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Psychosexuelle Entwicklung nach Freud: die fünf Phasen, und wie Freud sie bis 1924 zusammensetzte

Orale, anale, phallische Phase, Latenz, genitale Phase: Freuds Phasenmodell mit Altersangaben, Ödipuskomplex, Fixierung und was die Forschung dazu sagt.

Psychodynamik13 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Die psychosexuelle Entwicklung nach Freud beschreibt, wie sich die Libido in der Kindheit nacheinander um verschiedene Körperzonen ordnet. Libido meint bei Freud einen weit gefassten Lusttrieb, nicht die Sexualität von Erwachsenen. Sein Phasenmodell hat fünf Phasen: die orale, die anale und die phallische Phase, die Latenzphase und die genitale Phase. Die orale Phase fällt ins Säuglingsalter, die anale etwa ins erste bis dritte Lebensjahr. Die phallische Phase mit dem Ödipuskomplex reicht etwa vom dritten bis sechsten Lebensjahr. Dann folgt die Latenzphase bis zur Pubertät und ab der Pubertät die genitale Phase.

Diese Liste ist aus Lehrbüchern bekannt. Sie stammt aber nicht aus einem einzigen Text. Freud setzte das Modell zwischen 1905 und 1924 Stück für Stück zusammen, und er schrieb selbst, dass Altes und Neues dabei nicht immer zusammenpassten.

  • Die erste Auflage der „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ (1905) nannte die orale und die anale Zone, aber noch keine Folge von Phasen.
  • Die anale Phase kam 1913 dazu, die orale als eigene Phase zwischen 1913 und 1923, die phallische Phase 1923.
  • Freud stützte seine Aussagen über die kindliche Sexualität nach eigener Angabe vor allem auf Analysen von Erwachsenen.
  • Die Altersangaben sind Näherungen. Freud gab keine Tabelle mit festen Grenzen.
  • Den Begriff „Elektrakomplex“ lehnte Freud ab. Er stammt von Carl Gustav Jung.

Dieser Beitrag erklärt die fünf Phasen, zeigt, wie das Modell entstand, und fasst zusammen, was die Forschung heute davon hält.

Die fünf Phasen im Überblick

Jede Phase hat bei Freud eine Körperzone, von der die Lust vor allem ausgeht, und ein Thema, an dem sich die Entwicklung entscheidet. Die Altersangaben in der Tabelle folgen einem frei verfügbaren Einführungslehrbuch der Psychologie. Warum andere Quellen andere Grenzen nennen, steht weiter unten.

Freuds fünf Phasen: übliches Alter, Körperzone und seit wann die Phase im Modell steht.
PhaseÜbliches AlterKörperzone und ThemaIm Modell seit
Orale Phaseetwa 0–1 JahrMund: Saugen, Einverleibenals eigene Phase zwischen 1913 und 1923
Anale Phaseetwa 1–3 JahreAfter: Hergeben und Zurückhalten, aktiv gegen passiv1913
Phallische Phaseetwa 3–6 JahreGenitale: Ödipuskomplex1923
Latenzphaseetwa 6 Jahre bis zur Pubertätkeine neue Zone: Aufbau von Scham, Ekel und Moral1905
Genitale Phaseab der PubertätGenitale: Partnerwahl außerhalb der Familie1905, als Umgestaltung der Pubertät

Die letzte Spalte ist der Teil, den die meisten Darstellungen weglassen. Sie zeigt, dass die bekannte Reihenfolge erst knapp zwanzig Jahre nach dem ersten Buch vollständig war.

Was Freud mit „Sexualität“ meinte

Das Wort „sexuell“ führt im Phasenmodell leicht zu Missverständnissen. Freud meinte damit nicht die Sexualität von Erwachsenen. Er meinte jede Lust, die von einer Körperstelle ausgeht. Sein Musterbeispiel war das Lutschen, das er auch „Wonnesaugen“ nannte. Er beschrieb es als „rhythmisch wiederholte saugende Berührung mit dem Munde (den Lippen), wobei der Zweck der Nahrungsaufnahme ausgeschlossen ist“. Gesaugt wird an der Lippe, der Zunge oder einer anderen erreichbaren Hautstelle. Das Kind saugt also, ohne zu trinken.

