Eine Kontrollüberzeugung (englisch: locus of control) ist die Erwartung, dass das, was dir geschieht, entweder von deinem eigenen Verhalten abhängt (internale Kontrollüberzeugung) oder von Zufall, Schicksal und mächtigen anderen (externale Kontrollüberzeugung). Julian Rotter fasste den Begriff 1966 in einer Monografie und legte einen Fragebogen vor, der ihn messen sollte. Dieser Fragebogen erfasst eine Erwartung darüber, wie die Welt funktioniert, und kein Urteil über deinen Charakter. Und eine stärker internale Kontrollüberzeugung ist nicht automatisch die bessere.
- Die Kontrollüberzeugung ist eine generalisierte Erwartung: eine aus Erfahrung gelernte Annahme darüber, ob Ergebnisse auf das eigene Verhalten folgen.
- Internal und external sind die beiden Pole eines Kontinuums, keine zwei Sorten von Menschen. Spätere Modelle arbeiten mit mehr als einer Dimension.
- Rotters I-E-Skala besteht aus 23 Aussagenpaaren zur erzwungenen Wahl und sechs Füllpaaren. Der Wert reicht von 0 bis 23, und ein höherer Wert bedeutet eine stärker externale Kontrollüberzeugung.
- Sie ist nicht dasselbe wie die Selbstwirksamkeit. Bandura zog die Grenze 1977: Die Kontrollüberzeugung betrifft den Zusammenhang von Handeln und Ergebnis, die Selbstwirksamkeit die Frage, ob du das Handeln beherrschst.
- Die Zusammenhänge mit der Gesundheit sind korrelativ. „Sei immer internaler“ geht weiter, als die Forschung trägt.
Was Rotter unter einer Kontrollüberzeugung verstand
Rotter beschrieb den Kern der Idee in einem kurzen Rückblick auf seine Monografie, den er 1981 schrieb. Die Monografie war bis dahin mehr als 2.735-mal zitiert worden. Die Wirkung von Verstärkung auf das vorangegangene Verhalten, schreibt er, hänge „zum Teil davon ab, ob die Verstärkung als vom Verhalten der Person abhängig wahrgenommen wird“. Und er hielt fest: „Stabile individuelle Unterschiede in den Erwartungen internaler versus externaler Kontrolle der Verstärkung in denselben Situationen lassen sich valide messen.“ Alle englischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt.
Drei Wörter tragen diese Zusammenfassung. Verstärkung ist der lernpsychologische Begriff für die Folgen einer Handlung, etwa Lob, Noten oder Geld. Kontingent heißt, dass das Ergebnis von der Handlung abhängt. Und Erwartung heißt, dass gemessen wird, was jemand vorhersagt, nicht, wie er sich fühlt.
Rotter nannte die Erwartung generalisiert, weil sie über einzelne Situationen hinweg gilt. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie beschreibt die Kontrollüberzeugung als situationsübergreifende Generalisierung der individuellen Lerngeschichte, im Gegensatz zu konkreten Kontrollerwartungen in einer bestimmten Lage. Es nennt Kontrollmeinung als Synonym und ordnet die Kontrollüberzeugung als persönlichkeitspsychologische Variable mittleren Abstraktionsniveaus ein.
Das Lexikon weist außerdem darauf hin, dass der Begriff oft summarisch für die subjektiven Handlungsmöglichkeiten eines Menschen verwendet wird. Kontrollpsychologisch ist er differenzierter: Nach Bandura setzen sich Kontrollüberzeugungen aus Kontingenzüberzeugungen („wenn-dann“) und Wirksamkeitsüberzeugungen („jemand oder etwas kann“) zusammen. Rotters locus of control bezeichnet darin die wahrgenommene Quelle der Kontrolle.
Woher der Begriff kommt
Der Begriff entstand nicht in einem einzigen Aufsatz. Rotter nennt die Dissertationen seiner Studierenden E. Jerry Phares (1955) und William James (1957) als wichtige Anfänge beim Bau des Tests. Der Fragebogen der Monografie von 1966 war nach seinen Worten die fünfte Fassung eines Tests, der zuerst in Phares’ Dissertation erschien und in der von James überarbeitet wurde.
