Jean Piaget beschrieb die kognitive Entwicklung als Abfolge von vier Stadien: sensomotorisch (Geburt bis etwa 2 Jahre), präoperational (etwa 2 bis 7 Jahre), konkret-operational (etwa 7 bis 11 Jahre) und formal-operational (ab etwa 11 bis 12 Jahren). In jedem Stadium denkt ein Kind anders, nicht nur mehr. Die Reihenfolge wird bis heute gelehrt, mehrere Altersangaben haben spätere Studien aber verschoben, am deutlichsten bei der Objektpermanenz. Piaget sah das Suchen nach verdeckten Gegenständen mit acht bis zehn Monaten beginnen. Renée Baillargeon fand 1987 Hinweise, dass schon Säuglinge von etwa viereinhalb Monaten wissen, dass ein verdeckter Gegenstand weiter existiert.
Dieser Artikel erklärt Piagets Stufentheorie mit Beispielen. Er zeigt, wie Baillargeon zu ihrem Ergebnis kam, warum es Piaget nicht einfach widerlegt und was von der Theorie bleibt.
- Die Vierteilung ist eine Konvention. In „Six études de psychologie“ von 1964 zählt Piaget sechs Stadien, von denen die ersten drei zusammen die Säuglingszeit bilden.
- Präoperational heißt „vor den umkehrbaren Operationen“, nicht „ohne Denken“.
- Ganz ausgebildet ist die Objektpermanenz laut Dorsch-Lexikon erst mit 18 bis 24 Monaten. Piaget beobachtete ihre Anfänge vor allem an seinen drei eigenen Kindern.
- Baillargeon maß die Blickzeit. Säuglinge von etwa viereinhalb Monaten sahen ein „unmögliches“ Ereignis länger an als ein mögliches, Dreieinhalbmonatige nur, wenn sie sich schnell gewöhnten.
- Piagets Beobachtung, dass junge Säuglinge nicht suchen, bestätigten viele Studien. Seine Deutung steht in Frage, und seine Altersangaben werden laut Dorsch-Lexikon „heute nicht mehr so ernst genommen“.
Die vier Stadien im Überblick
Die Tabelle ordnet die Stadien so, wie viele Darstellungen der Theorie es tun. Die Altersangaben stammen aus Piagets Schriften, dem Dorsch-Lexikon und dem offenen Lehrbuch OpenStax. Je nach Quelle unterscheiden sie sich um etwa ein Jahr.
| Stadium | Alter | Wie das Kind denkt und handelt | Bekanntes Beispiel |
|---|---|---|---|
| Sensomotorisch | Geburt bis etwa 2 Jahre | Erkennt die Welt über Sinne und Handlungen, noch vor der Sprache | Objektpermanenz: Das Kind sucht einen verdeckten Gegenstand |
| Präoperational | etwa 2 bis 7 Jahre | Nutzt Sprache, Bilder und Symbolspiel, deutet Zusammenhänge aber oft zu einfach | Egozentrismus: Das Kind übernimmt die Sicht anderer nicht |
| Konkret-operational | etwa 7 bis 11 Jahre | Denkt logisch über Konkretes, seine Operationen sind umkehrbar | Invarianz: Die Knetmasse bleibt gleich viel, auch wenn die Form wechselt |
| Formal-operational | ab etwa 11 bis 12 Jahren | Denkt abstrakt und über Hypothesen | Algebra: Rechnen mit Zeichen, die für nichts Konkretes stehen müssen |
Wie viele Stadien Piaget beschrieb, hängt vom Zählen ab. In „Six études de psychologie“ unterscheidet er sechs: Reflexe, erste Gewohnheiten und organisierte Wahrnehmungen, sensomotorische Intelligenz, intuitive Intelligenz (2 bis 7 Jahre), konkrete Operationen (7 bis 11 oder 12 Jahre) und abstrakte Operationen im Jugendalter. Die ersten drei bilden zusammen die Säuglingszeit bis etwa eineinhalb bis zwei Jahre. Das Dorsch-Lexikon nennt drei Repräsentationsstufen und erklärt die Vierteilung damit, dass Piaget den Erwerb der Strukturen am häufigsten an Kindern zwischen fünf und acht Jahren zeigte.
Die Stadien im Einzelnen
Alle englischen und französischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt.
