Psychology World — Startseite
Blog

Freudscher Versprecher: was Freud wirklich behauptete und was die Forschung zeigt

Was ein freudscher Versprecher ist, woher die bekanntesten Beispiele stammen, was Freud selbst einräumte und was Experimente über die Ursachen zeigen.

Psychodynamik12 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Ein freudscher Versprecher, auch freudsche Fehlleistung genannt, ist ein Versprecher, in dem nach Sigmund Freud eine zweite Absicht hörbar wird: ein Gedanke, den die sprechende Person zurückgehalten hat. Freud beschrieb das 1901 in „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“, das 1904 als Buch erschien. In seinen Vorlesungen von 1916 fasste er den Mechanismus so zusammen: Zwei Absichten stören einander, und eine davon wurde vorher unterdrückt.

Verrät ein Versprecher also das Unbewusste? Nicht zuverlässig. Freud selbst behauptete nicht, dass jeder Versprecher einen Sinn hat. Die Sprachforschung erklärt die meisten Versprecher mit der Planung der Sprache. Experimente zeigen, dass das, woran jemand gerade denkt, die Art eines Versprechers beeinflussen kann. Sie zeigen nicht, dass Versprecher verborgene Wünsche aufdecken.

  • Das bekannteste Beispiel, „Vorschwein“, stammt nicht von Freud. Es stammt aus einer Sammlung des Sprachforschers Rudolf Meringer und des Psychiaters Carl Mayer von 1895. Der Sprecher hatte bewusst „Schweinereien“ gedacht.
  • Freud teilte Versprecher in drei Gruppen ein. Nur in der dritten bestreitet die Person den störenden Gedanken. Die Alltagsidee, dass ein Versprecher das Unbewusste verrät, passt am besten zu dieser Gruppe.
  • 1916 schrieb Freud, er behaupte nicht, dass jede Fehlleistung einen Sinn habe. Beim Versprechen hielt er rein körperliche Ursachen für möglich.
  • Nach der Sprachwissenschaftlerin Helen Leuninger verhaspeln wir uns etwa einmal in 1.000 Wörtern.
  • Im Labor lenkte die Situation die Versprecher: Eine Einstimmung auf Elektroschocks erzeugte mehr Versprecher zum Thema Strom, eine Einstimmung auf Sex mehr Versprecher zum Thema Sex.

Was ist ein freudscher Versprecher?

Ein freudscher Versprecher ist ein Versprecher, den man als Hinweis auf einen zurückgehaltenen Gedanken deutet. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie definiert die Freud’sche Fehlleistung als „fehlerhafte und unbeabsichtigte Leistung oder Handlung“, die „auf einem unbewussten psych. Konflikt beruht“. Das APA Dictionary of Psychology betont den Alltagsgebrauch. Nach seinem Eintrag steht „Freudian slip“ im populären Verständnis der Psychoanalyse für einen Fehler, in dem unannehmbare Impulse die Abwehr des Ichs durchbrechen.

Freuds eigene Erklärung ist genauer. In der 4. Vorlesung von 1916 nennt er zwei Bedingungen. Erstens entsteht eine Fehlleistung durch die „Interferenz zweier Absichten“: der Absicht, die gesagt werden soll, und einer störenden Absicht. Zweitens muss die störende Absicht vorher zurückgedrängt worden sein. Freud schreibt, „daß die Unterdrückung der vorhandenen Absicht, etwas zu sagen, die unerläßliche Bedingung dafür ist, daß ein Versprechen zustande kommt“.

Der Versprecher ist für Freud nur eine Form der Fehlleistung. In der 2. Vorlesung zählt er weitere Formen auf: das Verschreiben, das Verlesen, das Verhören, das zeitweilige Vergessen von Namen und Vorsätzen, das Verlegen, das Verlieren und bestimmte Irrtümer. Die Verwandtschaft dieser Vorgänge zeigt sich für Freud schon in der Sprache, nämlich in der gleichen Vorsilbe „ver-“.