Sein eigenes Interesse, schreibt Rotter, sei ursprünglich theoretisch gewesen. Er hatte entdeckt, dass sich Veränderungen von Erwartungen systematisch vorhersagen ließen, je nachdem, ob jemand das eigene Handeln als Ursache einer Belohnung sah oder nicht. Den großen Widerhall führt er auf die gesellschaftspolitischen Sorgen der Zeit zurück und nennt den Vietnamkrieg, die Studentenrevolte und die Attentate.
Internale und externale Kontrollüberzeugung: ein Kontinuum, keine zwei Typen
Bei einer internalen Kontrollüberzeugung liegt die wahrgenommene Quelle von Kontrolle im eigenen Verhalten, etwa in zielbezogenen Handlungen. Bei einer externalen Kontrollüberzeugung liegt sie in äußeren Einflüssen, etwa in schicksalhaften Umständen oder bei mächtigen anderen. So fasst es das Dorsch-Lexikon nach Rotter zusammen.
| Ereignis | Internale Lesart | Externale Lesart |
|---|---|---|
| Die Klausur ist schlecht ausgefallen. | „Ich habe zu spät angefangen zu lernen.“ | „Die Aufgaben waren unfair, und die Benotung ist ein Glücksspiel.“ |
| Die Bewerbung wurde abgelehnt. | „Mein Anschreiben war nicht gut genug.“ | „Die Stelle war längst intern vergeben.“ |
| Das Projekt ist gelungen. | „Meine Planung hat sich ausgezahlt.“ | „Wir hatten Glück mit dem Zeitpunkt.“ |
Nach Rotter liegen die beiden Ausprägungen an den Enden eines Kontinuums. Die Dokumentation der deutschen Kurzskala IE-4 fasst es so: Rotter postuliere ein unidimensionales Kontinuum mit der extremen internalen Ausprägung an dem einen Pol und der extremen externalen am anderen. „Ein Internaler“ und „ein Externaler“ sind deshalb Kurzformen für Menschen nahe einem der Enden. Die Skala ergibt einen Wert zwischen den Enden und keine Zugehörigkeit zu einem Lager.
Rotter selbst kam 1975 in einem Aufsatz über Probleme und Missverständnisse auf das Konstrukt zurück. Laut Zusammenfassung behandelt er Missverständnisse und Probleme theoretischer Art sowie Fehlgebrauch und Grenzen der Messung.
Wie die Kontrollüberzeugung gemessen wird
Die Verfahren unterscheiden sich so stark, dass ein Wert ohne den Namen des Verfahrens wenig sagt.
Rotters I-E-Skala: erzwungene Wahl zwischen zwei Aussagen
Die I-E-Skala (Internal-External Scale) ist Rotters Fragebogen von 1966. Rotter nennt sie einen „forced choice personality test“, einen Persönlichkeitstest mit erzwungener Wahl. Nach der Beschreibung von Siraji und Haque besteht sie aus 23 Aussagenpaaren im Forced-Choice-Format und sechs zusätzlichen Füllpaaren. Jedes Paar stellt eine internale einer externalen Aussage gegenüber.
Forced Choice heißt: Du musst dich pro Paar für eine der beiden Aussagen entscheiden. Beides gleichzeitig geht nicht. Die Füllpaare gehen nicht in den Wert ein.
Was ein hoher Wert bedeutet
Der Gesamtwert reicht von 0 bis 23, und ein höherer Wert zeigt eine stärker externale Kontrollüberzeugung an. Das überrascht, wenn man einen hohen Wert für das gute Ergebnis hält. Auf Rotters Skala heißt eine hohe Zahl nur: externaler.
Andere Verfahren zählen in die andere Richtung. Die australische HILDA-Befragung erfasste die Kontrollüberzeugung mit sieben Items der Mastery Scale von Pearlin und Schooler. Einige Antworten wurden umgekehrt, sodass höhere Werte eine größere wahrgenommene Kontrolle bedeuten, also eine stärker internale Kontrollüberzeugung. Eine Zahl bedeutet erst etwas, wenn man weiß, welches Verfahren sie erzeugt hat.
