Lernen durch Einsicht bedeutet, dass du ein Problem löst, weil du erkennst, wie seine Teile zusammenhängen. Die Lösung kommt dann plötzlich und als Ganzes, nicht schrittweise durch Versuch und Irrtum. Das Konzept geht auf den Psychologen Wolfgang Köhler zurück. Er untersuchte von 1913 bis 1917 Schimpansen auf Teneriffa und veröffentlichte die Ergebnisse 1917.
Eine der bekanntesten Szenen aus dieser Forschung zeigt den Schimpansen Sultan, der zwei Stöcke zusammensteckt und so eine Banane erreicht. In Köhlers eigenem Bericht ist diese Szene weniger glatt als in vielen Zusammenfassungen: Sultan scheiterte über eine Stunde lang und fand die Lösung danach beim Spielen. Dieser Artikel zeigt, was Köhler wirklich beschrieb, woher die Phasen aus dem Unterricht kommen und was spätere Studien an seiner Deutung änderten.
- Lernen durch Einsicht heißt: Die Lösung entsteht aus dem Überblick über die ganze Situation, plötzlich und ohne langes Probieren.
- Sultan fand den Doppelstock nach über einer Stunde ohne Erfolg beim Spielen. Für Köhler war dieser Zufall nicht das Wichtigste, sondern das, was Sultan danach mit der Lösung tat.
- Edward Thorndike suchte schon 1898 bei Katzen nach plötzlichen Lösungen und fand keine. Köhler antwortete, dass die Tiere Thorndikes Apparate nicht überblicken konnten.
- Die Phasenmodelle aus dem Unterricht sind spätere Lehrschemata. In Köhlers Bericht stehen keine durchnummerierten Phasen.
- Spätere Studien zeigen, dass solche Lösungen stark von Vorerfahrungen abhängen. Tauben lösten Köhlers Kistenaufgabe, nachdem sie die Teilschritte einzeln gelernt hatten.
Was Lernen durch Einsicht bedeutet
Das Dorsch-Lexikon der Psychologie definiert Einsicht als „das unmittelbare, plötzliche und unerwartete Verstehen eines Sachverhalts“. Gemeint ist das Erkennen von Zusammenhängen, Ursachen und Wirkungen. Vom bloßen Versuch und Irrtum unterscheidet sich einsichtiges Verhalten laut Dorsch durch drei Merkmale: Es ist zielgerichtet, direkt und sicher.
Köhler gab ein eigenes Kriterium an. Einsicht zeigt sich für ihn darin, dass eine vollständige Lösung auftritt, die sich auf den ganzen Aufbau der Situation bezieht. Eine einsichtige Lösung ist also kein Zufallstreffer aus vielen kleinen Versuchen. Sie berücksichtigt von Anfang an, wie die Teile der Situation zueinander liegen.
Den Moment, in dem die Lösung plötzlich da ist, nennt man Aha-Erlebnis. Der Begriff stammt laut Dorsch von Karl Bühler, nicht von Köhler. Wie solche deutschen Fachwörter ihren Weg in die englische Fachsprache fanden, zeigt unser Überblick über psychologische Fachbegriffe zwischen Deutsch und Englisch.
Lernen durch Einsicht gilt als kognitive Form des Lernens. Das Portal dasGehirn.info stellt es dem assoziativen Lernen gegenüber, also der Konditionierung. Bei der Konditionierung bleibt eine gelernte Reaktion an den trainierten Reiz gebunden. Bei Einsicht beruht die Lösung auf einer inneren Vorstellung von der Situation.
Köhlers Versuche auf Teneriffa
Die Preußische Akademie der Wissenschaften unterhielt auf Teneriffa eine Forschungsstation für Menschenaffen, nach Köhlers Angaben von 1912 bis 1920. Köhler leitete die Station laut der Neuen Deutschen Biographie von 1914 bis 1920. Seine Versuche mit den Schimpansen liefen von 1913 bis 1917. 1917 erschien „Intelligenzprüfungen an Anthropoiden“, 1921 die überarbeitete Fassung „Intelligenzprüfungen an Menschenaffen“. Die englische Übersetzung folgte 1925.
Die Aufgaben folgten einem Grundmuster. Ein Ziel, meist Obst, lag außer Reichweite, und der direkte Weg dorthin war versperrt. Die Tiere mussten einen Umweg finden, einen Stock als Werkzeug benutzen oder Kisten unter eine hoch hängende Frucht schieben und stapeln.