Freud ging dabei weit. In den „Drei Abhandlungen“ schrieb er, dass „jede beliebige andere Haut- und Schleimhautstelle die Dienste einer erogenen Zone auf sich nehmen kann“. Die Art des Reizes zähle mehr als die Körperstelle.

Das Phasenmodell ist deshalb eine Theorie darüber, welche Lustquelle in welchem Alter die Führung übernimmt. Es ist keine Anleitung, um das Verhalten eines Kindes zu deuten oder zu bewerten.

Die Phasen einzeln

Orale Phase

In der oralen Phase ist der Mund die wichtigste Lustquelle. Freud nannte sie die „orale oder, wenn wir wollen, kannibalische“ Organisation. Die Lust ist hier noch nicht von der Nahrungsaufnahme getrennt, und ihr Ziel ist die „Einverleibung des Objektes“. Darin sah Freud das Vorbild der späteren Identifizierung, bei der eine Person Züge einer anderen übernimmt.

Freud schrieb über diese Phase auffällig vorsichtig. Er nannte sie eine „fiktive“ Phase, genauer: „dieser fiktiven, uns durch die Pathologie aufgenötigten Organisationsphase“. Er erschloss sie also aus Krankheitsbildern und beobachtete sie nicht direkt. Der Psychoanalytiker Karl Abraham teilte 1924 die orale und die anale Phase in je zwei Unterstufen. Deshalb nennen manche Darstellungen mehr Stufen als fünf.

Anale Phase

Die zweite Phase hieß bei Freud „sadistisch-anal“. Die Lust geht nun von der Darmschleimhaut aus. Dazu kommt ein aktiver Trieb, den Freud „Bemächtigungstrieb“ nannte. Den Gegensatz dieser Phase beschrieb er nicht als männlich und weiblich, sondern als aktiv und passiv. Weil gegensätzliche Strebungen hier etwa gleich stark sind, übernahm er für sie Eugen Bleulers Begriff „Ambivalenz“.

Viele Darstellungen verbinden die anale Phase vor allem mit der Sauberkeitserziehung. Bei Freud hat der Darminhalt aber eine weitere Bedeutung. Er sei für das Kind das erste „Geschenk“: Mit dem Hergeben drücke es Gefügigkeit aus, mit dem Verweigern Trotz.

Phallische Phase und Ödipuskomplex

Die phallische Phase fügte Freud erst 1923 ein. Nach seiner Darstellung kennt sie „nur eine Art von Genitale, das männliche“, daher der Name. In diese Phase legte er den Ödipuskomplex. 1925 beschrieb er ihn so: Der Junge hält an der Mutter als erstem Liebesobjekt fest und empfindet den Vater als „störenden Rivalen“.

Nach Freud entwickelt sich die phallische Phase nicht weiter zur endgültigen Genitalorganisation, „sondern sie versinkt und wird von der Latenzzeit abgelöst“. Mit ihr geht der Ödipuskomplex unter: „er erliegt der Verdrängung, wie wir sagen, und ihm folgt die Latenzzeit“. Das Kind gibt seine Wünsche an die Eltern auf und ersetzt sie durch Identifizierung. Freud schrieb dazu: „Die ins Ich introjizierte Vater- oder Elternautorität bildet dort den Kern des Über-Ichs.“ An dieser Stelle schließt das Phasenmodell an Freuds Strukturmodell aus Es, Ich und Über-Ich an.