Mehr als ein Pol: Levenson, Krampen und die IE-4
Rotter ging von einer Dimension aus. Hanna Levenson teilte die externale Seite: in die Überzeugung, dass mächtige andere die eigenen Ergebnisse bestimmen, und die, dass es der Zufall tut. Die drei Skalen heißen IPC-Skalen, nach Internal, Powerful Others und Chance (Levenson, 1973). Die Dokumentation der IE-4 beschreibt den Aufbau so: eine internale Dimension und zwei externale, die soziale und die fatalistische Externalität.
Die Teilung ist mehr als eine Feinheit. Darauf zu vertrauen, dass eine Ärztin, ein Elternteil oder eine Behörde handelt, ist eine andere Überzeugung, als Ergebnisse für Zufall zu halten.
Das Dorsch-Lexikon nennt den Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen (FKK) als Weiterentwicklung der IPC-Skalen. Krampen (1991) schlug laut der IE-4-Dokumentation ein Modell mit vier Dimensionen vor: Die internale Seite wird durch das Selbstkonzept eigener Fähigkeiten und durch Internalität erfasst, die externale weiterhin durch soziale und fatalistische Externalität. Welches der drei Modelle (Rotter, Levenson, Krampen) stimmt, ist offen: Die Dokumentation schreibt, Faktorenanalysen hätten für keines eindeutige Belege erbracht.
Die IE-4 von Kovaleva, Beierlein, Kemper und Rammstedt (2014) geht den umgekehrten Weg: Sie baut auf der Struktur von Jakoby und Jacob (1999) auf, die die beiden externalen Aspekte Levensons zu einer Dimension zusammenfassten, und kommt so auf zwei Dimensionen, internal und external. Sie hat vier Items mit fünfstufigem Antwortformat, zwei für die internale und zwei für die externale Kontrollüberzeugung. Pro Dimension wird ein Mittelwert zwischen 1 und 5 gebildet, du bekommst also zwei Werte statt eines einzigen. Die Dokumentation beschreibt internal und external als zwei distinkte, aber korrelierte Faktoren.
Die Retest-Reliabilität liegt zwischen 0,56 und 0,64. Laut Dokumentation kann die Skala für Erwachsene der deutschsprachigen Allgemeinbevölkerung in sozialwissenschaftlichen Untersuchungen empfohlen werden.
Kontrollüberzeugung und Selbstwirksamkeit: der Unterschied
Die beiden Begriffe werden ständig vertauscht, und Albert Bandura hat das schon 1977 bemerkt. In seinem Aufsatz schrieb er, die Vorstellung der Kontrollüberzeugung werde in der Literatur oft als analog zur Selbstwirksamkeit behandelt. Dann trennte er sie: „Rotters (1966) Konzept befasst sich vor allem mit Kausalüberzeugungen über Handlungs-Ergebnis-Zusammenhänge und nicht mit persönlicher Wirksamkeit.“
Banduras Unterscheidung beruht auf zwei Erwartungen:
- Eine Ergebniserwartung (outcome expectancy) ist „die Einschätzung einer Person, dass ein bestimmtes Verhalten zu bestimmten Ergebnissen führt“. Das ist das Terrain der Kontrollüberzeugung.
- Eine Wirksamkeitserwartung (efficacy expectation) ist „die Überzeugung, dass man das Verhalten, das für die Ergebnisse nötig ist, erfolgreich ausführen kann“. Das ist die Selbstwirksamkeit.
Man kann das eine ohne das andere haben. Zwei Beispiele zur Veranschaulichung: Du kannst sicher sein, dass Üben das Klavierspiel verbessert, eine stark internale Erwartung, und trotzdem bezweifeln, dass du genug üben kannst, eine geringe Selbstwirksamkeit. Oder du traust dir etwas zu und erwartest trotzdem, dass nichts, was du tust, eine Entscheidung ändert, die andere längst getroffen haben.