Köhler war einer der Gründer der Berliner Schule der Gestaltpsychologie. Das passt zu seinem Blick auf die Versuche: Für ihn zählte vor allem, ob ein Tier die ganze Situation überblicken konnte.
Der Doppelstock: was bei Sultan wirklich geschah
Sultan bekam zwei hohle Bambusstäbe. Der dünnere Stab ließ sich in den dickeren stecken. Hinter dem Gitter lag Obst, knapp zu weit entfernt für jeden einzelnen Stab. Köhler beschreibt in seinem Buch genau, was dann geschah:
- 1.Sultan versuchte es zuerst mit dem einen Stab, dann mit dem anderen.
- 2.Er zog eine Kiste ans Gitter und schob sie sofort wieder weg.
- 3.Er schob einen Stab mit dem anderen Stab vorsichtig in Richtung Obst. Köhler nannte das einen „guten Fehler“: nutzlos, aber sinnvoll auf das Ziel bezogen.
- 4.Der Versuchsleiter steckte einen Finger in die Öffnung eines Stabs. Dieser Hinweis half nicht.
- 5.Nach über einer Stunde brach Köhler den Versuch ab. Sultan behielt die Stäbe, und ein Wärter blieb bei ihm.
Den Anfang der Lösung kennt Köhler nur aus dem Bericht des Wärters. Sultan saß auf der Kiste und spielte achtlos mit den Stäben. Dabei hielt er sie zufällig in einer Linie und schob den dünneren Stab in den dickeren. Sofort sprang er auf, lief zum Gitter und zog mit dem Doppelstock eine Banane heran. Der Bericht umfasst kaum fünf Minuten.
Danach beobachtete Köhler selbst. Fiel der Doppelstock auseinander, steckte Sultan ihn sofort wieder zusammen und holte so alle Früchte heran. Am nächsten Tag schob er nur einige Sekunden lang einen Stab mit dem anderen. Dann steckte er beide schnell zusammen und erreichte das Ziel.
In einer Fußnote hält Köhler fest, dass Sultan die Stäbe zuerst im Spiel verband, ohne an das Ziel zu denken. Er verschweigt den Zufall also nicht. Er bewertet ihn nur anders:
Dass ihm ein Zufall half, ist … nicht die wichtigste Tatsache; das Wichtige ist, wie der Versuch dann weitergeht.
Für Köhler zählte, dass Sultan den Doppelstock danach sofort und immer wieder sinnvoll einsetzte. Ab diesem Moment verhielt er sich laut Köhler genau so, als hätte er das Verfahren durch eine echte Lösung gefunden. Eines der bekanntesten Beispiele für Lernen durch Einsicht beginnt also mit einem Zufall, und sein Entdecker hat das selbst aufgeschrieben.
Andere Szenen aus Köhlers Buch passen besser zum Lehrbuchbild. Die Schimpansin Tschego versuchte mehrmals ohne Erfolg, ein Ziel außerhalb ihrer Reichweite mit einem Strohbündel heranzuziehen. Dann setzte sie sich ruhig hin. Ihr Blick fiel auf einen kleinen Baum, den sie hinter sich liegen gelassen hatte. Plötzlich brach sie einen Ast ab und zog das Ziel damit heran.
Einsicht oder Versuch und Irrtum?
Köhler schrieb gegen eine bekannte Gegenposition an. Edward Thorndike hatte 1898 hungrige Katzen und Hunde in Käfige gesetzt. Aus diesen Käfigen kamen sie durch einen einfachen Handgriff heraus, zum Beispiel durch Ziehen an einer Schlaufe. Das Futter lag sichtbar draußen. Thorndike maß, wie lange jedes Tier bis zur Befreiung brauchte. Die erfolglosen Bewegungen verschwanden nach und nach, und die erfolgreiche Bewegung wurde nach vielen Durchgängen zur Gewohnheit.
Thorndike suchte dabei gezielt nach Einsicht. Hätte ein Tier die Lösung verstanden, so argumentierte er, müsste seine Zeitkurve an einer Stelle plötzlich senkrecht abfallen. In seinen Daten fand er keinen solchen Fall:
Die Katze überblickt die Situation nicht, geschweige denn, dass sie darüber nachdenkt und dann entscheidet, was zu tun ist.