Die bekanntesten Beispiele und woher sie stammen

Viele klassische Beispiele für freudsche Versprecher stammen nicht aus Freuds Praxis. Freud übernahm sie aus dem Buch „Versprechen und Verlesen“ von 1895. Rudolf Meringer lehrte vergleichende Sprachforschung in Wien, Carl Mayer Psychiatrie in Innsbruck. Ihre Erklärungen waren oft andere als die Erklärungen Freuds.

Klassische Beispiele für Versprecher, ihre Herkunft und die Erklärung der Quelle.
GesagtGemeintHerkunftErklärung der Quelle
„Dann aber sind Tatsachen zum Vorschwein gekommen …“zum VorscheinMeringer und Mayer (1895), von Freud zitiertDer Sprecher bestätigte, dass er „Schweinereien“ gedacht hatte. Meringer hielt die Ähnlichkeit der Wörter für die „genügende Erklärung“.
„… und erkläre somit die Sitzung für geschlossen!“eröffnetPräsident des österreichischen Abgeordnetenhauses, nach Meringers Zeitungsartikel vom 23. August 1900Meringer: Der Präsident wünschte sich das Ende der Sitzung. Gegensätze werden aber auch sonst „sehr häufig“ vertauscht.
„rückgratlos“rückhaltlosein Abgeordneter im Deutschen Reichstag, November 1908, nach FreudFreud: Eine innere Stimme erschrickt über die eigene Kühnheit.
„Der Apfe …“Der AffeFreud selbstFreud: Ungeduld, weil er den Vers wiederholen musste.
„Ich bring dich zur Schnecke“zur StreckeBeispiel von Helen LeuningerLeuninger: Zwei Redewendungen vermischen sich, „zur Strecke bringen“ und „zur Schnecke machen“.
„Bordelleisenbahn“ModelleisenbahnBeispiel von Helen LeuningerLeuninger: Zwei ähnlich klingende Wörter werden verwechselt, und das „b“ aus „Bahn“ kommt zu früh.

Die ersten zwei Zeilen stehen in Freuds Kapitel „Das Versprechen“ von 1904. Dort zitiert Freud den Präsidenten aus einem Artikel Meringers in der Neuen Freien Presse. Die Zeile zum Reichstag stammt aus der 4. Vorlesung, der Affen-Vers aus dem Kapitel von 1904.

Beim bekanntesten Fall, „Vorschwein“, kannte der Sprecher den störenden Gedanken. Er bestätigte ihn auf Nachfrage. Meringer, der den Fall sammelte, brauchte für seine Erklärung kein Unbewusstes. Ihm genügte, dass „Vorschein“ und „Schweinerei“ ähnlich klingen.

Was Freud selbst behauptete und was nicht

Freud ordnete Versprecher 1916 in drei Gruppen ein. Er unterschied sie danach, wie weit der störende Gedanke zurückgedrängt war.

  1. 1.Die Person kennt den störenden Gedanken und bemerkte ihn kurz vor dem Versprecher. Freuds Beispiel ist „Vorschwein“: Der Sprecher wollte „Schweinereien“ sagen und entschied sich dagegen.
  2. 2.Die Person erkennt den störenden Gedanken als ihren eigenen an. Sie weiß aber nicht, dass er gerade vor dem Versprecher aktiv war.
  3. 3.Die Person lehnt die Deutung „energisch“ ab. Sie bestreitet, dass ihr der Gedanke überhaupt vertraut ist.

Die Alltagsidee, dass ein Versprecher das Unbewusste verrät, passt am besten zur dritten Gruppe. Nur dort ist der störende Gedanke der Person selbst fremd. Für diese Gruppe nahm Freud eine Tendenz an, die „seit längerer Zeit, vielleicht seit sehr langer Zeit, zurückgedrängt ist“. In der ersten Gruppe hält die Person einen Gedanken dagegen bewusst zurück. In der zweiten Gruppe erkennt sie den Gedanken später an, hat ihn aber vor dem Versprecher nicht bemerkt. Das bewusste Zurückhalten der ersten Gruppe heißt in der heutigen Fachsprache eher Unterdrückung als Verdrängung. Den Unterschied zwischen den beiden Begriffen erklärt der Beitrag über die Abwehrmechanismen des Ichs.