Das Dorsch-Lexikon sagt dasselbe in anderer Form: Kontrollüberzeugungen setzen sich nach Bandura aus Kontingenz- und Wirksamkeitsüberzeugungen zusammen. Wer „Kontrollüberzeugung“ im weiten Sinn gebraucht, schließt die Selbstwirksamkeit also ein. Rotters locus of control entspricht nach Banduras Lesart der Kontingenzseite. Mehr zur Selbstwirksamkeit und zu Banduras Definition steht im Artikel über Selbstwert und Selbstwirksamkeit.
Drei Begriffe, die mit der Kontrollüberzeugung verwechselt werden
Die Kontrollüberzeugung steht in einer kleinen Gruppe von Beinahe-Synonymen. Jeder Begriff hat eine eigene Schlüsselquelle und beantwortet eine andere Frage.
| Begriff | Die Frage dahinter | Schlüsselquelle |
|---|---|---|
| Kontrollüberzeugung | Folgen Ergebnisse im Allgemeinen aus meinem Handeln oder aus äußeren Kräften? | Rotter, 1966 |
| Selbstwirksamkeit | Kann ich die Handlung ausführen, die diese Situation verlangt? | Bandura, 1977 |
| Attributionsstil | Wie erkläre ich mir gewohnheitsmäßig Misserfolge, die schon passiert sind? | Abramson, Seligman und Teasdale, 1978 |
| Erlernte Hilflosigkeit | Was folgt aus der Erfahrung, dass Ergebnisse nicht vom eigenen Verhalten abhängen? | Seligman und Maier, 1967 |
Zwischen Kontrollüberzeugung und Attributionsstil liegt der Unterschied vor allem in der Blickrichtung. Die Kontrollüberzeugung ist eine Erwartung an Ergebnisse, die noch kommen. Der Attributionsstil ist die Gewohnheit, Ergebnisse zu erklären, die schon eingetreten sind. Das ist unsere Lesart der beiden Definitionen, kein Zitat aus einer der Quellen.
Die erlernte Hilflosigkeit liegt noch näher. Unser Artikel darüber erklärt das Experiment von 1967 und die Korrektur, mit der Maier und Seligman 2016 ihre eigene Deutung umkehrten. Ein fünfter Begriff gehört in ein anderes Vokabular: Unter den kognitiven Verzerrungen beschreibt der fundamentale Attributionsfehler, wie Menschen das Verhalten anderer erklären, und nicht, wie sie ihre eigenen Ergebnisse vorhersagen.
Was die Forschung zeigt und was nicht
Zwei Befunde brauchen ihre Grenzen.
Gesundheit: Zusammenhänge, keine Ursachen
Botha und Dahmann werteten Daten der australischen Haushaltsbefragung HILDA aus (Welle 2019, 15.288 Personen in der Analysestichprobe). Eine stärker internale Kontrollüberzeugung ging mit höherer Selbstkontrolle und mit besserer körperlicher und psychischer Gesundheit einher. Der Zusammenhang mit der Gesundheit wurde kleiner, wenn die Selbstkontrolle herausgerechnet wurde. Das spricht dafür, dass die Selbstkontrolle einen Teil der Beziehung vermittelt. Die Autoren sagen selbst, welche Art von Evidenz das ist: „Unsere Analysen sind deskriptiv und nicht kausal.“
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens maß die Studie die Kontrollüberzeugung nicht mit Rotters I-E-Skala, sondern mit der Mastery Scale. Wenn eine Schlagzeile von „Kontrollüberzeugung“ spricht, können ganz verschiedene Fragebogen dahinterstehen. Zweitens zeigte dieselbe Studie ein Gegenbeispiel: Eine stärker internale Kontrollüberzeugung ging mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Alkoholkonsum und für starkes Trinken einher. Die Autoren nennen das einen Gegensatz zu den sonst günstigen Zusammenhängen und verweisen auf frühere Studien mit demselben Befund.
Die Werte wurden zwischen 1960 und 2002 externaler
Twenge, Zhang und Im fassten 2004 in einer Metaanalyse 97 Stichproben von College-Studierenden (18.310 Personen) und 41 Stichproben von Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren (6.554 Kinder) zusammen. Die Daten stammten aus Dissertationen und aus den USA. Zwischen 1960 und 2002 wurden die Werte um etwa 0,80 Standardabweichungen externaler. Eine durchschnittliche Person aus den College-Stichproben des Jahres 2002 hatte eine externalere Kontrollüberzeugung als 80 % der College-Studierenden der frühen 1960er Jahre.
