Die Verfügbarkeitsheuristik schätzt, wie häufig oder wie wahrscheinlich etwas ist, danach, wie leicht dir Beispiele einfallen. Die Repräsentativitätsheuristik schätzt, wie wahrscheinlich etwas ist, danach, wie sehr es einem typischen Fall ähnelt. Der Unterschied ist die Quelle des Urteils: bei der ersten das Gedächtnis, bei der zweiten die Ähnlichkeit. Amos Tversky und Daniel Kahneman haben beide Heuristiken Anfang der 1970er-Jahre beschrieben.
Die meisten Zusammenfassungen geben für jeden Begriff ein erfundenes Beispiel und enden dort. Dieser Artikel gibt dir eine Frage, mit der du jedes Beispiel einordnest. Dazu kommen die Originalexperimente mit ihren Zahlen und die Kritik, die in den meisten Zusammenfassungen fehlt. Zitate aus den englischen Originalarbeiten stehen hier in eigener Übersetzung.
- Verfügbarkeit: Du beurteilst Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit danach, wie leicht du Beispiele abrufen oder dir vorstellen kannst.
- Repräsentativität: Du beurteilst Wahrscheinlichkeit nach der Ähnlichkeit mit einem Stereotyp, einem typischen Fall oder einem typischen Vorgang.
- Die Einordnungsfrage lautet: Kam die Antwort aus erinnerten Beispielen oder aus dem Vergleich mit einem Typ?
- Beide Heuristiken funktionieren meistens. Tversky und Kahneman nannten sie 1974 „recht nützlich“ und schrieben, dass sie manchmal zu „schweren und systematischen Fehlern“ führen.
- Die klassischen Befunde sind nicht alle gleich gut belegt. In einer Studie von 1998 folgten die Urteile über Buchstabenpositionen meist den tatsächlichen Anteilen.
Der Unterschied in einer Tabelle
Beide Begriffe beantworten dieselbe Art von Frage auf zwei verschiedene Arten. Die Tabelle zeigt, worin sie sich unterscheiden. Die englischen Bezeichnungen in der letzten Zeile stehen so im Dorsch-Lexikon der Psychologie, in den Einträgen zur Verfügbarkeitsheuristik und zur Repräsentativitätsheuristik.
| Verfügbarkeitsheuristik | Repräsentativitätsheuristik | |
|---|---|---|
| Worauf sich das Urteil stützt | Wie leicht Beispiele einfallen | Wie sehr ein Fall einem typischen Fall ähnelt |
| Geistiger Vorgang | Eine Suche im Gedächtnis oder der Versuch, sich Beispiele vorzustellen | Ein Vergleich mit einem Stereotyp oder einem typischen Vorgang |
| Typische Frage | Wie häufig ist das? Wie wahrscheinlich ist dieses Ereignis? | Gehört diese Person oder diese Stichprobe zu dieser Kategorie? |
| Was das Urteil übersieht | Faktoren, die Beispiele leicht abrufbar machen, aber nicht häufig, zum Beispiel Berühmtheit | Basisraten und Stichprobengröße |
| Erste Arbeit | Tversky und Kahneman, 1973 | Kahneman und Tversky, 1972 |
| Bekanntester Beleg | Das Buchstabenproblem mit K | Das Linda-Problem |
| Englische Bezeichnung | availability heuristic | representativeness heuristic |
Die eine Frage, die jedes Beispiel einordnet
Prüfungsfragen und Lehrbuchbeispiele beschreiben eine Person, die ein Urteil fällt. Um die Heuristik zu benennen, fragst du, woher die Antwort kam. Geh in vier Schritten vor.
- 1.Finde das Urteil. Meist ist es eine Schätzung von Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit.
- 2.Finde die Information, mit der die Person geschätzt hat.
- 3.Wenn die Person Beispiele genutzt hat, die ihr leicht einfielen, ist es die Verfügbarkeitsheuristik.
- 4.Wenn die Person eine Beschreibung mit einem typischen Fall verglichen hat, ist es die Repräsentativitätsheuristik.
