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Die Gestaltgesetze: was Wertheimer 1923 wirklich beschrieben hat

Nähe, Ähnlichkeit, Geschlossenheit, Prägnanz: die Gestaltgesetze mit Beispielen, Wertheimers Originalbegriffe von 1923 und was die Forschung heute dazu sagt.

Kognition12 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Die Gestaltgesetze beschreiben, wie deine Wahrnehmung einzelne Elemente zu Ganzheiten zusammenfasst, den sogenannten Gestalten. Die bekanntesten sind die Gesetze der Nähe, der Ähnlichkeit, des gemeinsamen Schicksals, der guten Fortsetzung und der Geschlossenheit. Dazu kommt das Gesetz der Prägnanz, auch Gesetz der guten Gestalt genannt. Max Wertheimer beschrieb die klassischen Gestaltgesetze 1923 in seinem Aufsatz „Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt II“. Er selbst sprach fast immer von Faktoren, nicht von Gesetzen. Eine feste Zahl von Gestaltgesetzen gibt es nicht.

Viele Listen im Netz kommen aus Design-Ratgebern. Sie zeigen, wie man Logos und Webseiten mit den Gesetzen gestaltet. Dieser Artikel zeigt die Gesetze so, wie die Psychologie sie beschreibt: mit Wertheimers eigenen Begriffen, mit den späteren Ergänzungen und mit dem, was die Forschung heute über sie weiß.

  • Wertheimer beschrieb 1923 unter anderem den Faktor der Nähe, der Gleichheit, des gemeinsamen Schicksals, der Geschlossenheit, der guten Kurve und der Erfahrung. In Lehrbüchern heißt die Gleichheit heute Ähnlichkeit und die gute Kurve gute Fortsetzung.
  • Wie viele Gestaltgesetze es gibt, hängt von der Quelle ab. Wertheimer schloss seine Liste nicht ab, und die Forschung hat seit 1992 neue Prinzipien ergänzt.
  • Figur und Grund steht nicht in Wertheimers Liste. Der dänische Psychologe Edgar Rubin beschrieb diese Unterscheidung 1915.
  • Die Gesetze beschreiben, wie die Wahrnehmung gruppiert. Das Gesetz der Prägnanz blieb absichtlich vage. Das Gesetz der Nähe kann die Forschung heute dagegen genau messen.
  • Der Satz „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ gibt die Gestaltpsychologie ungenau wieder. Kurt Koffka schrieb, das Ganze sei etwas anderes als die Summe seiner Teile.

Die Gestaltgesetze in einer Tabelle

Die klassischen Gestaltgesetze und Wertheimers Begriffe von 1923.
GestaltgesetzWas es besagtBeispielWertheimers Begriff
Gesetz der NäheElemente mit kleinem Abstand gehören zusammenPunkte mit abwechselnd kleinen und großen Abständen siehst du als PaareFaktor der Nähe
Gesetz der ÄhnlichkeitGleiche oder ähnliche Elemente gehören zusammenIn einer Reihe aus offenen und gefüllten Kreisen bilden die gleichen Kreise GruppenFaktor der Gleichheit
Gesetz des gemeinsamen SchicksalsElemente, die sich zusammen verändern oder bewegen, gehören zusammenEinige Punkte einer Reihe bewegen sich gemeinsam nach oben und lösen sich als Gruppe abFaktor des gemeinsamen Schicksals
Gesetz der guten FortsetzungLinien werden so gegliedert, dass sie möglichst glatt weiterlaufenZwei Linien, die sich kreuzen, siehst du als zwei durchgehende LinienFaktor der guten Kurve
Gesetz der GeschlossenheitTeile, die eine geschlossene Form bilden, werden als Einheit gesehenVier Striche, die ein Quadrat umranden, wirken wie eine FormFaktor der Geschlossenheit
Gesetz der PrägnanzDie Wahrnehmung bildet die einfachste Ordnung, die die Bedingungen zulassenEinen Winkel von 93 Grad siehst du als nicht ganz richtigen rechten Winkelgute Gestalt, Prägnanzstufen
Gesetz der ErfahrungBekannte Formen werden leichter gesehenEin Bereich, der wie ein bekannter Gegenstand aussieht, wird eher zur Figur, wenn er aufrecht stehtFaktor der Erfahrung
EinstellungWas du vorher gesehen hast, bestimmt, wie du das Nächste gliederstNach mehreren klaren Paaren siehst du auch eine mehrdeutige Reihe als PaareFaktor der Einstellung

Andere Prinzipien stehen nicht in Wertheimers Aufsatz. Die meisten fand die Forschung erst später, in kontrollierten Versuchen.