Das ist eine Veränderung von Gruppendurchschnitten über vier Jahrzehnte. Direkt sagt sie nichts darüber, ob sich die Kontrollüberzeugung einer einzelnen Person ändern kann.
Ist eine internale Kontrollüberzeugung immer besser?
Naheliegend wäre die Antwort ja: Wer glaubt, selbst etwas zu bewirken, handelt eher. Die Quellen dieses Artikels tragen das nicht als Regel.
Das Dorsch-Lexikon hält fest, dass Kontrolle objektiv niemals absolut ist. Subjektiv kann sie jede Größe annehmen und dabei mehr oder weniger funktional oder angemessen sein, das Lexikon nennt als Beispiele Kontrollillusion und erlernte Hilflosigkeit. Eine Überzeugung kann also zur Lage passen oder nicht.
Bandura liefert ein deutliches Gegenbeispiel. Menschen, die Ergebnisse für persönlich bestimmt halten, aber die nötigen Fähigkeiten nicht haben, würden eine geringe Selbstwirksamkeit erleben und Tätigkeiten mit einem Gefühl der Vergeblichkeit sehen. Sein Beispiel: Ein Kind, das Rechenkonzepte nicht begreift und erwartet, dass die Zensuren ganz von den Fähigkeiten im Fach abhängen, habe „allen Grund, demoralisiert zu sein“. Zu glauben, dass Ergebnisse von dir abhängen, tröstet nicht, wenn du bezweifelst, dass du leisten kannst, wovon sie abhängen.
Bandura trennt außerdem zwei Gründe, warum Menschen aufgeben, und schreibt das im Zusammenhang mit der Theorie der erlernten Hilflosigkeit. Manche vertrauen ihrer eigenen Wirksamkeit nicht. Andere sind von ihren Fähigkeiten überzeugt, erwarten aber, dass ihr Verhalten in einer Umwelt, die nicht reagiert, nichts bewirkt oder bestraft wird. Beides verlangt nach Bandura andere Antworten: im ersten Fall den Aufbau von Kompetenz, im zweiten eine Änderung der Bedingungen, die den Wert der vorhandenen Fähigkeiten wiederherstellt.
Liegt eine Lage tatsächlich außerhalb der eigenen Kontrolle, kann eine externale Deutung zutreffen. Sie ist dann kein Fehler, den man korrigieren müsste.
Hält das Gefühl, nichts bewirken zu können, über Wochen an oder bestimmt es deinen Alltag, besprich es mit einer qualifizierten Fachperson, etwa in einer Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis. Allein mit einem Fragebogen lässt sich das nicht klären.
Die Begriffe als Gruppe lernen
Begriffe, die so dicht beieinanderliegen, können sich beim Lernen gegenseitig stören. Das planvolle Lernen psychologischer Fachbegriffe behandelt solche Beinahe-Synonyme deshalb als Gruppe statt einzeln. Die vier Begriffe aus der Tabelle oben sind eine solche Gruppe.
Psychology World ist für diese Art des Übens gebaut. Du schlägst Begriffe nach und speicherst sie in einer eigenen Liste. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, als Multiple Choice oder durch Tippen der Antwort. Multiple Choice braucht eine Liste mit mindestens vier Wörtern. Eine Gruppe wie die vier oben hat genau diese Größe. Was die einzelnen Lernmodi tun, steht auf der Startseite.
Häufige Fragen
Was ist eine Kontrollüberzeugung einfach erklärt?
Sie beschreibt, wie stark du erwartest, dass das, was dir geschieht, von deinem eigenen Handeln abhängt. Bei einer internalen Kontrollüberzeugung siehst du Ergebnisse eher als Folge deines Verhaltens, bei einer externalen eher als Folge von Zufall, Schicksal oder mächtigeren Menschen. Julian Rotter stellte das Konzept 1966 in einer viel zitierten Monografie dar und machte es messbar.