Später formulierte Thorndike das Gesetz des Effekts: Reaktionen, auf die Befriedigung folgt, verbinden sich fester mit der Situation. Wie diese Idee in die operante Konditionierung einging, erklärt unser Artikel über negative Verstärkung und Bestrafung.
Köhler hielt Thorndikes Versuche für ungeeignet, um Einsicht zu prüfen. Die Käfige zeigten oft nur ein Ende des Mechanismus, sodass die Tiere die Anordnung nicht als Ganzes überblicken konnten. Wenn wesentliche Teile eines Apparats unsichtbar sind, fragte Köhler, wie sollen die Tiere dann ihre Intelligenz einsetzen? Bei seinen eigenen Aufgaben sollten Ziel und Hilfsmittel deshalb vollständig zu sehen sein.
Auch das Probieren seiner Schimpansen hielt Köhler nicht für blind. Die erfolgreiche Lösung folgte nach seiner Beobachtung oft auf eine Zeit der Ratlosigkeit oder Ruhe, in der das Tier die Lage überblickte. Die Lösung selbst lief dann als eine glatte, zusammenhängende Handlung ab.
| Versuch und Irrtum | Lernen durch Einsicht | |
|---|---|---|
| Forscher | Edward Thorndike | Wolfgang Köhler |
| Klassische Versuche | Katzen und Hunde in Problemkäfigen, 1898 | Schimpansen auf Teneriffa, 1913 bis 1917 |
| Sicht auf die Aufgabe | Mechanismus oft nur teilweise sichtbar | Ziel und Hilfsmittel vollständig sichtbar |
| Verlauf | Die Lösungszeit sinkt allmählich über viele Durchgänge | Die Lösung kommt plötzlich, oft nach einer Pause |
| Erklärung | Erfolgreiche Reaktionen werden durch ihre Folgen gefestigt | Die Lösung entsteht aus dem Überblick über die Situation |
| Wirkt weiter in | Gesetz des Effekts, operante Konditionierung | Kognitive Lerntheorien, Problemlöseforschung |
Die Phasen des Lernens durch Einsicht
In Lehrbüchern und auf Lernportalen steht Lernen durch Einsicht oft als Folge von Phasen. Eine verbreitete Fassung mit sechs Phasen steht zum Beispiel in der deutschen Wikipedia. Sie stützt sich dort auf ein Lehrbuch von Betsch, Funke und Plessner aus dem Jahr 2011. Andere Lehrmaterialien zählen und benennen die Phasen anders.
In Köhlers Bericht stehen keine durchnummerierten Phasen. Er beschreibt aber einen typischen Ablauf, und an seinen Beobachtungen lassen sich die Phasen prüfen.
| Phase | Was gemeint ist | Was Köhler beschrieb |
|---|---|---|
| 1. Problem | Zwischen dem jetzigen Zustand und dem Ziel liegt ein Hindernis | Das Obst liegt außer Reichweite, der direkte Weg ist versperrt |
| 2. Probierverhalten | Bekannte Strategien werden versucht | Sultan versucht es mit jedem Stab einzeln und mit der Kiste |
| 3. Umstrukturierung | Die Situation wird gedanklich neu geordnet | Bei anderen Tieren eine Pause mit Blick über die Lage, bei Sultan stattdessen Spiel mit den Stäben |
| 4. Einsicht und Lösung | Die Lösung kommt plötzlich, das Aha-Erlebnis | Sultan springt auf und läuft mit dem Doppelstock zum Gitter |
| 5. Anwendung | Die Lösung wird eingesetzt und beibehalten | Sultan steckt die Stäbe immer wieder zusammen und holt alle Früchte |
| 6. Transfer | Die Lösung wird auf ähnliche Aufgaben übertragen | Liegt das Obst noch weiter weg, steckt Sultan plötzlich ein drittes Rohr an |
Die Tabelle zeigt die Grenze des Schemas. Bei Sultan entstand die erste Verbindung der Stäbe laut Bericht nicht in einer Pause des Überlegens, sondern im Spiel und ohne Blick auf das Ziel. Das Phasenmodell ist eine nützliche Merkhilfe für die Klausur, aber keine Beschreibung dessen, was in jedem Fall passiert.