Prinzipien, die nicht in Wertheimers Liste stehen.
PrinzipWas es besagtWoher
Figur und GrundEin Bereich tritt als Figur hervor, der Rest wird zum HintergrundEdgar Rubin, 1915
Gemeinsame RegionElemente in derselben umgrenzten Fläche gehören zusammenStephen Palmer, 1992
VerbundenheitElemente mit einer gemeinsamen Grenze gehören zusammenPalmer und Rock, 1994
SynchronieElemente, die sich gleichzeitig verändern, gehören zusammenAlais, Blake und Lee, 1998; Lee und Blake, 1999

Die Jahreszahlen stammen aus dem Überblick von Wagemans und Kollegen zu hundert Jahren Gestaltforschung. Rubins Arbeit von 1915 ist älter als Wertheimers Aufsatz. Sie behandelt aber eine andere Frage, dazu weiter unten mehr.

Woher die Gestaltgesetze stammen

Den Begriff Gestalt brachte Christian von Ehrenfels 1890 in die Psychologie. Sein Beispiel war eine Melodie. Du erkennst eine Melodie wieder, auch wenn kein einziger Ton dieselbe Frequenz hat wie vorher. Die Melodie hängt also nicht an den einzelnen Tönen. Ehrenfels nannte diese Eigenschaft „Gestaltqualität“.

Nach dem Dorsch-Lexikon der Psychologie begründete Max Wertheimer die Gestaltpsychologie 1912 mit Untersuchungen über das stroboskopische Sehen. Dabei geht es um die sogenannte Phi-Bewegung: Man sieht eine Bewegung, aber kein Objekt, das sich bewegt. Wertheimer, Kurt Koffka und Wolfgang Köhler wurden die Vertreter der Berliner Schule der Gestaltpsychologie.

1923 erschien Wertheimers Aufsatz über die Gestaltgesetze in der Zeitschrift Psychologische Forschung. Der Aufsatz beginnt mit einem Blick aus dem Fenster: „Ich stehe am Fenster und sehe ein Haus, Bäume, Himmel.“ Theoretisch, schreibt Wertheimer, könnte er 327 Helligkeiten und Farbtöne zählen. Aber er sieht nicht „327“, sondern Himmel, Haus und Bäume. Der Aufsatz fragt, nach welchen Regeln die Wahrnehmung Teile zu solchen Ganzen zusammenfasst.

Wertheimer nannte diese Regeln fast immer Faktoren. Den Ausdruck „Gesetz der Nähe“ benutzt er nur an wenigen Stellen. Gestalt und Prägnanz gehören heute zu den deutschen Fachbegriffen, die auch englische Lehrbücher auf Deutsch verwenden. Mehr dazu steht in unserem Artikel über psychologische Fachbegriffe zwischen Deutsch und Englisch.

Ab 1933 verloren viele Psychologieprofessoren an deutschen Universitäten ihre Stellen, weil die Nationalsozialisten Juden diskriminierten und verfolgten. Viele von ihnen gingen in die USA. Am Ende arbeiteten auch die drei Gründer der Berliner Schule dort. Nach Wagemans und Kollegen schrieben sie in den USA vor allem Bücher und machten nur noch wenige neue Experimente.

Die Gesetze einzeln erklärt

Wertheimer arbeitete mit einfachen Reihen und Mustern aus Punkten und Linien. Er versuchte, einzelne Faktoren zu isolieren, und setzte sie dann gegeneinander. Die englischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt.

Gesetz der Nähe

Wertheimer begann mit einer Reihe von Punkten mit abwechselnd kleinen und großen Abständen. Die Gruppen aus Punkten mit kleinem Abstand entstehen nach Wertheimer von selbst. Gruppen über den großen Abstand hinweg entstehen nicht oder nur schwer, und sie sind weniger stabil. Wertheimer schrieb außerdem, dass das Prinzip nicht nur für das Sehen gilt, zum Beispiel auch für Klopfrhythmen.

Gesetz der Ähnlichkeit

Bei Wertheimer heißt dieses Gesetz „Faktor der Gleichheit“. In seinen Reihen aus offenen und gefüllten Kreisen sieht man im Allgemeinen die gleichen Kreise als Gruppen. Die entgegengesetzte Gruppierung ist nach Wertheimer im Ganzen meist nicht zu sehen. Er hielt die Gleichheit für einen Sonderfall der guten Gestalt.