Freud war außerdem vorsichtiger, als sein Ruf vermuten lässt. Drei Stellen zeigen das:

  • 1904 trennte er die Deutungen fremder Versprecher, „die sich durch nichts beweisen lassen“, von den Fällen, die er selbst gesammelt und analysiert hatte.
  • 1916 schrieb er, „daß wir nicht behaupten …, daß jede einzelne vorkommende Fehlleistung sinnreich sei, wiewohl ich das für wahrscheinlich halte“. Beim Versprechen und Verschreiben „mögen Fälle mit rein physiologischer Begründung vorkommen“.
  • Unwohlsein und Erschöpfung erkannte er als Einflüsse an. In der 3. Vorlesung haben sie für ihn aber nur „den Wert von Erleichterungen und Begünstigungen“, nicht den Wert einer Ursache.

Freud hielt es also für wahrscheinlich, dass die meisten Versprecher einen Sinn haben. Er gab aber zu, dass er das nicht beweisen konnte: „Es läßt sich auch nicht beweisen, daß ein Versprechen ohne solchen Mechanismus nicht vorfallen kann.“ Später beschrieb Freud das Ich als die Instanz, die abwehrt und zurückhält. Dieses Modell erklärt der Beitrag über Es, Ich und Über-Ich.

Welche Arten von Versprechern es gibt

Meringer und Mayer ordneten ihre Versprecher nach der Form, nicht nach dem Motiv. Freud übernahm ihre Einteilung 1904. Die Arten gelten für Laute, Silben und ganze Wörter.

Die Arten von Versprechern nach Meringer und Mayer (1895), mit ihren Beispielen.
ArtWas passiertBeispiel
VertauschungZwei Teile tauschen ihren Platz.„die Milo von Venus“ statt „die Venus von Milo“
Vorklang (Antizipation)Ein späterer Laut kommt zu früh.„es war mir auf der Schwest … auf der Brust so schwer“
Nachklang (Postposition)Ein früheres Wort kommt noch einmal.„Ich fordere Sie auf, auf das Wohl unseres Chefs aufzustossen“ statt „anzustossen“
KontaminationZwei Ausdrücke verschmelzen zu einem.„Er setzt sich auf den Hinterkopf“ aus „Er setzt sich einen Kopf auf“ und „Er stellt sich auf die Hinterbeine“
SubstitutionEin ähnliches Wort ersetzt das richtige.„Ich gebe die Präparate in den Briefkasten“ statt „Brütkasten“

Für Freud war die Form weniger wichtig als die Quelle der Störung. Er unterschied 1904 zwei Fälle. Im ersten Fall kommt die Störung aus derselben Rede, zum Beispiel ein Laut, der zu früh oder zu spät klingt. Im zweiten Fall kommt sie von einem Gedanken außerhalb der Rede, den die Person nicht aussprechen wollte. Nur der zweite Fall ist ein freudscher Versprecher im engen Sinn. Freud schrieb, unter seinen eigenen Beispielen finde er „kaum eines“, das er nur auf die „Kontaktwirkung der Laute“ zurückführen müsse. Diesen Begriff übernahm er von dem Psychologen Wilhelm Wundt.

Warum wir uns versprechen: die Sicht der Sprachforschung

Die Sprachforschung sieht im Versprecher ein Fenster in die Planung der Sprache, nicht in das Unbewusste. Nach Helen Leuninger, emeritierte Professorin der Goethe-Universität Frankfurt, macht dieses System „überraschend selten Fehler“: „Nur alle 1000 Wörter verhaspeln wir uns“, bei einer Geschwindigkeit von etwa drei Wörtern pro Sekunde. Eine einfache Rechnung zeigt, was das bedeutet. Bei ununterbrochenem Sprechen passiert etwa alle fünf bis sechs Minuten ein Versprecher. Weil Versprecher so selten sind, fallen sie auf.