Alle sechs Situationen in der nächsten Tabelle stammen aus den Originalarbeiten. Bei der Münzfolge steht K für Kopf und Z für Zahl.
| Situation | Woher die Antwort kam | Heuristik |
|---|---|---|
| Du schätzt die Scheidungsrate in deiner Stadt nach den Scheidungen in deinem Bekanntenkreis | Erinnerte Beispiele | Verfügbarkeit |
| Du liest, dass Steve schüchtern und ordentlich ist, und hältst ihn eher für einen Bibliothekar als für einen Landwirt | Vergleich mit einem Stereotyp | Repräsentativität |
| Du meinst, dass mehr englische Wörter mit K beginnen, als K an dritter Stelle haben | Wörter, die im Gedächtnis leicht zu finden sind | Verfügbarkeit |
| Du hältst die Münzfolge K-Z-K-Z-Z-K für wahrscheinlicher als K-K-K-Z-Z-Z | Vergleich mit deiner Vorstellung von einem Zufallsvorgang | Repräsentativität |
| Du hörst eine Namensliste und meinst, sie enthielt mehr Frauen, weil die Frauen berühmter waren | Namen, die leicht abrufbar sind | Verfügbarkeit |
| Du hältst es für wahrscheinlicher, dass Linda eine feministische Bankangestellte ist, als dass sie Bankangestellte ist | Vergleich mit einer Beschreibung | Repräsentativität |
Verfügbarkeitsheuristik: das Urteil kommt aus dem Gedächtnis
Tversky und Kahneman gaben der Verfügbarkeitsheuristik 1973 ihren Namen. Nach ihrer Definition beurteilt eine Person Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit danach, wie leicht ihr passende Beispiele in den Sinn kommen. Die Idee ist vernünftig. Häufige Dinge sind meist leichter abrufbar als seltene. Die Autoren schrieben, die Verfügbarkeit hänge mit der tatsächlichen Häufigkeit zusammen, werde aber auch von anderen Faktoren beeinflusst. Diese anderen Faktoren verursachen die Fehler.
Die Buchstabenstudie
Der bekannteste Test nutzte fünf Konsonanten: K, L, N, R und V. In englischen Texten steht jeder dieser Buchstaben häufiger an dritter Stelle eines Wortes als an erster. Ein typischer Text enthält doppelt so viele Wörter mit K an dritter Stelle wie Wörter, die mit K beginnen. Wörter, die mit K beginnen, fallen dir aber leichter ein.
Die 152 Versuchspersonen entschieden für jeden Buchstaben, welche Position häufiger ist. 105 von ihnen hielten bei der Mehrheit der Buchstaben die erste Position für häufiger, 47 die dritte. Im Median schätzten sie die erste Position als doppelt so häufig wie die dritte. Richtig war bei allen fünf Buchstaben das Gegenteil.
Die Studie mit berühmten Namen
Eine zweite Studie veränderte, wie leicht die Beispiele abrufbar waren. Die Versuchspersonen hörten eine aufgenommene Namensliste mit 39 Namen. In einigen Namenslisten standen 19 Namen berühmter Frauen und 20 Namen weniger berühmter Männer. In den anderen Namenslisten waren die berühmten Namen Männernamen.
Eine Gruppe gab die Namen aus dem Gedächtnis wieder. Im Durchschnitt erinnerte sie 12,3 der 19 berühmten Namen und 8,4 der 20 weniger berühmten. Eine zweite Gruppe entschied, ob die Namensliste mehr Männer oder mehr Frauen enthielt. Von 99 Versuchspersonen wählten 80 das Geschlecht mit den berühmteren Namen. Dieses Geschlecht hatte in jeder Namensliste weniger Namen: 19 statt 20.
Repräsentativitätsheuristik: das Urteil kommt aus der Ähnlichkeit
Kahneman und Tversky beschrieben die Repräsentativität 1972, ein Jahr vor der Arbeit zur Verfügbarkeit. Wer diese Heuristik nutzt, beurteilt die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses nach zwei Eigenschaften. Die erste Eigenschaft: wie ähnlich das Ereignis in wesentlichen Merkmalen seiner Grundgesamtheit ist. Die zweite Eigenschaft: wie gut es die auffälligen Merkmale des Vorgangs zeigt, der es erzeugt hat.
