Der Selbstwert ist die Bewertung, die du dir als ganzer Person gibst. Die Selbstwirksamkeit ist deine Überzeugung, dass du eine bestimmte Aufgabe schaffen kannst. Eine Studentin kann sicher sein, dass sie als Mensch wertvoll ist. Das ist ein hoher Selbstwert. Dieselbe Studentin kann bezweifeln, dass sie die Statistikklausur besteht. Das ist eine niedrige Selbstwirksamkeit für diese Klausur.
Der Soziologe Morris Rosenberg beschrieb 1965 eine Skala für den Selbstwert, die die Forschung bis heute benutzt. Der Psychologe Albert Bandura führte 1977 den Begriff der Selbstwirksamkeit ein. Die zwei kurzen Definitionen sind leicht zu lernen. Klausurbeispiele sind schwieriger, weil beide Begriffe beschreiben, wie du dich selbst siehst.
Dieser Artikel zeigt die Definitionen in den Worten der Autoren. Er gibt dir eine Frage, mit der du die meisten Beispiele einordnest. Er zeigt auch, wo sich beide Begriffe überschneiden.
- Der Selbstwert ist ein Urteil über den eigenen Wert. Die Selbstwirksamkeit ist ein Urteil über das eigene Können. Bandura nannte beide 2006 „völlig verschiedene Phänomene“.
- Der Selbstwert ist global: Er betrifft dich als ganze Person. Die Selbstwirksamkeit gehört zu einer Aufgabe oder einem Lebensbereich und kann sich von Aufgabe zu Aufgabe ändern.
- Es sind zwei verschiedene Urteile. Deshalb kann der Selbstwert hoch sein, während die Selbstwirksamkeit für eine Aufgabe niedrig ist, und umgekehrt.
- Beide gehören zum Selbstkonzept, also zu dem Bild, das du von dir selbst hast.
- Die Begriffe überschneiden sich bei Fragebogen für die allgemeine Selbstwirksamkeit. In einer Analyse von 2002 hingen diese Werte stark mit dem Selbstwert zusammen.
Der Unterschied in einer Tabelle
| Selbstwert | Selbstwirksamkeit | |
|---|---|---|
| Was du beurteilst | Deinen Wert als Person | Dein Können für eine Aufgabe |
| Die Frage dahinter | Bin ich als Mensch wertvoll? | Kann ich das schaffen? |
| Reichweite | Global: die ganze Person | Spezifisch: eine Aufgabe oder ein Lebensbereich |
| Klassische Quelle | Rosenberg, 1965 | Bandura, 1977 |
| Typische Messung | 10 allgemeine Aussagen über dich selbst | Eine Liste von Tätigkeiten aus einem Bereich |
| Deine Antwort | Wie stark du jeder Aussage zustimmst | Wie sicher du bist, von 0 bis 100, dass du jede Tätigkeit ausführen kannst |
| Beispielaussage | „Alles in allem bin ich mit mir selbst zufrieden.“ | Keine festen Aussagen: Die Tätigkeiten wechseln mit dem Bereich |
| Banduras Worte von 2006 | „ein Urteil über den eigenen Wert“ | „ein Urteil über das eigene Können“ |
Alle englischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt. Das gilt auch für die Aussagen aus Rosenbergs Skala.
Eine Merkhilfe: In dem Wort wirksam steckt das Wort wirken. Bandura definierte die wahrgenommene Selbstwirksamkeit 1994 im Glossar eines Lexikonartikels. Sie ist dort die Überzeugung von Menschen über ihre Fähigkeiten, Wirkungen hervorzubringen. In dem Wort Selbstwert steckt das Wort Wert.
Was Selbstwert bedeutet
Rosenberg war von 1975 bis zu seinem Tod 1992 Professor für Soziologie an der University of Maryland. Das Institut beschreibt seine Arbeit auf eigenen Seiten. Die Definition des Selbstwerts ist dort kurz: Der Selbstwert ist „eine positive oder negative Einstellung zu sich selbst; eine Gesamtbewertung des eigenen Werts“. Das wichtige Wort ist Gesamtbewertung. Der Selbstwert in diesem Sinn betrifft keine einzelne Fähigkeit und keine einzelne Situation.
Das Dorsch-Lexikon der Psychologie definiert den Begriff ähnlich. Der Selbstwert ist dort „die Bewertung des Bildes von sich selbst“ und damit „eine grundlegende Einstellung gegenüber der eigenen Person“. Das Lexikon hält auch fest, dass der Selbstwert kein Gefühl im eigentlichen Sinn ist. Im Alltag heißt er trotzdem oft Selbstwertgefühl.