Sensomotorisch: erst handeln, dann vorstellen
Im sensomotorischen Stadium, das das Dorsch-Lexikon sensu-motorisch schreibt, lernt das Kind die Welt über Wahrnehmung und Bewegung kennen. Piaget setzte es ungefähr in die ersten 18 Lebensmonate und wollte die Zahl nur als Orientierung verstanden wissen.
Das bekannteste Merkmal ist die Objektpermanenz. Das APA Dictionary definiert sie als Wissen, dass Gegenstände weiter existieren, auch wenn man sie nicht wahrnimmt. Piaget beschrieb sie 1937 in „La construction du réel chez l’enfant“ in sechs Schritten, beobachtet an seinen Kindern Jacqueline, Lucienne und Laurent. Im vierten Schritt beginnt das Kind, aktiv nach einem verdeckten Gegenstand zu suchen. Das geschehe, schreibt Piaget, zwischen acht und zehn Monaten. Als genaues Kriterium nimmt er das Hochheben des Schirms, und das beginne bei etwa neun Monaten. Laurent sah mit 9 Monaten und 17 Tagen, wie ein Zigarrenetui unter einem Kissen verschwand, hob das Kissen an und fand es.
Im selben Schritt macht das Kind einen typischen Fehler. Es sucht den Gegenstand weiter dort, wo es ihn zuerst fand, an Ort A, obwohl es gesehen hat, wie er an Ort B versteckt wurde. Piaget sah das bei allen drei Kindern über zwei bis vier Wochen. Das Dorsch-Lexikon nennt diesen A-nicht-B-Fehler für Kinder von 7 bis 12 Monaten.
Das APA Dictionary nennt als Meilensteine etwa 8 Monate für das Hervorholen eines zugedeckten Gegenstands, etwa 12 für das Finden an Ort B und etwa 18 für die unsichtbare Verlagerung. Zusammen mit Piagets Zahlen ergibt sich grob eine Spanne von acht bis zwölf Monaten für die ersten Such-Meilensteine. Voll ausgebildet ist die Objektpermanenz nach dem Lexikoneintrag zum Begriff erst mit 18 bis 24 Monaten. Baillargeons Experimente betreffen den Anfang dieser Kette: das Wissen, dass ein verdeckter Gegenstand weiter existiert.
Präoperational: vorstellen ohne umkehrbare Operationen
Mit der Sprache beginnt das präoperationale Stadium. Das Kind stellt Dinge jetzt mit Wörtern, Bildern und im Spiel dar. Laut Dorsch-Lexikon kann es sich Weltausschnitte vorstellen, auch wenn sie nicht gegenwärtig sind, und Zusammenhänge denken. Es deutet sie aber oft falsch oder zu einfach, weil ihm die konkreten Operationen noch fehlen.
Eine Operation ist bei Piaget eine geistige Handlung, die sich im Kopf umkehren lässt. Das Dorsch-Lexikon beschreibt, wie aus einzelnen „actions“ „reversible opérations“ werden. „Präoperational“ heißt also nicht „unlogisch“, sondern „vor den umkehrbaren Operationen“.
Das bekannteste Merkmal ist der Egozentrismus: Das Kind kann die Perspektive anderer nicht einnehmen. Im Drei-Berge-Versuch sieht es eine Berglandschaft von einem Platz aus und soll sagen, was eine Person an einem anderen Platz sieht. So beschreibt es OpenStax. Der Eintrag zum Egozentrismus des Kindes im Dorsch-Lexikon fügt hinzu, neuere Untersuchungen zwängen zu einer Relativierung.
Konkret-operational: logisch, aber an Konkretes gebunden
Piaget schreibt, das Alter von etwa sieben Jahren markiere einen „entscheidenden Wendepunkt“ der geistigen Entwicklung. Das Denken wird umkehrbar. Das bekannteste Beispiel ist die Invarianz, auch Konservierung oder Erhaltung genannt. Ein präoperationales Kind sagt, aus einer Kugel Knetmasse werde mehr, wenn man sie zu einer Wurst rollt. Ein konkret-operationales Kind erkennt, dass die Menge gleich bleibt. Das Dorsch-Lexikon nennt drei Gründe dafür: Man kann die Wurst zur Kugel zurückformen, man hat nichts dazugetan oder weggenommen, und die Wurst ist zwar länger, aber dünner.
Die Invarianz kommt nicht auf einmal. Nach Piaget erkennt ein Kind mit sieben bis acht Jahren die gleichbleibende Stoffmenge, mit etwa neun das Gewicht und mit elf bis zwölf das Volumen. Solche zeitlichen Unterschiede zwischen Inhaltsbereichen heißen laut Dorsch-Lexikon horizontale Verschiebungen oder Décalage. Sie sind ein Grund, warum Altersgrenzen nur Richtwerte sind.