Stichproben, die zufällig aussehen
Eine Aufgabe in der Arbeit von 1972 handelt von Familien mit sechs Kindern. M steht hier für Mädchen und J für Junge. Du erfährst, dass in einer Stadt 72 Familien die Geburtenfolge M-J-M-J-J-M hatten. Du schätzt, wie viele Familien die Folge J-M-J-J-J-J hatten.
Die beiden genauen Folgen sind etwa gleich wahrscheinlich. Trotzdem hielten 75 von 92 Versuchspersonen die zweite Folge für weniger wahrscheinlich, und der Median der Schätzungen lag bei 30 Familien. Die zweite Folge bildet das Verhältnis von Jungen und Mädchen in der Bevölkerung nicht ab, und sie sieht nicht zufällig aus.
Basisraten
Die Arbeit von 1974 in Science berichtet einen Test zu Basisraten. Eine Basisrate gibt an, wie häufig eine Kategorie in der Grundgesamtheit ist. Die Versuchspersonen lasen kurze Beschreibungen von Personen aus einer Gruppe von 100 Ingenieuren und Anwälten. Ein Teil der Versuchspersonen erfuhr, die Gruppe bestehe aus 70 Ingenieuren und 30 Anwälten. Der andere Teil erfuhr, sie bestehe aus 30 Ingenieuren und 70 Anwälten.
Die Beschreibung eines Mannes namens Dick enthielt keine Information über seinen Beruf. Die richtige Schätzung ist dann die Basisrate: 0,7 in der einen Bedingung und 0,3 in der anderen. Die Versuchspersonen gaben in beiden Bedingungen eine Wahrscheinlichkeit von 0,5 an. Die Beschreibung ähnelte weder einem Ingenieur noch einem Anwalt, und die Versuchspersonen ließen die Zahlen außer Acht, die sie hatten. Dieser Fehler heißt Basisratenfehler.
Das Linda-Problem
Der bekannteste Beleg stammt aus einer Arbeit von 1983 in Psychological Review. Linda ist 31 Jahre alt, alleinstehend, freimütig und sehr intelligent. Als Studentin beschäftigten sie Fragen der Diskriminierung und der sozialen Gerechtigkeit sehr. Tversky und Kahneman fragten 142 Studierende, welche Aussage wahrscheinlicher ist. Die erste Aussage: Linda ist Bankangestellte. Die zweite Aussage: Linda ist Bankangestellte und in der Frauenbewegung aktiv.
Die zweite Aussage kann nicht wahrscheinlicher sein, denn alle feministischen Bankangestellten sind Bankangestellte. Trotzdem wählten 85 % der Befragten die zweite Aussage. Die Beschreibung ähnelt einer Feministin mehr als einer Bankangestellten. Dieser Fehler heißt Konjunktionsfehler.
Wo sich die beiden Heuristiken überschneiden
Die beiden Heuristiken schließen einander nicht aus. Dieselbe Arbeit von 1983 sagt, dass jede der beiden Heuristiken eine Verknüpfung zweier Ereignisse wahrscheinlicher erscheinen lassen kann als eines der beiden Ereignisse allein. Die Arbeit beginnt mit einem Konjunktionsfehler, der aus der Verfügbarkeit entsteht und nicht aus der Repräsentativität.
Die Aufgabe handelt von englischen Wörtern. Eine Gruppe schätzte, wie viele Wörter mit sieben Buchstaben und der Endung „ing“ auf vier Seiten eines Romans stehen. Eine zweite Gruppe schätzte dasselbe für Wörter mit sieben Buchstaben und einem n an sechster Stelle. Alle „ing“-Wörter gehören zur zweiten Kategorie, also kann die zweite Kategorie nicht kleiner sein. Die Mediane der Schätzungen lagen bei 13,4 für die „ing“-Wörter und bei 4,7 für die größere Kategorie. Wörter mit der Endung „ing“ fallen leichter ein.
Der Konjunktionsfehler ist also kein anderes Wort für die Repräsentativitätsheuristik. Er ist ein Fehler, und jede der beiden Heuristiken kann ihn verursachen. Dieselbe Regel gilt für alle diese Begriffe: Eine Heuristik ist ein Verfahren, eine Verzerrung ist der Fehler, den das Verfahren verursacht. Die Verfügbarkeitsheuristik ist deshalb nicht dasselbe wie die Verfügbarkeitsverzerrung. Unsere Übersicht über zehn kognitive Verzerrungen erklärt diese Unterscheidung genauer.