Was spätere Forschung an Köhlers Deutung änderte
Eine Frage blieb lange offen: Was hatten Köhlers Schimpansen vorher schon mit Stöcken und Kisten erlebt? Laut Cook und Fowler (2014) war über diese Vorerfahrungen wenig bekannt. H. G. Birch prüfte die Frage 1945. Nach der Zusammenfassung von Ebel und Call (2018) scheiterten die meisten seiner Schimpansen zunächst daran, Futter mit einer Hacke heranzuziehen. Nachdem sie eine Zeit lang frei mit Stöcken hantiert hatten, gelang es ihnen.
1984 stellten Robert Epstein und Kollegen Köhlers Kistenaufgabe mit Tauben nach. Alle Tauben lernten, auf eine Spielzeugbanane zu picken. Die übrigen Fertigkeiten trainierten die Forscher in unterschiedlichen Kombinationen: eine Kiste schieben, sie gezielt auf eine Markierung zuschieben, auf eine Kiste steigen und nach oben picken. Manche Tauben lernten außerdem, die Banane nicht zu beachten, wenn sie zu hoch hing. Danach hing die Banane zum ersten Mal außer Reichweite, und die Kiste stand an einer anderen Stelle.
Die Tauben mit allen Teilfertigkeiten blickten erst scheinbar ratlos zwischen Kiste und Banane hin und her. Dann schoben sie die Kiste plötzlich unter die Banane, stiegen hinauf und pickten. Laut Epstein (1999) dauerte das typischerweise etwa eine Minute. Die Autoren schrieben, die Tauben hätten die Aufgabe auf bemerkenswert schimpansenähnliche Weise gelöst.
Fehlte ein Teilschritt, sah das Ergebnis anders aus. Eine Taube hatte das Steigen gelernt, aber nicht das gezielte Schieben. Sie schob die Kiste herum und sah dabei kaum nach oben. Nach 14 Minuten sah sie zufällig hoch, als die Kiste gerade unter der Banane stand, und stieg sofort hinauf. Tauben, die nie schieben oder nie steigen gelernt hatten, lösten die Aufgabe nicht.
Cook und Fowler wiederholten den Taubenversuch 2014 mit Erfolg. Dann gaben sie den Tauben zwei Kisten mit derselben Lerngeschichte, von denen nur eine zum Draufstellen taugte. Die Tauben schoben beide Kisten gleich viel und ohne erkennbare Richtung. Die Autoren schlossen daraus, dass die Tauben nicht verstanden, wozu die Kiste diente. Sie erklärten die Lösung mit der räumlichen Anordnung und dem vorher Gelernten.
Das widerlegt Köhler nicht, aber es verschiebt die Frage. Eine plötzliche Lösung kann daraus entstehen, dass ein Tier früher gelernte Teile neu zusammensetzt. Ob es dabei versteht, was es tut, ist bis heute umstritten.
Einsicht beim Menschen
Beim Menschen ist Einsicht heute ein eigenes Forschungsfeld. Kounios und Beeman definieren Einsicht in einer Übersichtsarbeit von 2014 als plötzliche Neudeutung einer Situation. Diese Neudeutung führt zu einer Interpretation, die nicht naheliegt. Ein Beispiel dafür ist die Lösung eines Problems in einem Aha-Moment.
Solche Lösungen sind nicht nur ein Gefühl. In vier Experimenten von Salvi und Kollegen (2016) gaben die Teilnehmenden selbst an, ob sie eine Lösung durch Einsicht gefunden hatten. Diese Lösungen waren im Durchschnitt häufiger richtig als schrittweise erarbeitete Lösungen. Die Aufgaben waren Wort- und Bildrätsel im Labor. Das Ergebnis heißt nicht, dass jedes Aha-Gefühl recht hat.
Lerntheorien auseinanderhalten
Lernen durch Einsicht wird erst im Vergleich mit den anderen Lerntheorien klar. Bei der operanten Konditionierung formen die Folgen das Verhalten, wie unser Artikel über Verstärkerpläne zeigt. Bei Einsicht formt der Überblick über die Situation die Lösung.
Aus den Studien von Birch und Epstein lässt sich für das eigene Lernen höchstens eine vorsichtige Lehre ziehen: Die plötzlichen Lösungen bauten dort auf Teilen auf, die vorher schon gelernt waren. Wer Zusammenhänge zwischen Fachbegriffen sehen will, sollte die Begriffe selbst sicher kennen. Das ist eine naheliegende Deutung, kein eigener Studienbefund.