Leuninger beschreibt die Planung als Folge von Schritten. Grob gilt: Die Bedeutung kommt vor der Form. Zuerst sucht das Gehirn ein Wort mit der richtigen Bedeutung. Dabei können sich zwei passende Ausdrücke vermischen, wie bei „Ich bring dich zur Schnecke“. Danach wählt es die Lautform. Dabei können ähnlich klingende Wörter vertauscht werden, etwa „Amnesie“ und „Amnestie“ oder „Bordell“ und „Modell“. Nach Leuninger reichen diese Fallen „in aller Regel“ aus, um auch peinliche Versprecher zu erklären.

Heutige Modelle der Sprachproduktion beschreiben Versprecher als Fehler der Kontrolle. Thieffry und Kollegen fassen 2023 zwei Ansätze zusammen. Im Modell von Levelt prüft eine Selbstkontrolle die geplante Äußerung. Im Modell von Dell und Reich aktiviert ein Wort auch benachbarte Wörter, und Rückmeldungen korrigieren Fehler. Die Autoren sehen darin eine Nähe zu Freud selbst. Freud übernahm 1904 von Wundt zwei Faktoren: den „ungehemmten Fluss“ der Assoziationen und den Nachlass der hemmenden Aufmerksamkeit. Er hielt Wundts Bemerkungen für „vollberechtigt und sehr instruktiv“ und betonte, dass beide Faktoren regelmäßig zusammenwirken.

Was Experimente über freudsche Versprecher zeigen

Ab den 1970er-Jahren erzeugten Forscher Versprecher im Labor. Thieffry und Kollegen beschreiben das Verfahren so: Die Methode heißt SLIP-Technik, nach dem englischen „Spoonerisms of Laboratory Induced Predisposition“. Versuchspersonen lesen Wortpaare still. Einige Paare müssen sie laut aussprechen. Die stillen Paare davor enthalten ähnliche Laute in vertauschter Reihenfolge. Wer danach „darn bore“ laut lesen soll, sagt manchmal „barn door“.

Drei Befunde sind für die Frage nach Freud wichtig:

  • Die Situation beeinflusst, welche Versprecher passieren. In einem Versuch von Michael Motley und Bernard Baars (1979) hatten die Wortpaare die gleiche Chance, Versprecher zum Thema Strom oder zum Thema Sex zu erzeugen. Die Gruppe mit einer Einstimmung auf Elektroschocks machte mehr Strom-Versprecher. Die Gruppe mit einer Einstimmung auf Sex machte mehr Sex-Versprecher. Bei einer neutralen Einstimmung gab es keinen Unterschied. Eine zweite Studie derselben Gruppe fand, dass auch Persönlichkeit und Situation mitbestimmen, welche Versprecher die innere Kontrolle passieren.
  • Sprecher fangen peinliche Versprecher oft ab. Nach der Zusammenfassung von Thieffry und Kollegen zeigten Motley und Kollegen 1981 und 1982: Versuchspersonen machten seltener Versprecher, die ein Tabuwort ergeben, als neutrale Versprecher. Die Forscher schlossen daraus auf eine Kontrolle vor dem Aussprechen. Severens und Kollegen maßen 2011 die Hirnströme. In Durchgängen, die ein Tabuwort erzeugen konnten, fanden sie etwa 600 Millisekunden nach dem Signal zum Aussprechen eine verstärkte negative Welle, auch ohne hörbaren Fehler. Das spricht dafür, dass das Gehirn Tabu-Äußerungen innerlich erkennt und korrigiert.
  • Neuere Ergebnisse sind uneinheitlich. Thieffry und Kollegen untersuchten 2023 55 Personen, die zusammen 37 Versprecher machten. Zwischen Tabu-Versprechern und neutralen Versprechern fanden sie keinen signifikanten Unterschied. Personen mit hoher Abwehrneigung, gemessen mit einer Skala zur sozialen Erwünschtheit, machten nach Berücksichtigung der Ausgangswerte 2,7-mal so viele Tabu-Versprecher wie Personen mit niedriger Abwehrneigung. Die Stichprobe ist klein, und die Autoren deuten ihre Daten selbst mit einem psychoanalytischen Modell.