Für Mädchen beschrieb Freud einen anderen Verlauf, mit dem „Penisneid“ als Ausgangspunkt. Er führte diese Aussagen im selben Text von 1925 mit einem Vorbehalt ein. Er nannte sie ein Ergebnis, „das sehr wichtig wäre, wenn es sich als allgemein gültig erweisen ließe“.

Latenzphase

Nach dem Ödipuskomplex folgt eine Pause, die Freud Latenzzeit oder Latenzperiode nannte. Die sexuelle Entwicklung ruht dabei nicht vollständig. Freud sprach von einer Periode „totaler oder bloß partieller Latenz“.

In dieser Zeit entstehen nach Freud seelische Dämme gegen den Sexualtrieb: Ekel, Schamgefühl sowie moralische und ästhetische Ideale. Die Mittel dazu nannte er Reaktionsbildung und Sublimierung. Beide Begriffe zählt man heute zu den Abwehrmechanismen des Ichs.

Auch hier war Freud vorsichtig. Über die Regeln und den zeitlichen Ablauf dieser Entwicklung sei „nichts Gesichertes bekannt“. Die vollständige Umlenkung der kindlichen Sexualität nannte er ein „Erziehungsideal“, von dem die Entwicklung der einzelnen Menschen „meist an irgendeiner Stelle und oft in erheblichem Maße abweicht“.

Genitale Phase

Mit der Pubertät beginnt die genitale Phase. Die einzelnen Partialtriebe ordnen sich nun dem „Primat der Genitalien im Dienste der Fortpflanzung“ unter. Die Partnerwahl richtet sich auf Personen außerhalb der Familie. Freud nannte sie „Objektwahl“ und schrieb, sie „muß auf die infantilen Objekte verzichten“.

Freud beschrieb die Partnerwahl außerdem als zweizeitig. Ein erster Schub beginnt „in den Jahren zwischen zwei und fünf“, die Latenzphase unterbricht ihn, und ein zweiter Schub setzt mit der Pubertät ein.

Wie das Modell entstand: 1905 bis 1924

Freud veröffentlichte die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ 1905 und überarbeitete sie danach mehrmals. Das Buch schrieb er dabei nie neu. 1923 erklärte er, er habe „die ursprüngliche Anordnung gewahrt“ und neue Einsichten „durch Einschaltungen und Abänderungen des Textes“ eingefügt. Dann folgt ein Satz, der für das ganze Modell gilt: „Dabei mag es oft vorgekommen sein, daß das Alte und das Neuere sich nicht gut zu einer widerspruchsfreien Einheit verschmelzen ließen.“

Wann welcher Baustein des Phasenmodells dazukam.
JahrSchriftWas dazukam
1905Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, erste Auflageorale und anale Zone, Latenzzeit, Vorrang des Genitales ab der Pubertät; noch keine Folge von Phasen
1908Charakter und Analerotikdie Verbindung von Ordentlichkeit, Sparsamkeit und Eigensinn mit der Analerotik
1909Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knabender Fall des „kleinen Hans“, behandelt von seinem Vater
1913Die Disposition zur Zwangsneurosedie sadistisch-anale Phase als erste „prägenitale Organisation“
1913–1923spätere Auflage der Drei Abhandlungendie orale Phase als eigene Organisation
1923Die infantile Genitalorganisationdie phallische Phase
1924Der Untergang des Ödipuskomplexesdas Ende der phallischen Phase und der Übergang in die Latenz

Ein Fachlexikon der Psychoanalyse fasst das so zusammen: Die erste Auflage erwähnte nur die orale und die anale Zone. Die oralen, analen und phallischen Phasen führte Freud zwischen 1913 und 1923 ein. Die anale Phase begründete er 1913 ausdrücklich damit, sein Entwicklungsschema bedürfe „einer neuen Einschaltung“.