Rosenberg erfasste den Selbstwert mit 10 Aussagen. Die Fragen und Antworten des Instituts nennen seine Skala „das vielleicht am häufigsten verwendete Maß für den Selbstwert in der sozialwissenschaftlichen Forschung“. Nach der Beschreibung der Skala beantworten Menschen jede Aussage auf einer Skala mit vier Stufen, von starker Zustimmung bis zu starker Ablehnung. Rosenberg entwickelte die Skala in den 1960er-Jahren mit 5.024 Jugendlichen aus den zwei obersten Jahrgängen von 10 zufällig ausgewählten High Schools im Bundesstaat New York. Er beschrieb sie 1965 in seinem Buch Society and the Adolescent Self-Image. Zwei Aussagen aus einer Kopie der Skala zeigen die Art der Fragen:
- „Alles in allem bin ich mit mir selbst zufrieden.“
- „Ich habe das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein, zumindest auf einer Stufe mit anderen.“
Keine der zwei Aussagen nennt eine Aufgabe. Die Skala hat auch keine offizielle Grenze zwischen hohem und niedrigem Selbstwert. Das Institut schreibt: „Es gibt keine festen Grenzwerte, die hohen und niedrigen Selbstwert trennen.“ Dieselben Seiten beschreiben den Selbstwert als „im Allgemeinen stabiles Merkmal von Erwachsenen“.
Was Selbstwirksamkeit bedeutet
Bandura führte den Begriff 1977 in einem Aufsatz in der Zeitschrift Psychological Review ein. In diesem Aufsatz trennte er zwei Erwartungen:
- Eine Konsequenzerwartung (englisch „outcome expectancy“) ist „die Einschätzung einer Person, dass ein bestimmtes Verhalten zu bestimmten Ergebnissen führt“.
- Eine Selbstwirksamkeitserwartung (englisch „efficacy expectation“) ist „die Überzeugung, dass man das Verhalten erfolgreich ausführen kann, das für die Ergebnisse nötig ist“.
Die zweite Erwartung ist die Selbstwirksamkeit. Die deutschen Wörter übernehmen wir aus einem Aufsatz von Ralf Schwarzer und Matthias Jerusalem von 2002. Die zwei Autoren schreiben für die Selbstwirksamkeitserwartung auch Kompetenzerwartung. Sie definieren die Selbstwirksamkeitserwartung als „die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können“.
Schwarzer und Jerusalem geben ein Beispiel aus dem Abitur. Der Satz „Wenn man das geforderte Fächerwissen beherrschen lernt, besteht man die Prüfung“ ist eine Konsequenzerwartung. Der Satz „Ich selbst fühle mich in der Lage, mir diese Kenntnisse anzueignen bzw. diese Fertigkeiten zu erlernen“ ist eine Selbstwirksamkeitserwartung, in den Worten der zwei Autoren eine Kompetenzerwartung.
Bandura erklärte, warum der Unterschied wichtig ist. Menschen können glauben, dass eine Handlung zu einem Ergebnis führt. Wenn sie aber „ernste Zweifel haben, ob sie die nötigen Tätigkeiten ausführen können“, dann beeinflusst dieser Glaube ihr Verhalten nicht.
Im selben Aufsatz schrieb Bandura, dass sich Selbstwirksamkeitserwartungen in drei Punkten unterscheiden:
- Niveau: wie schwierig die Aufgaben sind, die du dir zutraust.
- Allgemeinheit: wie weit die Überzeugung über eine einzelne Situation hinausgeht.
- Stärke: wie gut die Überzeugung einen Misserfolg übersteht.
Bandura nannte auch vier Quellen dieser Erwartungen. Schwarzer und Jerusalem geben die vier Quellen so wieder:
- 1.Handlungsergebnisse in Gestalt eigener Erfolge und Misserfolge
- 2.stellvertretende Erfahrungen durch Beobachtung von Verhaltensmodellen
- 3.sprachliche Überzeugungen, zum Beispiel Fremdbewertung oder Selbstinstruktion
- 4.Wahrnehmungen eigener Gefühlserregung
Die Reihenfolge ist nach Schwarzer und Jerusalem eine Rangfolge: Die erste Quelle hat den stärksten Einfluss. Bandura nannte die eigenen Erfolge 1977 „besonders einflussreich“. Der Grund: Die Person hat die Aufgabe selbst gemeistert.
