fällt wegNegative Verstärkung
Die Schlummertaste bringt den Wecker zum SchweigenSchlummertaste drücken wird häufigerWeckton fällt wegNegative Verstärkung
Ein Kind muss nach guten Noten nicht abwaschenLernen für gute Noten wird häufigerPflicht fällt wegNegative Verstärkung
Ein Spielzeug wird weggenommen, nachdem das Kind sein Geschwister hautHauen wird seltenerSpielzeug fällt wegNegative Bestrafung (Typ II)
Zusatzaufgaben nach einem RegelverstoßRegelverstöße werden seltenerAufgaben kommen hinzuPositive Bestrafung (Typ I)
Ein Bußgeld fürs zu schnelle FahrenRasen wird seltenerJe nach BeschreibungIn jedem Fall Bestrafung

Die letzte Zeile ist absichtlich unbequem. Ein Bußgeld lässt sich als hinzukommende Strafe beschreiben oder als weggenommenes Geld, die zweite Frage hat also keine saubere Antwort. Die erste schon: Wird danach seltener gerast, ist das Bußgeld eine Bestrafung. Genau deshalb fragt man zuerst nach dem Verhalten.

Ist eine Auszeit negative Verstärkung oder Bestrafung?

Eine Auszeit, im Englischen time-out, gilt meist als negative Bestrafung: Sie entzieht Aufmerksamkeit, Spiel und anderes, das für das Kind angenehm ist, damit ein Verhalten seltener wird. Die Definition ist aber funktional und keine Frage der Absicht. Ob etwas eine Bestrafung ist, entscheidet sich daran, ob das Verhalten tatsächlich seltener wird, wie der Wikipedia-Artikel zur Bestrafung in der Psychologie zusammenfasst. Wird ein Kind aus einer Aufgabe geschickt, der es ohnehin entkommen wollte, und wird das Verhalten, das zur Auszeit führte, häufiger, dann hat die Auszeit als negative Verstärkung gewirkt. Der Begriff folgt dem Ergebnis.

Negative Verstärkung vs. negative Bestrafung

Das ist das Paar, das tatsächlich verwechselt wird, weil in beiden Fällen etwas wegfällt. Der Unterschied liegt darin, was wegfällt und in welche Richtung sich das Verhalten bewegt.

  • Negative Verstärkung entfernt etwas Unangenehmes, und das Verhalten wird häufiger. Die Kopfschmerzen hören auf, also greifst du beim nächsten Mal wieder zur Tablette.
  • Negative Bestrafung entfernt etwas Angenehmes, und das Verhalten wird seltener. Das Handy wird eingezogen, also hört das nächtliche Scrollen auf.

Eine schnelle Merkhilfe: Bei negativer Verstärkung ist man über das Wegfallen erleichtert. Bei negativer Bestrafung verliert man etwas, das man haben wollte.

Das Fernsehverbot zeigt, wie nah beides beieinanderliegt. Wird es nach einem Regelverstoß verhängt, ist es negative Bestrafung, Typ II: Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zur Verstärkung nennt Fernsehverbot und das Wegnehmen eines Spielzeugs als Beispiele für den „Entzug eines Privilegs“. Wird ein bestehendes Fernsehverbot dagegen aufgehoben, sobald die Hausaufgaben vollständig sind, und werden die Hausaufgaben daraufhin öfter vollständig gemacht, ist das Aufheben negative Verstärkung. Dasselbe Verbot, zwei verschiedene Begriffe.

Das andere Paar, das Suchanfragen verwechseln, ist negative Verstärkung und positive Bestrafung. In beiden steckt ein unangenehmer Reiz, und dort beginnt die Verwirrung. Bei positiver Bestrafung kommt das Unangenehme nach dem Verhalten, bei negativer Verstärkung sorgt das Verhalten dafür, dass es verschwindet. Sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen.

Flucht und Vermeidung: die zwei Formen negativer Verstärkung

Negative Verstärkung tritt in zwei Formen auf, und es lohnt sich, sie zu benennen, weil Beispiele sie oft vermischen.

  • Flucht: Das Verhalten beendet einen unangenehmen Reiz, der schon da ist. Sich anzuschnallen, um den Warnton abzustellen, ist Flucht.
  • Vermeidung: Das Verhalten verhindert oder verschiebt einen unangenehmen Reiz, bevor er einsetzt. Sich anzuschnallen, bevor der Warnton überhaupt ertönt, weil du weißt, dass er kommt, ist Vermeidung.

Beide stärken das Verhalten, also sind beide negative Verstärkung. Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt Vermeidung entsprechend als „eine Form der negativen Verstärkung, bei der eine Reaktion verhindert, dass ein aversiver Reiz überhaupt auftritt“.