Formal-operational: abstrakt und hypothetisch
Ab etwa elf bis zwölf Jahren kann sich das Denken vom Konkreten lösen. Piaget schreibt: Konkretes Denken ist die Vorstellung einer möglichen Handlung, formales Denken die Vorstellung einer Vorstellung möglicher Handlungen. Das Kind operiert jetzt mit Aussagen und Hypothesen statt nur mit Dingen. Das Dorsch-Lexikon nennt Algebra als klassisches Beispiel. Es nennt auch Vorbehalte. Piaget meinte, das Stadium werde etwa mit der Pubertät erreicht, aber oft bis zum Tod nicht voll entwickelt. Seine formallogische Beschreibung der Strukturen „hat sich nicht recht durchgesetzt“.
Was spätere Forschung verschob
Piaget sah im Suchen nach verdeckten Gegenständen das Kennzeichen der Objektpermanenz. Baillargeon beschreibt seine Vermutung so: Für junge Säuglinge seien Gegenstände keine dauerhaften Einheiten, sondern vorübergehende Gebilde, die aufhören zu existieren, wenn man sie nicht mehr sieht.
Ihr Einwand betrifft die Aufgabe. Wer einen verdeckten Gegenstand finden will, muss zwei Handlungen an zwei Gegenständen koordinieren, etwa das Tuch heben, um das Spielzeug zu greifen. Studien zeigten, schreibt Baillargeon, dass Säuglinge solche Handlungsfolgen erst mit etwa neun Monaten beginnen. Junge Säuglinge könnten Piagets Aufgabe also auch dann verfehlen, wenn sie wissen, dass der Gegenstand noch da ist. Es brauchte einen Test, der keine Handlung verlangt.
Der Versuch: ein Schirm und eine Box
Baillargeon veröffentlichte 1987 drei Experimente in der Zeitschrift Developmental Psychology. Ein Schirm drehte sich wie eine Zugbrücke vor dem Säugling um 180 Grad auf und ab. Zuerst sahen die Säuglinge die Drehung so oft, bis ihre Blickzeit deutlich sank. Diese Gewöhnung heißt Habituation. Mehr dazu steht im Artikel über Habituation und sensorische Adaptation.
Dann stand hinter dem Schirm eine Box, und die Säuglinge sahen zwei Ereignisse im Wechsel. Beim möglichen Ereignis drehte sich der Schirm, bis er die verdeckte Box erreichte, und kehrte um. Beim unmöglichen drehte er sich ganz durch, als stünde die Box nicht mehr dahinter. Dafür senkte ein zweiter Experimentator die Box heimlich ab. Nach der Rückdrehung stand sie wieder da. Zwei Beobachter, die die Ereignisse nicht sehen konnten, hielten eine Taste gedrückt, solange der Säugling hinsah. Das Erwartungs-Enttäuschungs-Paradigma beruht auf der Annahme, dass Säuglinge ein Ereignis länger betrachten, das ihren Erwartungen widerspricht.
| Gruppe | Säuglinge | Volle Drehung (180 Grad) | Kürzere Drehung |
|---|---|---|---|
| Experiment 1, etwa 4,5 Monate, mit Box | 12 | 29,2 | 17,7 |
| Experiment 1, etwa 4,5 Monate, Kontrolle ohne Box | 12 | 15,1 | 16,2 |
| Experiment 2, etwa 3,5 Monate, schnell habituierend | 9 | 23,8 | 14,7 |
| Experiment 2, etwa 3,5 Monate, langsam habituierend | 11 | 23,5 | 27,7 |
| Experiment 3, etwa 3,5 Monate, schnell habituierend | 12 | 22,0 | 14,2 |
| Experiment 3, etwa 3,5 Monate, langsam habituierend | 12 | 23,2 | 26,4 |
In Experiment 1 waren die Säuglinge zwischen 4 Monaten und 2 Tagen und 5 Monaten und 2 Tagen alt. Die Gruppe mit Box sah das unmögliche Ereignis deutlich länger an. Die Kontrollgruppe sah dieselben Drehungen ohne Box und schaute beide gleich lang an. Die längere Blickzeit geht also nicht darauf zurück, dass die volle Drehung an sich interessanter ist.