Gesetz des gemeinsamen Schicksals

Wertheimer verschob in einer Punktreihe einige Punkte gemeinsam. Die Punkte, die sich zusammen bewegten, bildeten eine Gruppe, und zwar gegen das Gesetz der Nähe. Er betonte, dass die Veränderungen nicht gleich sein müssen. Auch Drehungen und qualitative Veränderungen können Teile zusammenfassen. Die Forschung hat das Gesetz später erweitert: Elemente, die gleichzeitig heller oder dunkler werden, gehören ebenfalls zusammen.

Gesetz der guten Fortsetzung

Wertheimer sprach vom „Faktor der guten Kurve“. Die Wahrnehmung gliedert Linien so, dass sie möglichst glatt weiterlaufen. In zwei seiner Figuren sieht man typisch nicht drei geschlossene Formen, sondern die Formen, die die gute Kurve vorgibt. Die gute Kurve ist dort also stärker als die Geschlossenheit. Field, Hayes und Hess zeigten 1993: Kurze Striche, die entlang einer Linie ausgerichtet sind, entdeckst du in einem Feld aus zufällig gedrehten Strichen leicht.

Gesetz der Geschlossenheit

Teile, die eine geschlossene Form bilden, werden eher als Einheit gesehen. Wertheimer zählte die Geschlossenheit zu den Ganzeigenschaften einer guten Gestalt, zusammen mit Symmetrie und innerem Gleichgewicht. Wagemans und Kollegen berichten eine Studie von 2004, die beim Entdecken von Konturen nur einen kleinen Vorteil für geschlossene Konturen fand. Sie betonen aber: Die frühen Gestaltpsychologen meinten vor allem, dass die Geschlossenheit die wahrgenommene Form bestimmt.

Gesetz der Prägnanz

Wertheimer beschrieb „Prägnanzstufen“. Ein rechter Winkel ist eine solche Stufe. Einen Winkel von 93 Grad sieht man typisch als schlechteren rechten Winkel. Bei sehr kurzer Darbietung sahen die Versuchspersonen oft einfach einen rechten Winkel, auch bei deutlicher Abweichung. Formen nahe einer Prägnanzstufe wirken „nicht ganz richtig“ oder „etwas falsch“, ohne dass man sagen kann, worin der Fehler liegt.

Als Obergesetz formulierte Koffka die Prägnanz 1935: Die psychische Organisation ist immer so „gut“, wie die herrschenden Bedingungen es zulassen. Nach Wagemans und Kollegen blieb diese Formulierung absichtlich vage. Wertheimer schrieb, man erkenne eine gute Gestalt an ihrer „inneren Notwendigkeit“.

Einstellung und Erfahrung

Der Faktor der Einstellung hängt von der Reihenfolge ab. Wenn du vorher mehrere eindeutige Reihen gesehen hast, gliederst du eine mehrdeutige Reihe oft auf dieselbe Weise. Wertheimer nannte diesen Faktor „sehr stark“.

Die Erfahrung erkannte Wertheimer als Faktor an, aber er warnte davor, alles mit ihr zu erklären. Wer das tue, übergehe die eigentlichen Probleme der Wahrnehmung zu leicht. Für die Figur-Grund-Unterscheidung ist die Rolle der Erfahrung inzwischen trotzdem belegt, wie der Abschnitt über Figur und Grund zeigt.

Wie viele Gestaltgesetze gibt es?

Es gibt keine feste Zahl. Wer zwei Listen vergleicht, findet selten dieselbe Länge. Dafür gibt es drei Gründe.

  1. 1.Wertheimer schloss seine Liste nicht ab. In seinem Aufsatz kündigt er an, über andere Faktoren solle später gehandelt werden.
  2. 2.Die Gestaltpsychologen wollten nicht für jeden neuen Einfluss ein neues Gesetz. Das Gesetz der Prägnanz sollte deshalb alle anderen Gesetze umfassen. Kritiker warfen der Schule trotzdem vor, für jeden Faktor ein neues Gesetz aufzustellen.
  3. 3.Die Forschung hat neue Prinzipien gefunden, zum Beispiel die gemeinsame Region und die Verbundenheit. Design-Listen nehmen außerdem Figur und Grund und die Symmetrie als eigene Gesetze auf.

Für eine Klausur hilft eine klare Trennung. Lerne die klassischen Gesetze mit Wertheimers Begriffen. Nenne die späteren Prinzipien mit Autor und Jahr. Dann bist du auf die meisten Listen in Lehrbüchern vorbereitet.