Flucht ist auch das Verfahren hinter einem der bekanntesten Experimente der Psychologie. In Seligmans und Maiers Experiment von 1967 konnten Hunde einen Stromreiz beenden, indem sie in einer Shuttle-Box über eine niedrige Barriere stiegen. Die Hunde, die vorher Reizen ausgesetzt waren, die sie nicht kontrollieren konnten, lernten diese Fluchtreaktion größtenteils nicht, obwohl sie möglich war.

Warum man sie verwechselt: die Definition, die Skinner umdrehte

Die übliche Erklärung für die Verwechslung lautet, dass „negativ“ als „schlecht“ gehört wird. Das stimmt, ist aber nicht die ganze Geschichte. Fünfzehn Jahre lang verwendete Skinner selbst „negative Verstärkung“ für das, was man heute Bestrafung nennt — von seinem Buch 1938 bis zu seinem Buch 1953.

In The Behavior of Organisms (1938) teilte Skinner verstärkende Reize in zwei Arten. Jack Michael hat das 1975 in einem Aufsatz dokumentiert, der beide Bücher Skinners nebeneinander zitiert:

Es gibt also zwei Arten verstärkender Reize — positive und negative.
B. F. Skinner, The Behavior of Organisms, 1938, zitiert nach Michael (1975); eigene Übersetzung

Die negative Art war der Stromreiz nach dem Hebeldruck, ein Reiz, dessen Darbietung das Verhalten seltener machte. Eine seiner eigenen Studien, das sogenannte Bar-slap-Experiment, beschrieb Skinner als Nachweis für „die Wirkung negativer Verstärkung auf die Löschung“. In heutigen Begriffen ist das positive Bestrafung.

In Science and Human Behavior (1953) änderte er die Definition. Verstärker, die etwas hinzufügen, etwa Futter oder Wasser, wurden positiv. Verstärker, die etwas entfernen, etwa einen lauten Lärm, ein grelles Licht, große Hitze oder Kälte oder einen Stromreiz, wurden negativ. Und beide wirken, schrieb er auf Seite 73, auf dieselbe Weise: In beiden Fällen sei die Wirkung der Verstärkung dieselbe, die Wahrscheinlichkeit der Reaktion steige. Die Bestrafung bekam eine eigene Kategorie. Auf den Seiten 184–185 definierte Skinner sie als Entzug eines positiven oder Darbietung eines negativen Verstärkers, mit einem Beispiel für jede Form: einem Baby Süßigkeiten wegnehmen, und einem Baby einen Klaps geben.

Die Alltagslesart, negative Verstärkung sei Bestrafung, ist also keine Erfindung verwirrter Studierender. Sie ist Skinners Sprachgebrauch von 1938, der bis heute nachwirkt. Michael war deutlich, was der Wechsel gekostet hat:

Seit 1953 müssen Tausende Arbeitsstunden in den Versuch geflossen sein, Lernende des verhaltenswissenschaftlichen Vokabulars davon abzuhalten, diese Reizänderung mit Bestrafung gleichzusetzen.
Jack Michael, Behaviorism, 1975; eigene Übersetzung

Er nannte auch die zweite Falle, die in der Alltagssprache steckt. Belohnung und Strafe klingen wie Gegensätze. Wenn Belohnung positive Verstärkung ist, fragte er sinngemäß, ist es dann nicht naheliegend, dass Strafe negative Verstärkung ist? Und „verstärken“ heißt stärker machen, sodass „negative Verstärkung“ wie negatives Stärkermachen klingt, also wie Schwächen.

Die Verwechslung ist weit über diesen einen Aufsatz hinaus belegt. Lilienfeld und Kollegen nahmen das Paar 2017 in ein Kompendium von 50 häufig verwechselten Begriffspaaren der Psychologie auf und sprechen, mit Verweis auf Tauber (1988), von einer allgegenwärtigen Verwechslung durch Generationen von Psychologiestudierenden. Es ist das Lehrbuchbeispiel für das Problem, das der Beitrag über planvolles Lernen von Fachbegriffen beschreibt: ein Alltagswort, „negativ“, das schon mit der falschen Bedeutung belegt ist und neben einem Beinahe-Synonym steht, von dem es unterschieden werden muss.

Bestrafung Typ I und Typ II und die deutschen Definitionen

Im deutschen Unterricht und in vielen Lernkarten kommen zwei weitere Namen hinzu. Bestrafung Typ I, auch direkte Bestrafung, ist die positive Bestrafung: Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt sie als „Zufügung eines unangenehmen, also aversiven Reizes“. Bestrafung Typ II, auch indirekte Bestrafung, ist die negative Bestrafung, die „Entfernung eines angenehmen Reizes bzw. Entzug eines Privilegs“. Woher die Bezeichnungen Typ I und Typ II stammen, geht aus dieser Quelle nicht hervor. Sie sind im deutschsprachigen Unterricht verbreitet, sollten aber nicht Skinner zugeschrieben werden.