Die Selbstwirksamkeit ist keine einzelne allgemeine Größe. In einem Leitfaden für Selbstwirksamkeitsskalen von 2006 gab Bandura ein Beispiel. Eine Führungskraft kann eine hohe Selbstwirksamkeit für die Arbeit im Unternehmen haben und eine niedrige Selbstwirksamkeit als Mutter oder Vater. Bandura folgerte: Das System der Selbstwirksamkeitsüberzeugungen ist „kein globales Merkmal“. Es ist ein Bündel von Überzeugungen über sich selbst, die an einzelne Lebensbereiche gebunden sind.
Deshalb nennt ein Fragebogen in Banduras Format Tätigkeiten aus einem Bereich. Für jede Tätigkeit gibst du an, wie sicher du bist, dass du sie ausführen kannst. Die Skala reicht von 0 („kann ich überhaupt nicht“) bis 100 („kann ich mit hoher Sicherheit“). Die Aussagen fragen nach „kann“ und nicht nach „werde“. Bandura begründete das so: „Kann ist ein Urteil über das Können; werde ist eine Aussage über die Absicht.“
Die Selbstwirksamkeit ist eine Überzeugung und keine Fähigkeit. Bandura schrieb 1977: „Die Erwartung allein führt nicht zur gewünschten Leistung, wenn die nötigen Fähigkeiten fehlen.“ Das Dorsch-Lexikon der Psychologie hält dazu fest: Geringe Fähigkeiten können mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung einhergehen, und umgekehrt.
Wie Bandura die zwei Begriffe trennte
Im Leitfaden von 2006 grenzte Bandura die Selbstwirksamkeit von drei Begriffen ab, mit denen Menschen sie verwechseln: Selbstwert, Kontrollüberzeugung und Konsequenzerwartung. Über den Selbstwert schrieb er: „Wahrgenommene Selbstwirksamkeit ist ein Urteil über das eigene Können; Selbstwert ist ein Urteil über den eigenen Wert. Es sind völlig verschiedene Phänomene.“
Auch das Dorsch-Lexikon hält fest, dass die Selbstwirksamkeitserwartung vom Selbstwert zu unterscheiden ist.
Zwei verschiedene Urteile können bei derselben Person verschieden ausfallen. Die folgenden drei Beispiele sind Veranschaulichungen, keine Forschungsergebnisse:
- Eine Studentin achtet sich selbst. Sie ist aber sicher, dass sie das Fahren mit Schaltgetriebe nicht lernen kann. Ihr Selbstwert ist hoch. Ihre Selbstwirksamkeit für diese Aufgabe ist niedrig.
- Ein Verkäufer ist sicher, dass er einen schwierigen Verkauf abschließen kann. Von sich als Person hat er aber eine schlechte Meinung. Seine Selbstwirksamkeit für den Verkauf ist hoch. Sein Selbstwert ist niedrig.
- Ein Mann weiß, dass er nicht singen kann, und er ist mit sich zufrieden. Eine niedrige Selbstwirksamkeit für eine Aufgabe bedeutet keinen niedrigen Selbstwert.
Ein Beispiel einordnen: eine Frage und vier Schritte
Eine Frage ordnet die meisten Beispiele ein: Beurteilt die Person ihren Wert oder ihr Können für eine bestimmte Sache? Geh so vor:
- 1.Such das Urteil im Beispiel.
- 2.Wenn das Urteil die ganze Person betrifft (Wert, Achtung, Zufriedenheit mit sich selbst), antworte: Selbstwert.
- 3.Wenn das Urteil eine Aufgabe oder einen Bereich betrifft („Ich kann“, „Ich kann nicht“), antworte: Selbstwirksamkeit.
- 4.Wenn das Urteil die Ursache eines Ergebnisses betrifft (eigenes Handeln oder Glück und andere Menschen), antworte: Kontrollüberzeugung.
