Konvergentes Denken führt zu einer richtigen oder besten Antwort. Divergentes Denken sucht in viele Richtungen und bringt viele mögliche Antworten hervor. Die Frage „Wie viel ist 12 + 12?“ verlangt konvergentes Denken, denn nur eine Antwort ist richtig. Die Aufgabe „Nenne alle Verwendungen für einen Ziegelstein“ verlangt divergentes Denken, denn viele Antworten sind zulässig. Der Psychologe J. P. Guilford hat diese Unterscheidung 1956 beschrieben, in seinem Modell der Struktur des Intellekts.
Die meisten deutschen Seiten zu den beiden Begriffen geben Tipps für Brainstorming im Beruf. Dieser Artikel zeigt dir die Psychologie dahinter: Guilfords eigene Definitionen, die Tests für beide Denkarten und eine Regel, mit der du jedes Beispiel einordnest. Er erklärt auch, was die Forschung über Kreativität, Intelligenz und ADHS sagt. Zitate aus den englischen Originalarbeiten stehen hier in eigener Übersetzung.
- Konvergentes Denken: Die Aufgabe hat eine festgelegte richtige Antwort, und das Denken bewegt sich auf sie zu.
- Divergentes Denken: Die Aufgabe hat viele zulässige Antworten, und das Denken geht in verschiedene Richtungen.
- Guilford ordnete jeder Denkart ein Testformat zu: Multiple-Choice-Aufgaben für konvergente Fähigkeiten, offene Aufgaben für divergente Fähigkeiten.
- Ein Kreativitätstest kann ein konvergentes Format haben. Der Remote Associates Test fragt nach dem einen Wort, das drei andere Wörter verbindet.
- Ein Testwert im divergenten Denken misst kreatives Potenzial. Er misst nicht, was ein Mensch tatsächlich erschafft.
Der Unterschied in einer Tabelle
Die beiden Begriffe beschreiben zwei Richtungen des Denkens. Die Tabelle zeigt, wie sie sich in der Aufgabe, im Test und in der Auswertung unterscheiden.
| Konvergentes Denken | Divergentes Denken | |
|---|---|---|
| Was die Aufgabe verlangt | Die eine richtige oder beste Antwort | So viele passende Antworten wie möglich |
| Zahl der zulässigen Antworten | Eine | Viele |
| Richtung des Denkens | Auf eine einzige Antwort zu | In verschiedene Richtungen |
| Testformat bei Guilford | Multiple Choice, mit einer festgelegten Antwort | Eine offene Aufgabe, die du selbst ergänzt |
| Klassischer Test | Remote Associates Test (meist als konvergent eingeordnet) | Verwendungstest mit einem Ziegelstein oder anderen Gegenständen |
| Auswertung | Die Zahl der richtigen Antworten | Die Zahl der Antworten und ihre Originalität, in manchen Tests auch Flexibilität und Ausarbeitung |
| Beispiel | 12 + 12 ausrechnen | In acht Minuten alle Verwendungen für einen Ziegelstein nennen |
| Englische Bezeichnung | convergent thinking | divergent thinking |
Woher die Begriffe kommen
Guilfords Rede über Kreativität von 1950
Im September 1950 hielt J. P. Guilford seine Rede als Präsident der American Psychological Association. Sein Thema war Kreativität, und er begann mit einer Klage: Die Vernachlässigung dieses Themas durch die Psychologie sei „erschreckend“. Laut der veröffentlichten Rede hatte er das Register der Psychological Abstracts geprüft. Von etwa 121.000 Titeln aus 23 Jahren handelten nur 186 von Kreativität. Das sind weniger als zwei Zehntel eines Prozents.
Guilford sagte auch, dass das übliche Testformat kreative Fähigkeiten nicht zeigen kann. Nach seinen Worten gilt: Wer dem Kreativen das fertige Produkt gibt, wie in einer Multiple-Choice-Aufgabe, hindert ihn vielleicht daran, genau das zu zeigen, was man sehen will: seine eigene Schöpfung. Guilford schlug deshalb offene Aufgaben vor. In einem Beispiel schreibst du viele passende Titel für ein Bild. In einem anderen nennst du die Folgen der Aussage „Eine neue Erfindung macht das Essen für die Menschen unnötig“. Das Office of Naval Research der US-Marine finanzierte sein Forschungsprojekt über die Fähigkeiten von Fachkräften auf hohem Niveau.