Kann sich die Kontrollüberzeugung ändern?
Für ganze Gruppen ja: Eine Metaanalyse von 2004 fand, dass die Werte amerikanischer Studierender und Kinder zwischen 1960 und 2002 deutlich externaler wurden. Die Dokumentation der IE-4 beschreibt die generalisierte Kontrollüberzeugung als dauerhafte, kontextübergreifende Erwartung, die aus Lernerfahrungen entsteht. Wie schnell und wodurch sie sich bei einer einzelnen Person ändert, zeigen die Quellen dieses Artikels nicht.
Wie kann ich meine Kontrollüberzeugung testen?
Bekannt sind Rotters I-E-Skala, die IPC-Skalen, der FKK und die Kurzskala IE-4. Die IE-4 ist ausdrücklich als Forschungsinstrument für sozialwissenschaftliche Untersuchungen entwickelt. Ein Wert beschreibt, wo jemand auf einer Skala steht, nicht, ob etwas nicht stimmt, und er bedeutet erst etwas, wenn man das Verfahren kennt: Bei Rotters Skala heißt ein höherer Wert externaler, bei der Mastery Scale der HILDA-Studie internaler. Einen Online-Test verlinken wir nicht.
Ist die Kontrollüberzeugung ein Persönlichkeitsmerkmal?
Sie wird als solches behandelt. Die IE-4-Dokumentation schreibt, das Konstrukt habe den Stellenwert einer Persönlichkeitseigenschaft. Das Dorsch-Lexikon nennt es eine persönlichkeitspsychologische Variable mittleren Abstraktionsniveaus und grenzt es von konkreten Kontrollerwartungen in einer bestimmten Situation ab.
Was ist eine fatalistische Kontrollüberzeugung?
Der Begriff gehört zur externalen Seite. Nach der IE-4-Dokumentation teilt Levensons Modell die externale Kontrollüberzeugung in zwei Aspekte: die sozial bedingte Externalität (mächtige andere, Powerful Others) und die fatalistische Externalität (Zufall, Chance). Wer fatalistisch external denkt, führt Ergebnisse also auf Schicksal oder Zufall zurück und nicht auf andere Menschen.
Quellen
- 1.Rotter, J. B. (1966). Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement. Psychological Monographs: General and Applied, 80(1), 1–28.
- 2.Rotter, J. B. (1982). This Week’s Citation Classic: Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement. Current Contents, Social & Behavioral Sciences.
- 3.Rotter, J. B. (1975). Some problems and misconceptions related to the construct of internal versus external control of reinforcement. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 43(1), 56–67.
- 4.Levenson, H. (1973). Multidimensional locus of control in psychiatric patients. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 41(3), 397–404.
- 5.Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215.
- 6.Siraji, M. A., & Haque, S. (2022). Psychometric evaluation of the Bangla-translated Rotter’s Internal-External Scale through classical test theory and item response theory. Frontiers in Psychology, 13, 1023856.
- 7.Kovaleva, A., Beierlein, C., Kemper, C. J., & Rammstedt, B. (2014). Internale-Externale-Kontrollüberzeugung-4 (IE-4). Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen (ZIS). GESIS.
- 8.Heinecke-Müller, M. (2022). Kontrollüberzeugungen, internale vs. externale Kontrolle. In P. Y. Herzberg (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
- 9.Botha, F., & Dahmann, S. C. (2024). Locus of control, self-control, and health outcomes. SSM – Population Health, 25, 101566.
- 10.Twenge, J. M., Zhang, L., & Im, C. (2004). It’s beyond my control: A cross-temporal meta-analysis of increasing externality in locus of control, 1960–2002. Personality and Social Psychology Review, 8(3), 308–319.
- 11.Abramson, L. Y., Seligman, M. E. P., & Teasdale, J. D. (1978). Learned helplessness in humans: Critique and reformulation. Journal of Abnormal Psychology, 87(1), 49–74.
- 12.Seligman, M. E. P., & Maier, S. F. (1967). Failure to escape traumatic shock. Journal of Experimental Psychology, 74(1), 1–9.