Offen beschrieb Freud auch seine Datenbasis. Für seine Aussagen über die kindliche Sexualität sei er 1905 „wesentlich durch die Resultate psychoanalytischer Erforschung von Erwachsenen berechtigt“ gewesen. Die direkte Beobachtung von Kindern habe „damals nicht im vollen Ausmaß benützt werden“ können. Spätere Kinderanalysen sah er als Bestätigung und nannte dabei den Fall des kleinen Hans (1909). Diesen Fall behandelte allerdings der Vater des Jungen. Freud selbst griff nach eigener Angabe nur „ein einziges Mal in einem Gespräche mit dem Knaben persönlich“ ein und wertete die Notizen des Vaters aus. Die Behauptung mancher Lernseiten, Freud habe das Modell an seinen eigenen Kindern entwickelt, findet in diesen Texten keine Stütze.

Warum die Altersangaben nicht übereinstimmen

Lernseiten und Lexika nennen für dieselbe Phase unterschiedliche Grenzen. Die orale Phase endet je nach Quelle mit einem Jahr, mit 18 Monaten oder mit zwei Jahren. Das liegt vor allem an Freud selbst. Er gab keine Tabelle mit Altersgrenzen, sondern nur Anhaltspunkte:

  • Der erste Schub der Partnerwahl beginne „in den Jahren zwischen zwei und fünf“.
  • Das Sexualleben der Kinder zeige sich „zumeist um das dritte oder vierte Lebensjahr“ in einer Form, die man beobachten kann.
  • Über die Regeln dieses Ablaufs sei „nichts Gesichertes bekannt“.

Das psychoanalytische Fachlexikon setzt die Latenzzeit zwischen dem fünften oder sechsten Lebensjahr und der Pubertät an. Das Lehrbuch in der Tabelle oben nennt sechs Jahre bis zur Pubertät. Beide Angaben sind Konventionen, keine Messwerte.

Dazu kommt, dass Freud die Phasen später weniger streng trennte. 1933 schrieb er, früher habe er vor allem betont, „wie die eine derselben vor der nächsten vergeht“. Jetzt gelte seine Aufmerksamkeit dem, „wieviel von jeder früheren Phase neben und hinter den späteren Gestaltungen erhalten bleibt“.

Für eine Prüfung heißt das: Nenne die Altersangaben als ungefähre Spannen und sag dazu, dass Freud selbst keine festen Grenzen zog.

Fixierung und Analcharakter: was Freud behauptete

Eine Fixierung bedeutet im Modell, dass die Entwicklung teilweise an einer frühen Phase hängen bleibt. Als Ursache nennt die Theorie zu viel oder zu wenig Befriedigung in dieser Phase. Lehrbücher verbinden damit typische Züge im Erwachsenenalter. Eine orale Fixierung steht dort für Rauchen und übermäßiges Essen, eine anale für große Ordnung oder Unordnung und eine phallische für Eitelkeit und übertriebenen Ehrgeiz.

Ein Beispiel, das Freud selbst ausarbeitete, ist der Analcharakter. 1908 beschrieb Freud Menschen, die „besonders ordentlich, sparsam und eigensinnig“ sind, und führte diese Verbindung auf die frühe Analerotik zurück. Die Beobachtungen stammten aus seiner Praxis, also von Menschen, „denen man durch psychoanalytische Bemühung Hilfe zu leisten sucht“. Freud räumte ein: „Die innere Notwendigkeit dieses Zusammenhanges ist mir natürlich selbst nicht durchsichtig.“

Fixierungen sind Annahmen der Theorie, keine Befunde. Das Phasenmodell ist daher kein Werkzeug, um eigene Zwänge, Essprobleme oder eine Sucht zu erklären. Wenn solche Probleme anhalten oder den Alltag einschränken, ist eine Ärztin, ein Arzt oder eine approbierte Psychotherapeutin die richtige Anlaufstelle.

Elektrakomplex: ein Begriff, den Freud ablehnte

Viele Darstellungen stellen dem Ödipuskomplex für Mädchen den „Elektrakomplex“ gegenüber und schreiben beide Begriffe Freud zu. Den Elektrakomplex brachte aber Carl Gustav Jung ins Spiel, und Freud lehnte ihn ab.