Wer in mehreren deutschen Nachschlagewerken nachschlägt, stößt außerdem auf engere Definitionen von „Bestrafung“. Der Dorsch-Eintrag „Bestrafung“ bestimmt Bestrafung als „ein unangenehmes Ereignis (aversiver Reiz), das (der) auf eine Handlung folgt und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Handlung in ähnlichen Situationen herabsetzen soll“. Der Entzug angenehmer Ereignisse erscheint dort als weitere Möglichkeit, eine Handlung seltener zu machen, nicht als Teil derselben Definition. Das ist kein Fehler, sondern eine andere Einteilung. Wer mit dem Schema aus vier Fällen lernt, sollte nur wissen, dass „Bestrafung“ in manchen Quellen allein Typ I meint.

Braucht es die Unterscheidung in positiv und negativ überhaupt?

Michaels Aufsatz von 1975 stellte nicht nur die Verwirrung fest, er schlug auch eine Lösung vor: jede stärkende Folge Verstärkung nennen, jede schwächende Bestrafung, und Verstärkung nicht mehr danach unterteilen, ob etwas dargeboten oder entfernt wird. Diese Unterscheidung, schrieb er, könne schlicht entfallen.

Manche Zusammenfassungen im Netz berichten das Gegenteil, Michael habe die Unterscheidung für notwendig gehalten. Sie zitieren einen Satz, mit dem er die Position einleitet, die er anschließend verwirft. Seine Schlussfolgerung ist die oben genannte.

Dreißig Jahre später griff The Behavior Analyst die Frage wieder auf. Alan Baron und Mark Galizio fragten 2005, ob die Unterscheidung erhalten bleiben sollte, und gaben Michaels Befund wieder, die Begriffe seien verwirrend und mehrdeutig. 2006 folgten Antworten. Brian Iwata sprach sich dafür aus, die Unterscheidung aus praktischen Gründen in der angewandten Arbeit beizubehalten, räumte aber ein, dass sich manche Änderungen, etwa eine andere Temperatur oder Reizstärke, sowohl als Hinzufügen als auch als Entfernen beschreiben lassen. Philip Chase argumentierte, die Unterscheidung sei vor allem als Lehrhilfe nützlich und nicht als Kennzeichen zweier verschiedener Prozesse.

In der Praxis ist die Debatte offen, und Einführungslehrbücher lehren weiterhin alle vier Begriffe. Die mehrdeutigen Fälle sind ein echter Grund für die Meinungsverschiedenheit unter Fachleuten, aber kein Grund, die Unterscheidung für falsch zu halten. Für Studierende ist der brauchbare Schluss enger: Die Trennung zwischen Verstärkung und Bestrafung ist die belastbare, die Trennung zwischen positiv und negativ die, bei der man genau hinsehen muss.

Löschung ist etwas Drittes

Ein dritter Begriff wird oft in denselben Vergleich gezogen. Löschung, auch Extinktion, bezeichnet, was geschieht, wenn ein bisher verstärktes Verhalten nicht mehr verstärkt wird und deshalb seltener auftritt. Als Folge des Verhaltens kommt nichts hinzu und fällt nichts weg, die Folge bleibt einfach aus.

Damit ist Löschung weder Verstärkung noch Bestrafung. Sie senkt das Verhalten wie eine Bestrafung, aber dadurch, dass ein Verstärker ausbleibt, nicht durch eine Konsequenz. Kurz gesagt: Verstärkung stärkt, Bestrafung schwächt durch eine Folge, Löschung schwächt durch das Ausbleiben einer Folge.

Woher die Begriffe stammen

Die Idee ist älter als das Vokabular. Edward Thorndikes Gesetz des Effekts, formuliert in Animal Intelligence von 1911, besagt, dass Reaktionen, auf die Befriedigung folgt, fester mit der Situation verbunden werden, und dass sich diese Verbindung bei Reaktionen, auf die Unbehagen folgt, abschwächt. Skinner machte daraus die operante Konditionierung und verlegte die Definitionen von Gefühlen auf beobachtbare Wirkungen im Verhalten. Aus derselben lerntheoretischen Tradition stammt auch der Name der Verhaltenstherapie, eines der vier Richtlinienverfahren.