Was die Kritik sagt
Kurze Zusammenfassungen stellen die beiden Heuristiken oft als Tatsachen dar, die niemand bestreitet. Die Forschungsliteratur zeigt mehr Uneinigkeit.
- Die Begriffe sind unscharf definiert. Gerd Gigerenzer schrieb 1996, die Heuristiken seien „zu vage, um als Erklärungen zu gelten“. Sie erklärten „zugleich zu wenig und zu viel“. Im Nachhinein lasse sich eine von ihnen an fast jedes Ergebnis eines Experiments anpassen.
- Kahneman und Tversky widersprachen. Im selben Heft der Zeitschrift antworteten sie, Repräsentativität lasse sich wie Ähnlichkeit experimentell erfassen. Deshalb müsse man sie nicht vorab definieren.
- Das Buchstabenergebnis ist umstritten. Sedlmeier, Hertwig und Gigerenzer führten 1998 drei Studien zu Buchstabenpositionen durch. Die Urteile folgten meist den tatsächlichen Anteilen. Die Versuchspersonen überschätzten kleine Anteile und unterschätzten große. Die Autoren schlossen, dass dieses Muster die Daten besser erklärt als die Verfügbarkeit.
- Das Format der Frage verändert die Fehlerquote. Die Arbeit von 1983 zeigt das an einer Aufgabe zu Herzinfarkten. Eine Fassung fragte nach einem einzelnen Mann, und 58 % der Befragten ohne Statistikkenntnisse machten den Konjunktionsfehler. Eine zweite Fassung fragte, wie viele von 100 Männern in jede Kategorie fallen, und 25 % machten den Fehler.
- Das Linda-Ergebnis ließ sich replizieren. Eine präregistrierte Replikation mit 1.032 Teilnehmenden fand 2021 den Konjunktionseffekt bei Linda erneut. Bei einer zweiten Beschreibung, James, fand sie den Effekt nicht. Die Autoren halten fest, dass Konjunktionseffekte vom Kontext abhängen können.
Für eine Prüfung reichen die Definitionen und die klassischen Studien. Für dein eigenes Verständnis gilt: Die beiden Begriffe sind Bezeichnungen für Muster in Urteilen. Die Forschung ist sich nicht einig, wie viel diese Bezeichnungen erklären.
Wie du die beiden Begriffe auseinanderhältst
Zwei Merkhilfen ergeben sich aus den Wörtern selbst.
- Verfügbarkeit: Die Beispiele sind in deinem Gedächtnis verfügbar. Frag dich, was dir eingefallen ist.
- Repräsentativität: Der Fall repräsentiert einen Typ. Frag dich, wem oder was der Fall ähnelt.
Dann teste dich selbst. Lies die Definitionen nicht noch einmal. Nimm ein neues Beispiel, deck die Antwort ab und wende die Einordnungsfrage an. Unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe erklärt, warum Abfragen mehr bringt als ein zweites Lesen.
Psychology World ist eine Wörterbuch-App mit mehr als 18.000 psychologischen Fachbegriffen, und sie unterstützt diese Art des Übens. Suche im Wörterbuch nach den beiden Heuristiken und den verwandten Begriffen. Speichere die Begriffe, die du findest, in einer eigenen Liste. Übe die Liste dann als Karteikarten, als Multiple Choice oder per Tippen. Der Multiple-Choice-Modus braucht eine Liste mit mindestens vier Wörtern. Die Startseite zeigt die vier Schritte der Lernschleife und was die einzelnen Lernmodi tun.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Verfügbarkeitsheuristik und Repräsentativitätsheuristik?
Die Verfügbarkeitsheuristik beurteilt Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit danach, wie leicht Beispiele einfallen. Die Repräsentativitätsheuristik beurteilt Wahrscheinlichkeit danach, wie sehr ein Fall einem typischen Mitglied einer Kategorie ähnelt. Die erste nutzt eine Suche im Gedächtnis. Die zweite nutzt einen Vergleich mit einem Stereotyp oder einem typischen Vorgang.
Was ist ein Beispiel für die Repräsentativitätsheuristik?