Die Tabelle enthält auch zwei Nachbarbegriffe, die in den vier Schritten nicht vorkommen: Selbstkonzept und Konsequenzerwartung.
| Beispiel | Begriff | Begründung |
|---|---|---|
| „Ich bin ein wertvoller Mensch.“ | Selbstwert | Ein Urteil über die ganze Person |
| „Ich bin sicher, dass ich diese 10 Statistikaufgaben lösen kann.“ | Selbstwirksamkeit | Ein Urteil über das Können für eine Aufgabe |
| „Ich bin Psychologiestudentin, große Schwester und Läuferin.“ | Selbstkonzept | Eine Beschreibung der eigenen Person ohne Urteil über den Wert |
| „Meine Noten hängen davon ab, wie viel ich lerne, und nicht vom Glück.“ | Internale Kontrollüberzeugung | Eine Überzeugung über die Ursache eines Ergebnisses |
| „Wer jeden Tag trainiert, schafft den Lauf.“ | Konsequenzerwartung | Eine Überzeugung, dass eine Handlung zu einem Ergebnis führt |
| „Tägliches Training wirkt, aber ich kann es keinen Monat durchhalten.“ | Niedrige Selbstwirksamkeit | Die Person zweifelt an ihrem Können, nicht an der Methode |
Eine Klausurfrage kann auch fragen, was beide Begriffe verbindet. Die Antwort ist das Selbstkonzept. Der nächste Abschnitt nennt die Quellen dafür.
Selbstkonzept, Selbstvertrauen und Kontrollüberzeugung
Drei weitere Begriffe haben eine Bedeutung, die nah an Selbstwert und Selbstwirksamkeit liegt.
| Begriff | Definition | Quelle |
|---|---|---|
| Selbstkonzept | „das Gesamtsystem der Überzeugungen zur eigenen Person und deren Bewertung“ | Dorsch-Lexikon der Psychologie |
| Selbstwert | „die Bewertung des Bildes von sich selbst“ | Dorsch-Lexikon der Psychologie |
| Selbstwirksamkeit | „die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können“ | Schwarzer und Jerusalem, 2002 |
| Selbstvertrauen | „das Gefühl, mit möglichen Schwierigkeiten fertigwerden zu können und durch eigene Kraft etwas zu schaffen“ | Dorsch-Lexikon der Psychologie |
| Kontrollüberzeugung | Eine Überzeugung darüber, ob das eigene Handeln die Ergebnisse bestimmt oder Kräfte außerhalb der eigenen Kontrolle | Bandura, 2006 |
Das Selbstkonzept ist der weiteste Begriff. Rosenberg definierte es als die „Gesamtheit der Gedanken und Gefühle eines Menschen, die sich auf ihn selbst als Objekt beziehen“. Die Seiten der University of Maryland nennen den Selbstwert „nur einen Bestandteil des Selbstkonzepts“. Als weiteren wichtigen Teil nennen sie die Selbstwirksamkeit. Nach dem Dorsch-Lexikon ist der Selbstwert die Bewertung des Selbstkonzepts.
Das Dorsch-Lexikon verbindet das Wort Selbstvertrauen mit beiden Begriffen. Der Eintrag zum Selbstwert nennt Selbstvertrauen einen verwandten Alltagsbegriff. Der Eintrag zum Selbstvertrauen beschreibt ein Konzept, das der Selbstwirksamkeitserwartung weitgehend entspricht. Benutz in einer Klausur deshalb die Fachbegriffe Selbstwert und Selbstwirksamkeit.
Die Kontrollüberzeugung ist leicht mit der Selbstwirksamkeit zu verwechseln. Banduras Beispiel im Leitfaden von 2006 trennt beide. Studierende können glauben, dass ihre Noten ganz von ihrer eigenen Leistung abhängen. Dieselben Studierenden können mutlos sein, weil sie glauben, dass ihnen die Selbstwirksamkeit für diese Leistung fehlt. Unser Artikel über erlernte Hilflosigkeit erklärt die Kontrollüberzeugung genauer.
Wo sich beide überschneiden: die allgemeine Selbstwirksamkeit
Der klare Unterschied gilt für die Selbstwirksamkeit, wie Bandura sie definierte: für eine Aufgabe oder einen Bereich. Der Unterschied wird kleiner, wenn die Forschung die Selbstwirksamkeit als ein allgemeines Merkmal misst.
Schwarzer und Jerusalem ordnen die Selbstwirksamkeitserwartung nach ihrem Grad an Generalität. Am spezifischen Ende steht die Gewissheit, eine konkrete Handlung ausführen zu können. In der Mitte stehen Bereiche, zum Beispiel die schulbezogene Selbstwirksamkeitserwartung. Am allgemeinen Ende steht die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung. Sie „umfasst alle Lebensbereiche“.
Ein Maß dafür ist die Skala zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung von Matthias Jerusalem und Ralf Schwarzer. Nach der Seite der Autoren bekamen 1979 einige Hundert Schüler eine große Sammlung von Aussagen. Seit 1981 ist die Fassung mit 10 Aussagen verbreitet. Die vier Antworten reichen von „stimmt nicht“ bis „stimmt genau“.