Was folgt daraus? Die Experimente stützen einen Teil von Freuds Idee: Was einen Menschen gerade beschäftigt, kann die Form eines Versprechers lenken. Das passt zu Freuds erster Gruppe. Die Experimente prüfen aber nicht die dritte Gruppe, also Wünsche, die lange verdrängt sind und die die Person bestreitet. Mehrere Studien sprechen außerdem dafür, dass Sprecher peinliche Versprecher oft abfangen, bevor sie hörbar werden.

Versprecher, Witz und „famillionär“

Freud untersuchte 1905 auch den Witz. Dort steht ein Wort, das ein Beitrag des Landeswohlfahrtsverbands Hessen von 2007 als Freuds eigenen Versprecher erzählt: „famillionär“. Das Wort stammt aber von Heinrich Heine. Bei Heine rühmt sich der Lotteriekollekteur Hirsch-Hyacinth, Baron Rothschild habe ihn „ganz famillionär“ behandelt. Freud analysierte das Wort als Witz, als Mischwort aus „familiär“ und „Millionär“.

Der Vergleich ist trotzdem lehrreich. Freud nannte die Technik dieses Witzes eine „Verdichtung mit Ersatzbildung“. Auch beim Versprecher sah er Verdichtung am Werk: Mischwörter wie „Vorschwein“ sind für ihn ein Anfang der Verdichtung, die er aus der Traumdeutung kannte. Der Unterschied liegt in der Absicht. Heine baute sein Mischwort mit Absicht. Ein Versprecher passiert gegen die Absicht der sprechenden Person.

Wann ein Versprecher kein Grund zum Deuten ist

Versprecher sind normal. Freud zählte die Fehlleistungen zu Erscheinungen, die „bei jedem Gesunden beobachtet werden können“ und insofern „nichts mit Krankheiten zu tun haben“.

Wer einen Versprecher bei anderen Menschen deutet, hat Freuds eigenes Problem: Ohne Nachfrage lässt sich nicht prüfen, welcher Gedanke dahinter stand. Selbst bei „Vorschwein“ brachte erst die Frage an den Sprecher die Antwort. Leuninger urteilt deshalb, küchenpsychologische Deutungen verraten „meist mehr über den Hörer als über den (Ver-)Sprecher“.

Eine Ausnahme betrifft die Gesundheit. Wenn die Sprache plötzlich gestört ist, ist das kein Versprecher im Alltagssinn. Nach gesund.bund.de sind Sprachstörungen ein typisches Zeichen eines Schlaganfalls. Wähle bei Verdacht sofort den Notruf 112, und warte nicht ab, ob die Beschwerden verschwinden.

Die Begriffe dieses Artikels lernen

Fehlleistung, Versprecher, Kontamination, Verdrängung und Unterdrückung liegen nah beieinander und werden leicht verwechselt. Psychology World ist ein Psychologie-Wörterbuch mit Lernspielen. Du schlägst einen Begriff nach und speicherst ihn in einer eigenen Liste, zum Beispiel „Psychoanalyse“. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, im Modus Tippen oder im Modus Multiple Choice, wenn die Liste mindestens vier Wörter hat. Was die App ist und welche Lernmodi sie hat, stehen auf der Startseite.

Häufige Fragen

Wie heißt freudscher Versprecher auf Englisch?

Auf Englisch heißt er Freudian slip. Der englische Fachbegriff für Freuds Fehlleistung ist parapraxis. Das APA Dictionary of Psychology definiert parapraxis als Fehler, von dem man annimmt, dass er unbewusste Wünsche, Einstellungen oder Impulse ausdrückt. Weitere Begriffspaare stehen im Beitrag über psychologische Fachbegriffe auf Englisch und Deutsch.

Warum heißt es freudscher Versprecher?

Der Name verweist auf Sigmund Freud. Er deutete Versprecher ab 1901 als Störung durch einen zurückgehaltenen Gedanken. Einen Teil seines Materials übernahm er von Meringer und Mayer. Freud würdigte ihre Studie von 1895 sogar ausdrücklich: Er schrieb 1904, er befinde sich in der Lage, eine Vorarbeit zu würdigen, „an deren Gesichtspunkte die meinigen nicht heranreichen“.