1920 schrieb Freud in einer Fußnote: „Ich sehe in der Einführung des Terminus »Elektrakomplex« keinen Fortschritt oder Vorteil und möchte denselben nicht befürworten.“ 1931 begründete er das: Seine Aussagen über den Ödipuskomplex passten „in voller Strenge nur für das männliche Kind“. Und man habe „recht daran …, den Namen Elektrakomplex abzulehnen, der die Analogie im Verhalten beider Geschlechter betonen will“.

In einer Prüfung ist das ein typischer Fallstrick: Der Elektrakomplex ist kein Begriff von Freud.

Was die Forschung heute dazu sagt

Der Psychologe Robert Bornstein nennt das Phasenmodell in einem Lehrbuchkapitel zur psychodynamischen Perspektive den wahrscheinlich umstrittensten Teil der psychodynamischen Theorie. Seine Bilanz ist gemischt. Die Annahme, dass Menschen schon sehr früh starke sexuelle Gefühle ausdrücken, habe der empirischen Prüfung nicht standgehalten. Die Idee abhängiger, kontrollorientierter und wettbewerbsorientierter Persönlichkeitsstile, die ebenfalls aus dem Modell stammt, erscheine dagegen nützlich.

Ein frei verfügbares Einführungslehrbuch urteilt allgemeiner: Die meisten Ideen Freuds hätten in der modernen Forschung keine Unterstützung gefunden. Freud habe seine eigenen Erinnerungen und seine Deutungen der Erfahrungen und Träume seiner Patienten als ausreichenden Beleg betrachtet.

Ein Teil des Problems steht schon bei Freud. Nach seiner Darstellung durchlaufen Kinder die frühen Phasen normalerweise „glatt“, und erst „in pathologischen Fällen“ würden sie „für grobe Beobachtung kenntlich“. Eine Phase, die bei gesunden Kindern kaum Spuren hinterlässt, lässt sich an gesunden Kindern kaum prüfen.

Mit der frühen Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson befasst sich heute unter anderem die Bindungsforschung nach John Bowlby. Ihre Antwort steht im Beitrag über die Bindungsstile: Es geht um Nähe in Situationen der Bedrohung, nicht um Nahrung.

Wertlos ist das Modell für Lernende trotzdem nicht. Laut Bornstein beeinflussen Freuds Modelle, das Phasenmodell eingeschlossen, die Psychologie bis heute. Begriffe wie Fixierung, Regression, Latenz und Ödipuskomplex begegnen dir in psychodynamischen Texten immer wieder.

Die Begriffe für die Prüfung

Das Phasenmodell bringt viele Begriffe mit, die sich leicht verwechseln lassen: oral, anal, phallisch und genital, Latenz, Fixierung und Regression, prägenital, Ödipuskomplex und Elektrakomplex. Sie bleiben besser hängen, wenn du sie als Gruppe lernst und gegeneinander abfragst. Wie das geht, zeigt der Beitrag über das Lernen psychologischer Fachbegriffe.

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Häufige Fragen

Warum nennen manche Quellen sechs Phasen?

Manche Lexika zählen eine narzisstische Phase mit. Das DocCheck Flexikon etwa setzt sie in die zweite Hälfte des ersten Lebensjahres. Sie geht auf Freud zurück. 1913 schrieb er, die Analyse der Paraphrenien, also von Paranoia und Dementia praecox, habe ihn zu einem Zwischenschritt genötigt. Zwischen den Autoerotismus, in dem jeder Partialtrieb seine Befriedigung am eigenen Körper sucht, und die Partnerwahl sei deshalb „ein Stadium des Narzißmus einzuschieben“. Das Lehrbuchmodell mit fünf Phasen führt diesen Schritt nicht als eigene Phase.