Ein Beispiel ist „Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe.“ Ein zweites Beispiel ist „Wenn ein Problem auftaucht, kann ich es aus eigener Kraft meistern.“ Diese Aussagen fragen nach dem Können, aber sie nennen keine Aufgabe. Die Autoren nennen das auf der englischen Seite der Skala eine Schwäche: Als allgemeines Maß erfasst die Skala keine spezifische Verhaltensänderung.
Bandura lehnte solche Maße ab. „Es gibt kein Allzweckmaß der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit“, schrieb er im Leitfaden von 2006. Nach seiner Ansicht bleibt bei allgemeinen Aussagen unklar, was sie genau messen.
Die Forschung stützt einen Teil seiner Kritik. 2002 untersuchten Judge, Erez, Bono und Thoresen in vier Studien vier Merkmale: Selbstwert, Neurotizismus, Kontrollüberzeugung und allgemeine Selbstwirksamkeit. Sie berichteten, dass die Maße der vier Merkmale stark zusammenhingen. Ein einziger Faktor erklärte diese Zusammenhänge. Die Autoren berichteten auch eine „relativ geringe diskriminante Validität“. Die diskriminante Validität ist der Beleg dafür, dass zwei Tests Verschiedenes messen.
Die Autoren vermuteten, dass die vier Maße dasselbe übergeordnete Konzept anzeigen. Die Forschung nennt dieses Konzept „core self-evaluation“, auf Deutsch etwa zentrale Selbstbewertung. Ein Überblick von 2012 definiert das Konzept als die grundlegenden Einschätzungen, die Menschen über ihren eigenen Wert und ihre Fähigkeiten treffen.
Andere Forschende fanden auch auf der allgemeinen Ebene einen Unterschied. 2004 verglichen Chen, Gully und Eden die allgemeine Selbstwirksamkeit und den Selbstwert in Stichproben aus Hochschule und Beruf. Die allgemeine Selbstwirksamkeit hing stärker mit Merkmalen der Motivation zusammen. Der Selbstwert hing stärker mit Merkmalen des Gefühlslebens zusammen. Die Autoren folgerten, dass die zwei Begriffe theoretisch verschieden sind.
Auch die Skalen überschneiden sich. Das ist unsere Beobachtung: Eine von Rosenbergs 10 Aussagen fragt nach dem Können. Sie lautet: „Ich kann Dinge genauso gut wie die meisten anderen Menschen.“
Die praktische Regel hat zwei Teile. Die Selbstwirksamkeit für eine Aufgabe und der globale Selbstwert sind klar verschieden. Die allgemeine Selbstwirksamkeit und der Selbstwert hängen eng zusammen, und die Forschung ist nicht einig, wie getrennt sie sind.
Was Selbstwert und Selbstwirksamkeit vorhersagen
Beim Selbstwert haben sich die Schlussfolgerungen zwischen 2003 und 2022 geändert. 2003 werteten Baumeister, Campbell, Krueger und Vohs die Forschung aus. Sie fanden mäßige Zusammenhänge zwischen Selbstwert und Schulleistung. Nach ihrem Urteil zeigen diese Zusammenhänge nicht, dass ein hoher Selbstwert zu guter Leistung führt. Ein hoher Selbstwert ist nach ihrem Urteil zum Teil das Ergebnis guter Schulleistung. Die Autoren fanden zwei Arten von Nutzen: mehr Eigeninitiative und angenehme Gefühle.
2022 werteten Orth und Robins neuere Längsschnittstudien und Metaanalysen aus. Sie folgerten, dass ein hoher Selbstwert Menschen hilft, sich in vielen Lebensbereichen anzupassen und erfolgreich zu sein. Die Effekte waren klein: Die Schätzungen der Metaanalysen lagen im Durchschnitt bei 0,10. Nach Orth und Robins ist diese Größe mit den Schätzungen für andere Faktoren vergleichbar. Einer der Faktoren, die sie nennen, ist die Selbstwirksamkeit.
Bei der Selbstwirksamkeit stammen die Belege für Studierende vor allem aus Korrelationen. Eine Metaanalyse von Richardson, Abraham und Bond von 2012 wertete 241 Datensätze zu den Noten von Studierenden aus. Sie verglich 50 Merkmale. Die leistungsbezogene Selbstwirksamkeit hing am stärksten mit dem Notendurchschnitt zusammen. Die akademische Selbstwirksamkeit zeigte einen mittleren Zusammenhang mit dem Notendurchschnitt.