Wenn zwei Gesetze gegeneinander arbeiten

Gestaltgesetze wirken nicht einzeln. Wertheimer baute deshalb Reihen, in denen Nähe und Gleichheit in entgegengesetzte Richtungen wirken. So konnte er beobachten, welche Gruppierung sich durchsetzt. Beim gemeinsamen Schicksal setzte sich die gemeinsame Bewegung gegen die Nähe durch.

Die neuere Forschung misst diese Stärken. Kubovy und Kollegen zeigten, dass die Gruppierung nach Nähe nur von den relativen Abständen zwischen den Punkten abhängt, nicht vom ganzen Muster. Das Ergebnis heißt „pure distance law“, also Gesetz des reinen Abstands. Kubovy und van den Berg fanden 2008, dass sich die Wirkungen von Nähe und Ähnlichkeit addieren.

Elder und Goldberg untersuchten 2002 Konturen in Fotografien. Dort war die Nähe mit Abstand der stärkste Hinweis. Sie verringerte die Unsicherheit der Gruppierung um etwa 75 Prozent. Gute Fortsetzung und Ähnlichkeit verringerten sie um je etwa 10 Prozent. Das gilt für Konturen in Fotos, nicht für jede Wahrnehmung.

Figur und Grund: kein Gesetz aus Wertheimers Liste

Viele Listen führen die Figur-Grund-Beziehung als Gestaltgesetz. Sie stammt aber nicht von Wertheimer. Der dänische Psychologe Edgar Rubin beschrieb sie 1915 in seinem Buch „Synsoplevede Figurer“, auf Deutsch „Visuell wahrgenommene Figuren“. Von ihm stammt auch die Vase, die du ebenso als zwei Gesichter sehen kannst.

Die Figur-Grund-Unterscheidung beantwortet eine andere Frage als die Gruppierung. Die Gruppierung fragt, welche Teile zusammengehören. Die Figur-Grund-Unterscheidung fragt, welcher Bereich als Gegenstand hervortritt und welcher dahinter liegt. Als klassische Hinweise auf die Figur gelten Konvexität, Symmetrie, eine kleine Fläche und das Umschlossensein.

Nach Wagemans und Kollegen sind diese klassischen Hinweise in kontrollierten Versuchen schwächer als früher angenommen. Die Erfahrung spielt dagegen eine Rolle. In Versuchen von Mary Peterson und Kollegen sahen Menschen Bereiche, die Teile bekannter Gegenstände zeigten, häufiger als Figur, wenn die Gegenstände aufrecht standen. Wagemans und Kollegen fassen zusammen: Für die Figur-Grund-Unterscheidung ist die Rolle von Erfahrung und Aufmerksamkeit heute in Versuchen belegt, die Wertheimers eigene Kriterien erfüllen.

Was die Forschung heute über die Gestaltgesetze sagt

Die Gestaltpsychologie bekam viel Kritik. Nach Wagemans und Kollegen warfen ihr Kritiker vor, sie biete bloße Vorführungen statt Experimente. Ihre Reize seien sehr einfach oder vermischten mehrere Faktoren, und ihre Gesetze seien ungenau formuliert. Regeln aus einfachen Mustern hielten oft nicht, sobald die Muster etwas reicher wurden.

Köhler wollte die Gestaltwahrnehmung mit elektrischen Feldern im Gehirn erklären. Versuche in den 1950er-Jahren widerlegten diese Feldtheorie. Eine gemeinsame Theorie, wie sie die Berliner Schule hatte, fehlte der Forschung nach dem Überblick von Wagemans und Kollegen auch 2012 noch.

Trotzdem sind die Gestaltgesetze nicht überholt. Wagemans und Kollegen schreiben 2012, die Gerüchte über den Tod der Gestaltpsychologie seien „stark übertrieben“ gewesen. Die Forschung zur Gruppierung und zu Figur und Grund sei lebendig. Das Gesetz der Nähe lasse sich als echtes Gesetz messen. Die heutige Wahrnehmungsforschung sei aber keine neue Gestaltschule. Viele Befunde widersprechen den ursprünglichen Annahmen der Berliner Schule.

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Dieser Satz gilt als Kern der Gestaltpsychologie. Ein zweiter Überblick von Wagemans und Kollegen nennt ihn aber ungenau. Er zitiert Kurt Koffka aus dem Jahr 1935: „Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile.“ Koffka begründete das so: Das Summieren sei ein sinnloses Verfahren, die Beziehung zwischen Ganzem und Teilen dagegen sinnvoll.