Das Linda-Problem ist das Standardbeispiel. Die Befragten lasen die Beschreibung einer Frau, der soziale Gerechtigkeit wichtig ist. Danach hielten 85 % von ihnen „Bankangestellte und in der Frauenbewegung aktiv“ für wahrscheinlicher als „Bankangestellte“. Die Beschreibung passte zu ihrer Vorstellung von einer Feministin, und diese Ähnlichkeit ersetzte die Regeln der Wahrscheinlichkeit.
Was ist ein Beispiel für die Verfügbarkeitsheuristik?
In der Buchstabenstudie von 1973 meinten die meisten Versuchspersonen, dass Buchstaben wie K im Englischen häufiger am Wortanfang stehen. Tatsächlich stehen diese Buchstaben häufiger an dritter Stelle. Wörter, die mit K beginnen, sind im Gedächtnis leichter zu finden, also wirkte diese Kategorie größer.
Ist der Konjunktionsfehler dasselbe wie die Repräsentativitätsheuristik?
Nein. Der Konjunktionsfehler ist ein Fehler: Du hältst zwei Ereignisse zusammen für wahrscheinlicher als eines der beiden allein. Die Repräsentativitätsheuristik ist eine Ursache dieses Fehlers, wie beim Linda-Problem. Die Verfügbarkeitsheuristik ist eine zweite Ursache, wie bei der Studie mit den Wörtern auf „ing“.
Welche drei Heuristiken beschreiben Tversky und Kahneman?
Die Arbeit von 1974 beschreibt drei: Repräsentativität, Verfügbarkeit sowie Anpassung und Verankerung. Die dritte heißt im Deutschen Ankerheuristik. Dabei gehen Menschen von einem Ausgangswert aus und passen ihn an, um zu einer Schätzung zu kommen. Laut der Arbeit fallen solche Anpassungen typischerweise zu gering aus.
Wie heißen die beiden Heuristiken auf Englisch?
Die Verfügbarkeitsheuristik heißt auf Englisch availability heuristic. Die Repräsentativitätsheuristik heißt representativeness heuristic. So führt sie auch das Dorsch-Lexikon der Psychologie. Beide Namen gehen auf die englischen Originalarbeiten von Tversky und Kahneman zurück.
Führen diese Heuristiken immer zu Fehlern?
Nein. Tversky und Kahneman schrieben 1974, die Heuristiken seien im Allgemeinen „recht nützlich“, führten aber manchmal zu „schweren und systematischen Fehlern“. Häufige Ereignisse sind meist tatsächlich leichter abrufbar, und Mitglieder einer Kategorie ähneln ihr meist tatsächlich. Die Fehler entstehen, wenn die Leichtigkeit des Abrufs oder die Ähnlichkeit nicht zu den tatsächlichen Häufigkeiten passt.
Quellen
- 1.Tversky, A., & Kahneman, D. (1973). Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5(2), 207–232.
- 2.Kahneman, D., & Tversky, A. (1972). Subjective probability: A judgment of representativeness. Cognitive Psychology, 3(3), 430–454.
- 3.Tversky, A., & Kahneman, D. (1974). Judgment under uncertainty: Heuristics and biases. Science, 185(4157), 1124–1131.
- 4.Tversky, A., & Kahneman, D. (1983). Extensional versus intuitive reasoning: The conjunction fallacy in probability judgment. Psychological Review, 90(4), 293–315.
- 5.Gigerenzer, G. (1996). On narrow norms and vague heuristics: A reply to Kahneman and Tversky. Psychological Review, 103(3), 592–596.
- 6.Kahneman, D., & Tversky, A. (1996). On the reality of cognitive illusions. Psychological Review, 103(3), 582–591.
- 7.Sedlmeier, P., Hertwig, R., & Gigerenzer, G. (1998). Are judgments of the positional frequencies of letters systematically biased due to availability? Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 24(3), 754–770.
- 8.Chandrashekar, S. P., Cheng, Y. H., Fong, C. L., Leung, Y. C., Wong, Y. T., Cheng, B. L., & Feldman, G. (2021). Frequency estimation and semantic ambiguity do not eliminate conjunction bias, when it occurs: Replication and extension of Mellers, Hertwig, and Kahneman (2001). Meta-Psychology, 5, MP.2020.2474.
- 9.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Verfügbarkeitsheuristik.
- 10.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Repräsentativitätsheuristik.