Wie du solche Begriffe dauerhaft behältst, steht in unserem Artikel über psychologische Fachbegriffe lernen. Leg in Psychology World eine Liste mit den Lerntheorien an, die du verwechselst. Übe sie als Karteikarte, per Tippen oder als Multiple Choice, sobald die Liste mindestens vier Wörter enthält. Was die einzelnen Lernmodi tun, steht auf der Startseite.
Häufige Fragen
Wer hat Lernen durch Einsicht entdeckt?
Das Konzept geht auf Wolfgang Köhler zurück, einen der Gründer der Berliner Schule der Gestaltpsychologie. Seine Schimpansenversuche auf Teneriffa erschienen 1917 als „Intelligenzprüfungen an Anthropoiden“. Den Begriff Aha-Erlebnis prägte dagegen Karl Bühler.
Was ist ein Beispiel für Lernen durch Einsicht im Alltag?
Du arbeitest lange an einer Rätselaufgabe, legst sie weg, und beim nächsten Blick siehst du plötzlich, wie die Teile zusammengehören. Typisch für Einsicht ist, dass du die Lösung danach ohne neues Probieren wiederholen kannst. Das klassische Beispiel aus der Forschung ist Sultans Doppelstock, mit dem er nach dem ersten Erfolg immer wieder Obst heranholte.
Können auch Tiere durch Einsicht lernen?
Köhlers Schimpansen zeigten plötzliche, zusammenhängende Lösungen, etwa mit dem Doppelstock oder mit gestapelten Kisten. Spätere Studien zeigen aber, dass solche Lösungen stark von Vorerfahrungen abhängen. Tauben lösten Köhlers Kistenaufgabe, nachdem sie die Teilschritte einzeln gelernt hatten. Ob Tiere dabei verstehen, wozu ein Werkzeug dient, ist umstritten.
Was ist ein Aha-Erlebnis?
Ein Aha-Erlebnis ist der Moment, in dem plötzlich klar wird, wie ein zunächst undurchsichtiger Zusammenhang aussieht. Der Begriff stammt von Karl Bühler. Die heutige Forschung beschreibt Einsicht als plötzliche Neudeutung einer Situation, die zu einer nicht naheliegenden Deutung führt, zum Beispiel zur Lösung eines Problems.
Ist Lernen durch Einsicht eine kognitive Lerntheorie?
Ja. Lernen durch Einsicht gilt als kognitives Lernen, weil die Lösung auf einer inneren Vorstellung von der Situation beruht. Es steht damit im Gegensatz zum assoziativen Lernen, also zur klassischen und operanten Konditionierung, bei der Reize und Folgen das Verhalten formen.
Quellen
- 1.Bergius, R. (1980). Köhler, Wolfgang. Neue Deutsche Biographie, 12, 302–304.
- 2.Cook, R. G., & Fowler, C. (2014). „Insight“ in pigeons: Absence of means–end processing in displacement tests. Animal Cognition, 17, 207–220.
- 3.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Aha-Erlebnis.
- 4.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Einsicht.
- 5.Ebel, S. J., & Call, J. (2018). The interplay of prior experience and motivation in great ape problem-solving. Journal of Comparative Psychology, 132(3), 294–305.
- 6.Epstein, R. (1999). Generativity theory. Encyclopedia of Creativity.
- 7.Epstein, R., Kirshnit, C. E., Lanza, R. P., & Rubin, L. C. (1984). „Insight“ in the pigeon: Antecedents and determinants of an intelligent performance. Nature, 308, 61–62.
- 8.Köhler, W. (1925). The mentality of apes. Übersetzt aus der zweiten Auflage von Ella Winter. London: Kegan Paul, Trench, Trubner.
- 9.Kounios, J., & Beeman, M. (2014). The cognitive neuroscience of insight. Annual Review of Psychology, 65, 71–93.
- 10.Salvi, C., Bricolo, E., Kounios, J., Bowden, E., & Beeman, M. (2016). Insight solutions are correct more often than analytic solutions. Thinking & Reasoning, 22(4), 443–460.
- 11.Thorndike, E. L. (1911). Animal intelligence: Experimental studies, Kapitel II (zuerst 1898 als Psychological Review Monograph Supplement Nr. 8).
- 12.Wikipedia. Lernen durch Einsicht.
- 13.Wolf, C. (2024). Heureka – Lernen durch Einsicht. dasGehirn.info.