Die Formel „mehr als die Summe“ passt eher zu Ehrenfels. Für ihn ruhte die Gestaltqualität auf den Sinnesdaten: Das Ganze ist mehr als die Summe, aber die Teile bleiben seine Grundlage. Wertheimer sah das anders. Für ihn bestimmen die Beziehungen im Ganzen, was als Ganzes und was als Teil erscheint.

Gestaltgesetze für die Klausur lernen

Die Gestaltgesetze sind ein typisches Klausurthema mit verwechselbaren Namen. Gleichheit und Ähnlichkeit meinen dasselbe Gesetz. Gute Kurve und gute Fortsetzung meinen dasselbe Gesetz. Prägnanz und gute Gestalt hängen eng zusammen. Gemeinsame Region und Geschlossenheit haben beide mit umgrenzten Flächen zu tun, stammen aber aus verschiedenen Jahrzehnten. Wie du solche Paare mit Abfragen und verteilten Wiederholungen lernst, zeigt unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe.

Psychology World ist für diesen wiederholten Kontakt gebaut. Du schlägst einen Begriff nach und speicherst ihn in einer eigenen Liste. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, als Multiple Choice ab vier Wörtern in der Liste oder durch Tippen der Antwort. Die tägliche Wortmitteilung zeigt dir außerdem jeden Tag einen Begriff, ohne dass du suchen musst. Die vier Schritte der Lernschleife und was die einzelnen Lernmodi tun stehen auf der Startseite.

Häufige Fragen

Was ist das wichtigste Gestaltgesetz?

Das hängt davon ab, was du mit wichtig meinst. Für die Gestaltpsychologen war das Gesetz der Prägnanz das wichtigste, weil es alle anderen Gesetze umfassen sollte. In Messungen an Konturen in Fotografien war dagegen die Nähe mit Abstand der stärkste Hinweis für die Gruppierung.

Gelten die Gestaltgesetze nur für das Sehen?

Nein. Schon Ehrenfels ging 1890 von der Melodie aus, also vom Hören. Wertheimer prüfte seine Faktoren 1923 auch mit Tonfolgen, zum Beispiel mit Reihen wie c c g g e e g g. Die meisten Beispiele in Lehrbüchern und auch die Überblicke von Wagemans und Kollegen behandeln aber das Sehen.

Hat die Gestaltpsychologie etwas mit Gestalttherapie zu tun?

Weniger, als der Name vermuten lässt. Nach dem Gestalttheoretiker Gerhard Stemberger bestritten bekannte Gestaltpsychologen wie Rudolf Arnheim und Mary Henle jede Verwandtschaft der Gestalttherapie mit der Gestaltpsychologie. Die meisten Gestalttherapeuten, angefangen mit Fritz Perls, bestanden dagegen darauf. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Gestalttherapie nicht, wie unser Artikel über Psychotherapieverfahren erklärt.

Sind die Gestaltgesetze dasselbe wie Wahrnehmungsfehler?

Nein. Die Gestaltgesetze beschreiben, wie die Wahrnehmung Teile zu Ganzen ordnet. Sie beschreiben keine Fehler, sondern die normale Ordnung der Wahrnehmung. Wahrnehmungsfehler wie der Halo-Effekt sind Verzerrungen, wenn du andere Menschen beurteilst. Mehr dazu steht in unserem Artikel über Wahrnehmungsfehler.

Quellen

  1. 1.Wertheimer, M. (1923). Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt II. Psychologische Forschung, 4, 301–350. Digitalisat: Virtual Laboratory, Universität Regensburg.
  2. 2.Wertheimer, M. (1938). Laws of organization in perceptual forms. In W. D. Ellis (Hrsg.), A source book of Gestalt psychology (S. 71–88). London: Routledge und Kegan Paul.
  3. 3.Wagemans, J., Elder, J. H., Kubovy, M., Palmer, S. E., Peterson, M. A., Singh, M., und von der Heydt, R. (2012). A century of Gestalt psychology in visual perception: I. Perceptual grouping and figure–ground organization. Psychological Bulletin, 138(6), 1172–1217.
  4. 4.Wagemans, J., Feldman, J., Gepshtein, S., Kimchi, R., Pomerantz, J. R., van der Helm, P. A., und van Leeuwen, C. (2012). A century of Gestalt psychology in visual perception: II. Conceptual and theoretical foundations. Psychological Bulletin, 138(6), 1218–1252.
  5. 5.Dorsch – Lexikon der Psychologie (2021). Gestaltpsychologie. Hogrefe.
  6. 6.Stemberger, G. (1998). Zur Kritik einiger theoretischer Annahmen und Konstrukte in der Gestalt-Therapie. Gestalt Theory, 20(4).

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