Wie du die vier Begriffe auseinanderhältst

Vier Begriffe, die sich jeweils nur in einem Wort unterscheiden, verblassen beim Wiederlesen und bleiben beim Abrufen hängen. Begriffe, die du verwechselst, gehören auf dieselbe Lernliste, wie der Beitrag zum planvollen Lernen von Fachbegriffen beschreibt: Übe das Paar, das du am häufigsten verwechselst, in derselben Sitzung gegeneinander, nicht an verschiedenen Tagen. In Psychology World funktioniert das mit Multiple Choice, das mindestens vier Wörter in einer Liste braucht, oder mit Tippen, das keine Antwort durchgehen lässt, die du nur wiedererkennst. Was die Lernmodi Karteikarte, Multiple Choice und Tippen jeweils tun, steht auf der Startseite.

Häufige Fragen

Ist negative Verstärkung eine Bestrafung?

Nein, die beiden sind Gegensätze. Verstärkung, ob positiv oder negativ, macht ein Verhalten immer wahrscheinlicher, Bestrafung macht es immer unwahrscheinlicher. Die Vorstellung, negative Verstärkung sei Bestrafung, entspricht Skinners Sprachgebrauch von 1938, den er 1953 umkehrte.

Was ist Bestrafung Typ 1 und Typ 2?

Bestrafung Typ I, auch direkte oder positive Bestrafung, fügt nach einem Verhalten etwas Unangenehmes hinzu, etwa Schimpfen oder Zusatzaufgaben. Bestrafung Typ II, auch indirekte oder negative Bestrafung, entzieht etwas Angenehmes, etwa durch Fernsehverbot oder das Wegnehmen eines Spielzeugs. In beiden Fällen soll das Verhalten seltener werden.

Ist Fernsehverbot negative Verstärkung oder Bestrafung?

Ein Fernsehverbot nach einem Regelverstoß ist negative Bestrafung, also Bestrafung Typ II: Etwas Angenehmes fällt weg, und das Verhalten soll seltener werden. Negative Verstärkung wäre es erst, wenn ein bestehendes Verbot aufgehoben wird und das Verhalten, das zur Aufhebung geführt hat, dadurch häufiger wird.

Ist das Wegnehmen eines Spielzeugs negative Verstärkung?

Nein. Ein Spielzeug nach einem Verhalten wegzunehmen, ist negative Bestrafung. Etwas Angenehmes wird entfernt, und das Verhalten soll seltener werden. Negative Verstärkung entfernt etwas Unangenehmes, und das Verhalten wird häufiger.

Was ist ein gutes Beispiel für negative Verstärkung?

Der Gurtwarnton im Auto. Der Ton ist unangenehm, das Anschnallen stellt ihn ab, und das Anschnallen wird häufiger. Eine Schmerztablette gegen Kopfschmerzen oder die Schlummertaste am Wecker funktionieren genauso.

Wer hat die Begriffe positive und negative Verstärkung geprägt?

B. F. Skinner. In The Behavior of Organisms (1938) verwendete er „negative Verstärkung“ für bestrafende Reize, in Science and Human Behavior (1953) gab er dem Begriff seine heutige Bedeutung: ein Wegfallen, das Verhalten stärkt. Jack Michael schlug 1975 vor, die Unterscheidung in positiv und negativ aufzugeben, und Verhaltensanalytiker diskutieren sie bis heute.

Quellen

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  2. 2.Baron, A., & Galizio, M. (2005). Positive and negative reinforcement: Should the distinction be preserved? The Behavior Analyst, 28(2), 85–98.
  3. 3.Iwata, B. A. (2006). On the distinction between positive and negative reinforcement. The Behavior Analyst, 29(1), 121–123.
  4. 4.Chase, P. N. (2006). Teaching the distinction between positive and negative reinforcement. The Behavior Analyst, 29(1), 113–115.
  5. 5.Lilienfeld, S. O., Pydych, A. L., Lynn, S. J., Latzman, R. D., & Waldman, I. D. (2017). 50 differences that make a difference: A compendium of frequently confused term pairs in psychology. Frontiers in Education, 2, 37.
  6. 6.Spielman, R. M., Jenkins, W. J., & Lovett, M. D. (2020). Psychology 2e, 6.3 Operant conditioning. OpenStax.
  7. 7.Freie Universität Berlin, Allgemeine Psychologie (2007). Lernen & Gedächtnis: Operante Konditionierung, Bestrafung. Vorlesungsfolien, SoSe 2007.
  8. 8.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Bestrafung. Hogrefe.
  9. 9.Skinner, B. F. (1937). Two types of conditioned reflex: A reply to Konorski and Miller. Journal of General Psychology, 16, 272–279.
  10. 10.Thorndike, E. L. (1911). Animal intelligence: Experimental studies, chapter V.
  11. 11.Wikipedia. Verstärkung (Psychologie).
  12. 12.Wikipedia. Punishment (psychology).

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