Bei den jüngeren Säuglingen war das Bild unruhiger. In Experiment 2, mit 40 Säuglingen im Alter von etwa 3,5 bis 4 Monaten, zeigte die Auswertung über alle zunächst keinen Unterschied in der Blickzeit. Bei der Durchsicht der Daten teilte Baillargeon die Säuglinge nach der Geschwindigkeit der Gewöhnung. Die schnell habituierenden Säuglinge sahen das unmögliche Ereignis länger an, die langsam habituierenden nicht. Weil das Ergebnis unerwartet war, wiederholte sie den Versuch in Experiment 3 mit 24 anderen Säuglingen und einer bunten Spielfigur statt der Box. Das Ergebnis war dasselbe.
Was die Blickzeit zeigt, und was nicht
Baillargeon deutete die längere Blickzeit so: Die Säuglinge verstanden, dass die Box nach dem Verdecken weiter existierte und dass sich der Schirm nicht durch ihren Platz drehen konnte. In ihrer Zusammenfassung schreibt sie, die Ergebnisse stellten Piagets Behauptungen über das Alter, in dem die Objektpermanenz entsteht, und über die Prozesse ihrer Entstehung ernsthaft in Frage.
Dabei nennt Baillargeon selbst mehrere Grenzen.
- Der Befund bedeute nicht, dass die Vorstellung von verdeckten Gegenständen mit dreieinhalb Monaten so ausgereift sei wie bei älteren Säuglingen.
- Bei den Dreieinhalbmonatigen zeigte nur ein Teil den Effekt. Sie nennt zwei mögliche Gründe: wechselnde Aufmerksamkeit oder stabile Unterschiede in der Informationsverarbeitung.
- Ob das frühe Wissen angeboren ist oder von einem Lernmechanismus stammt, könnten ihre Experimente nicht entscheiden. Das Dorsch-Lexikon schreibt dazu, ob frühe Kompetenzen auf angeborene Wissensstrukturen schließen lassen, werde kontrovers diskutiert.
Die beiden Befunde widersprechen sich nicht. Ein Säugling von viereinhalb Monaten sucht einen verdeckten Gegenstand nicht und schaut trotzdem länger auf ein unmögliches Ereignis. Piaget maß das Handeln, Baillargeon das Hinsehen. Warum Säuglingen solche Handlungsfolgen schwerfallen, bleibe „ein Stück weit ein Rätsel“, schrieb sie 1987.
Was sonst ins Wanken kam
Drei weitere Punkte aus dem Dorsch-Lexikon und aus OpenStax:
- Der A-nicht-B-Fehler: Piagets Erklärung über die Objektpermanenz gilt laut Dorsch-Lexikon „heute als überholt“. Neuere Ansätze verweisen auf eine egozentrische Repräsentation von Raum, noch unreife zielgerichtete Bewegungen, schlechte örtliche Erinnerung und die Schwierigkeit, starke motorische Reaktionen zu hemmen.
- Die Stufen selbst: Laut OpenStax stützen mehrere neuere Studien ein Modell mit gleichmäßigerer Entwicklung statt klarer Stufen, und viele legen nahe, dass Kinder kognitive Meilensteine früher erreichen, als Piaget beschreibt.
- Das Ende der Leiter: Manche Entwicklungspsychologen schlagen laut OpenStax ein fünftes, postformales Stadium vor.
Was bis heute trägt
Piagets Beobachtung, dass junge Säuglinge nicht suchen, ist gut belegt. Schon 1987 schrieb Baillargeon, zahlreiche Forschende hätten sie bestätigt. Vor etwa neun Monaten suchen Säuglinge einen beobachtet versteckten Gegenstand nicht, obwohl sie jede der nötigen Einzelhandlungen ausführen können. Die offene Frage ist das Warum.
Auch die Grundidee wird weiter gelehrt: Kinder denken in verschiedenen Phasen auf qualitativ verschiedene Weise. Laut Dorsch-Lexikon gehen die Fähigkeiten früherer Stufen beim Erklimmen höherer nicht verloren. Die sensomotorische Stufe werde durch die späteren nicht abgelöst, sondern erweitert und ergänzt. Und Piagets Aufgaben, etwa Invarianz und Drei-Berge-Versuch, stellt auch das offene Lehrbuch OpenStax Psychology 2e als Beispiele vor.