Was bedeutet „prägenital“?

Prägenital nannte Freud alle Phasen, in denen die Genitalzonen noch nicht die führende Rolle haben. Gemeint sind vor allem die orale und die sadistisch-anale Phase. Die phallische Phase ordnete Freud schon der kindlichen Genitalorganisation zu, auch wenn manche Darstellungen sie zu den prägenitalen Phasen zählen.

Was ist der Unterschied zwischen Fixierung und Regression?

Bei einer Fixierung bleibt die Entwicklung teilweise an einer frühen Phase hängen. Bei einer Regression kehrt sie später zu einer früheren Phase zurück. Freud schrieb 1933, solche Regressionen träten häufig unter pathologischen Bedingungen auf, und bestimmte Regressionen seien für bestimmte Krankheitsformen typisch. Regression zählt außerdem zu den klassischen Abwehrmechanismen.

Gilt Freuds Phasenmodell auch für Mädchen?

Nach Freud durchlaufen Mädchen und Jungen die frühen Phasen auf dieselbe Weise. 1933 schrieb er: „Die frühen Phasen der Libidoentwicklung scheinen beide Geschlechter in gleicher Weise durchzumachen.“ Unterschiede sah er erst ab der phallischen Phase und im Ödipuskomplex, über den seine Aussagen nach eigener Angabe nur für Jungen „in voller Strenge“ galten.

Quellen

  1. 1.Freud, S. (1905, spätere Auflagen). Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Abschnitt „Die sexuelle Latenzperiode der Kindheit und ihre Durchbrechungen“. Projekt Gutenberg.
  2. 2.Freud, S. (1905, spätere Auflagen). Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Abschnitt über das Lutschen. Projekt Gutenberg.
  3. 3.Freud, S. (1905, spätere Auflagen). Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Abschnitt über erogene Zonen. Projekt Gutenberg.
  4. 4.Freud, S. (1905, spätere Auflagen). Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Abschnitt über die infantile Sexualität und die Analzone. Projekt Gutenberg.
  5. 5.Freud, S. (1905, spätere Auflagen). Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Abschnitt „Entwicklungsphasen der sexuellen Organisation“. Projekt Gutenberg.
  6. 6.Freud, S. (1908). Charakter und Analerotik. Projekt Gutenberg.
  7. 7.Freud, S. (1909). Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben. Projekt Gutenberg.
  8. 8.Freud, S. (1913). Die Disposition zur Zwangsneurose. Projekt Gutenberg.
  9. 9.Freud, S. (1920). Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. Projekt Gutenberg.
  10. 10.Freud, S. (1923). Die infantile Genitalorganisation. Projekt Gutenberg.
  11. 11.Freud, S. (1924). Der Untergang des Ödipuskomplexes. Projekt Gutenberg.
  12. 12.Freud, S. (1925). Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds. Projekt Gutenberg.
  13. 13.Freud, S. (1931). Über die weibliche Sexualität. Projekt Gutenberg.
  14. 14.Freud, S. (1933). Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 32. Vorlesung: Angst und Triebleben. Projekt Gutenberg.
  15. 15.Freud, S. (1933). Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 33. Vorlesung: Die Weiblichkeit. Projekt Gutenberg.
  16. 16.DocCheck Flexikon (2023). Entwicklungsphasen nach Freud.
  17. 17.Rabain, J.-F. (o. J.). Libidinal Stage. International Dictionary of Psychoanalysis, Encyclopedia.com.
  18. 18.Urribarri, R. (o. J.). Latency Period. International Dictionary of Psychoanalysis, Encyclopedia.com.
  19. 19.Bornstein, R. (2026). The Psychodynamic Perspective. Noba Textbook Series: Psychology.
  20. 20.Spielman, R. M., Jenkins, W. J., und Lovett, M. D. (2020). Psychology 2e, Kapitel 11.2: Freud and the Psychodynamic Perspective. OpenStax.

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