Eine Korrelation zeigt nicht, welcher Faktor den anderen verursacht. Bandura beschrieb 1977 eine Wirkung in zwei Richtungen. Die Erwartung, eine Aufgabe zu meistern, beeinflusst die Leistung. Die Ergebnisse der eigenen Anstrengungen verändern dann wieder diese Erwartung.
Was das für das Lernen von Fachbegriffen bedeutet
Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Selbstkonzept, Selbstvertrauen und Kontrollüberzeugung sind fünf Begriffe mit nahen Bedeutungen. Lern die fünf Begriffe als eine Gruppe, und üb die Unterschiede zwischen ihnen. Unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe sortiert Begriffe nach Verwechslungsgefahr in Gruppen. Unser Artikel über verteilte Wiederholung erklärt, warum getrennte Lernsitzungen besser wirken als eine lange Sitzung.
Du kannst Banduras Theorie auch auf dein eigenes Lernen anwenden. Eine richtige Antwort in einem Selbsttest ist ein kleiner eigener Erfolg. Eigene Erfolge sind die erste der vier Quellen. Das ist unsere Anwendung der Theorie, kein Forschungsergebnis.
Psychology World ist für diese Art des Übens gebaut. Du schlägst Begriffe nach und speicherst sie in einer eigenen Liste. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, als Multiple Choice oder durch Tippen der Antwort. Multiple Choice braucht eine Liste mit mindestens vier Wörtern. Die vier Schritte der Lernschleife und was die einzelnen Lernmodi tun stehen auf der Startseite.
Häufige Fragen
Ist Selbstwirksamkeit dasselbe wie Selbstvertrauen?
Nicht ganz. Selbstvertrauen ist ein Alltagsbegriff. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie beschreibt Selbstvertrauen als ein Konzept, das der Selbstwirksamkeitserwartung weitgehend entspricht. Dasselbe Lexikon nennt Selbstvertrauen aber auch einen Alltagsbegriff, der mit dem Selbstwert verwandt ist. Selbstwirksamkeit ist der Fachbegriff aus Banduras Theorie. In dieser Theorie gehört die Selbstwirksamkeit zu einer Aufgabe oder einem Bereich.
Kann man eine hohe Selbstwirksamkeit und einen niedrigen Selbstwert haben?
Ja, das ist möglich. Bandura nannte die zwei Begriffe „völlig verschiedene Phänomene“: Die Selbstwirksamkeit ist ein Urteil über das eigene Können, und der Selbstwert ist ein Urteil über den eigenen Wert. Eine Person kann in einem Bereich sicher sein, dass sie ihre Aufgaben schafft, zum Beispiel im Beruf. Dieselbe Person kann von sich als Mensch eine schlechte Meinung haben. Auch die umgekehrte Kombination ist möglich.
Ist Selbstwert dasselbe wie Selbstwertgefühl?
Im Alltag ja, in der Fachsprache nicht ganz. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie definiert den Selbstwert als die Bewertung des Bildes von sich selbst. Nach dem Lexikon ist der Selbstwert kein Gefühl im eigentlichen Sinn, aber im Alltag sprechen Menschen oft von Selbstwertgefühl. Als weiteren Namen nennt das Lexikon Selbstwertschätzung. Das englische Wort ist „self-esteem“.
Was ist der Unterschied zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstwirksamkeitserwartung?
In den Quellen dieses Artikels bezeichnen beide Wörter dasselbe. Das Dorsch-Lexikon führt den Begriff unter dem Stichwort Selbstwirksamkeitserwartung und nennt als zweiten Namen Kompetenzerwartung. Schwarzer und Jerusalem nennen ihren Aufsatz „Das Konzept der Selbstwirksamkeit“ und definieren in dem Aufsatz die Selbstwirksamkeitserwartung. Das längere Wort zeigt, dass der Begriff eine Erwartung beschreibt und keine Fähigkeit.
Gehört der Selbstwert zum Selbstkonzept?
Ja. Das Selbstkonzept ist der weitere Begriff. Das Dorsch-Lexikon der Psychologie definiert das Selbstkonzept als das Gesamtsystem der Überzeugungen zur eigenen Person und deren Bewertung. Der Selbstwert ist nach demselben Lexikon die Bewertung dieses Bildes. Die Seiten der University of Maryland über Rosenberg nennen neben dem Selbstwert auch die Selbstwirksamkeit einen wichtigen Teil des Selbstkonzepts.
Quellen
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