Die Begriffe lernen und einordnen
Auch ein anderer Klassiker der Entwicklungspsychologie wurde später verändert. Bei den vier Bindungsstilen ergänzten Mary Main und Judith Solomon 1990 eine vierte Kategorie zu Ainsworths drei Mustern. Unser Artikel zeigt, was die Messungen dort eigentlich erfassen. Wer Piaget mit Erikson vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge. OpenStax beschreibt Eriksons Theorie als psychosoziale Entwicklung. Piagets Stadien beschreiben das Denken.
Wer die Begriffe dieses Artikels lernen will, also Objektpermanenz, A-nicht-B-Fehler, Egozentrismus, Invarianz und Operation, kann sie gezielt nebeneinander üben. Psychology World ist ein Psychologie-Wörterbuch, das für diese Art von Übung gemacht ist: Du speicherst Begriffe in einer eigenen Liste und fragst die Liste ab, als Karteikarten, als Multiple Choice ab vier Wörtern in der Liste oder durch Tippen der Antwort. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe. Was die einzelnen Lernmodi tun, steht auf der Startseite.
Häufige Fragen
Was bedeutet präoperational bei Piaget?
Präoperational heißt „vor den Operationen“. Gemeint sind umkehrbare geistige Handlungen, die dem Kind in diesem Stadium, etwa von 2 bis 7 Jahren, noch fehlen. Es ist nicht „unlogisch“: Das Kind spricht, stellt sich Dinge vor und denkt Zusammenhänge, deutet sie aber oft zu einfach.
Ab welchem Alter haben Säuglinge Objektpermanenz?
Das hängt davon ab, wie man sie misst. Nach dem Suchverhalten beginnt sie laut Piaget mit acht bis zehn Monaten, nach der Blickzeit zeigen sich Hinweise schon mit etwa viereinhalb Monaten (Baillargeon, 1987). Voll ausgebildet ist sie laut Dorsch-Lexikon mit 18 bis 24 Monaten.
Ist Piagets Stufentheorie widerlegt?
Nein, aber sie ist an wichtigen Stellen korrigiert. Die Reihenfolge der Stadien und die Idee qualitativ verschiedener Denkweisen stehen weiter in Nachschlagewerken und Lehrbüchern wie dem Dorsch-Lexikon und OpenStax. Viele Altersangaben wurden nach vorn verschoben, und einzelne Deutungen gelten als überholt, etwa die des A-nicht-B-Fehlers.
Müssen Kinder genau in diesen Altersstufen sein?
Nein. Piaget wollte seine Altersangaben als Orientierung verstanden wissen, und das Dorsch-Lexikon beschreibt große Unterschiede zwischen Kindern und zwischen Aufgaben. Wenn du dir um die Entwicklung eines bestimmten Kindes Sorgen machst, sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Eine Stufentabelle kann diese Einschätzung nicht ersetzen.
Wie merke ich mir die vier Stadien?
Lerne die Reihenfolge und ein Kennzeichen pro Stadium: sensomotorisch mit Objektpermanenz, präoperational mit Egozentrismus, konkret-operational mit Invarianz, formal-operational mit abstraktem Denken. Für die Reihenfolge hilft eine Route durch die eigene Wohnung. Unser Artikel zur Loci-Methode zeigt ein Beispiel mit genau diesen vier Stufen.
Quellen
- 1.Baillargeon, R. (1987). Object permanence in 3½- and 4½-month-old infants. Developmental Psychology, 23(5), 655–664.
- 2.Piaget, J. (1937). Chapitre premier. Le développement de la notion d’objet. In La construction du réel chez l’enfant (S. 9–96). Delachaux et Niestlé.
- 3.Piaget, J. (1964). 1. Le développement mental de l’enfant. In Six études de psychologie (S. 9–86). Denoël-Gonthier.
- 4.American Psychological Association (2018). Object permanence. APA Dictionary of Psychology.
- 5.Krist, H. (2021). Objektpermanenz. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 6.Frick, A. (2021). A-nicht-B-Fehler. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 7.Flammer, A. (2022). Entwicklung, Stufentheorie nach Piaget. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 8.Flammer, A. (2022). sensu-motorische Entwicklungsstufe. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 9.Flammer, A. (2022). konkret-operatorische Entwicklungsstufe. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 10.Flammer, A. (2022). formal-operatorische Entwicklungsstufe. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 11.Wilkening, F. (2022). Egozentrismus des Kindes. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 12.Lohaus, A. (2019). Erwartungs-Enttäuschungs-Paradigma. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 13.Spielman, R. M., Jenkins, W. J., und Lovett, M. D. (2020). Psychology 2e, 9.2 Lifespan theories. OpenStax.