Haben freudsche Versprecher immer mit Sex zu tun?

Nein. Freuds Beispiele handeln von vielen Motiven, etwa von Unlust, Ungeduld, Spott und Angst vor der eigenen Kühnheit. Der Präsident wünschte sich nach Meringer das Ende der Sitzung, und Freud selbst war beim Affen-Vers ungeduldig. Den Festredner, der „aufzustossen“ statt „anzustossen“ sagte, deutete Freud als unbeabsichtigte Parodie. Sexuelle Inhalte sind ein Motiv unter vielen.

Wie unterscheidet sich ein freudscher Versprecher von einem normalen Versprecher?

Nach Freud liegt der Unterschied in der Quelle der Störung. Bei einem normalen Versprecher stört ein Teil derselben Rede, zum Beispiel ein Laut, der zu früh kommt. Bei einem freudschen Versprecher stört ein Gedanke, den die Person nicht aussprechen wollte. Von außen lassen sich die beiden Fälle oft nicht unterscheiden. Nur die Person selbst kann sagen, woran sie gedacht hat.

Quellen

  1. 1.Freud, S. (1904). Zur Psychopathologie des Alltagslebens, Kapitel V: Das Versprechen. S. Karger. Projekt Gutenberg.
  2. 2.Freud, S. (1916). Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 2. Vorlesung: Die Fehlleistungen. Projekt Gutenberg.
  3. 3.Freud, S. (1916). Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 3. Vorlesung: Die Fehlleistungen (Fortsetzung). Projekt Gutenberg.
  4. 4.Freud, S. (1916). Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 4. Vorlesung: Die Fehlleistungen (Schluß). Projekt Gutenberg.
  5. 5.Freud, S. (1905). Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, Analytischer Teil. Projekt Gutenberg.
  6. 6.Meringer, R., und Mayer, C. (1895). Versprechen und Verlesen. Eine psychologisch-linguistische Studie. G. J. Göschen. Internet Archive.
  7. 7.Hartmann, L. K., und Neubert, V. (2022). Fehlleistung, Freud’sche. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
  8. 8.American Psychological Association (2018). Freudian slip. APA Dictionary of Psychology.
  9. 9.American Psychological Association (2018). Parapraxis. APA Dictionary of Psychology.
  10. 10.Leuninger, H. (2021). Gibt es freudsche Versprecher wirklich? Spektrum.de, Gehirn&Geist.
  11. 11.Motley, M. T., und Baars, B. J. (1979). Effects of cognitive set upon laboratory induced verbal (Freudian) slips. Journal of Speech and Hearing Research, 22(3), 421–432.
  12. 12.Motley, M. T., Camden, C. T., und Baars, B. J. (1979). Personality and situational influences upon verbal slips: A laboratory test of Freudian and prearticulatory editing hypotheses. Human Communication Research, 5(3), 195–202.
  13. 13.Severens, E., Janssens, I., Kühn, S., Brass, M., und Hartsuiker, R. J. (2011). When the brain tames the tongue: Covert editing of inappropriate language. Psychophysiology, 48(9), 1252–1257.
  14. 14.Thieffry, L., Olyff, G., Pioda, L., Detandt, S., und Bazan, A. (2023). Running away from phonological ambiguity, we stumble upon our words: Laboratory induced slips show differences between highly and lowly defensive people. Frontiers in Human Neuroscience, 17, 1033671.
  15. 15.Pelka, M. (2007). Wenn uns das Unterbewusstsein einen Streich spielt – Was ist ein „Freud’scher Versprecher“? LWVkonkret, LWV-Info 02/2007. Landeswohlfahrtsverband Hessen.
  16. 16.Bundesministerium für Gesundheit (2022). Schlaganfall. gesund.bund.de.

Begriffe selbst nachschlagen

18,000+ Begriffe aus Psychologie und Psychotherapie auf Englisch und Deutsch — auf iPhone, iPad, Mac und Apple Vision.

Psychology World laden
Alle Beiträge