Die Struktur des Intellekts von 1956
Sechs Jahre später veröffentlichte Guilford den Aufsatz „The structure of intellect“ im Psychological Bulletin. Darin ordnete er etwa 40 intellektuelle Fähigkeiten, die die Faktorenanalyse gefunden hatte. Sieben davon waren Gedächtnisfähigkeiten. Die anderen waren Denkfähigkeiten, in drei Gruppen: Kognition (Entdecken), Produktion (eine Antwort hervorbringen) und Bewertung (Beurteilen). Die Produktion teilte Guilford in zwei Teile:
Beim konvergenten Denken gibt es gewöhnlich eine Schlussfolgerung oder Antwort, die als einzige gilt, und das Denken wird in die Richtung dieser Antwort gelenkt. In Tests der Faktoren des konvergenten Denkens gibt es für jede Aufgabe eine festgelegte Antwort.
Divergentes Denken war das Gegenteil. Hier gibt es nach Guilford „viel Suchen oder ein Abschweifen in verschiedene Richtungen“. Das zeigt sich am deutlichsten, wenn es keine einzige richtige Schlussfolgerung gibt. Multiple-Choice-Tests eignen sich nach Guilford gut, um konvergente Fähigkeiten zu messen. Für divergente Fähigkeiten sind Ergänzungsaufgaben „fast eine Notwendigkeit“. Guilford hielt die Unterscheidung für neu: In der bisherigen Literatur über das Denken habe man sie anscheinend nicht betont.
Guilford sagte nicht, dass ein Mensch immer nur eine Denkart benutzt. Viele Probleme verlangen nach seinen Worten zuerst eine Suche in verschiedene Richtungen und dann eine Annäherung an die Lösung. Trotzdem seien die beiden Vorgänge „logisch und operational trennbar“, auch bei solchen Aufgaben.
Das Dorsch-Lexikon der Psychologie übernimmt diese Einordnung. Es beschreibt konvergentes Denken als die Untergruppe des „produktiven Denkens“ in Guilfords Klassifikation, bei der eine richtige Antwort oder eine konkrete Lösung gesucht wird. Divergentes Denken ist dort die Denkoperation, die sich durch die Vielfalt möglicher Lösungen von der Operation mit nur einer richtigen Lösung unterscheidet.
Wie man divergentes Denken misst
Ein Test für divergentes Denken gibt eine offene Aufgabe und zählt die Antworten. Das bekannteste Format fragt nach Verwendungen für einen Alltagsgegenstand.
In Guilfords Ziegelstein-Test nennst du in acht Minuten alle Verwendungen für einen gewöhnlichen Ziegelstein, die dir einfallen. Guilford beschrieb einen Wert für Flexibilität, der „Serien“ zählte. Eine Serie ist eine Folge von Verwendungen derselben Klasse, zum Beispiel Ziegel als Baumaterial oder Ziegel als Wurfgeschoss. Ein verwandter Test fragte nach mehreren ungewöhnlichen Verwendungen für jeden von mehreren Gegenständen. Der Wert war die Zahl der Antworten. Neuere Fassungen benutzen andere Gegenstände. Eine Studie der Universität Graz von 2013 fragte nach Verwendungen für eine Dose, ein Messer und einen Föhn.
Forschende werten meist die Zahl der Ideen (Flüssigkeit), ihre Originalität oder beides aus. Manche Tests benutzen vier Dimensionen. Laut einer Studie von 2022 in der Zeitschrift PLOS ONE hat der Psychologe E. P. Torrance diese vier Dimensionen zuerst festgelegt, auf der Grundlage der Elemente des divergenten Denkens, die Guilford beschrieben hatte.
| Wert | Was er misst | Wie er gezählt wird |
|---|---|---|
| Flüssigkeit | Wie viele Ideen du hervorbringst | Die Zahl der passenden Antworten |
| Flexibilität | Wie viele Arten von Ideen du hervorbringst | Die Zahl der Kategorien, zum Beispiel Baumaterial und Wurfgeschoss |
| Originalität | Wie ungewöhnlich deine Ideen sind | Antworten, die wenige andere Menschen geben, bekommen mehr Punkte |
| Ausarbeitung | Wie konkret deine Ideen sind | Antworten bekommen Punkte dafür, wie gut sie die Verwendung und ihre Funktion beschreiben |
Die vier Werte sind nicht ganz unabhängig voneinander. Die Grazer Forschenden schreiben, dass Flüssigkeit und Originalität meist korrelieren. Wenn ein Test die Originalitätspunkte aller Antworten addiert, bekommt eine Person mit mehr Antworten auch einen höheren Originalitätswert. Um das zu korrigieren, teilen Forschende die Originalität durch die Flüssigkeit oder werten eine feste Zahl von Ideen pro Person aus.
Wie man konvergentes Denken misst
Ein Test für konvergentes Denken hat für jede Aufgabe eine festgelegte Antwort. Eine normale Multiple-Choice-Frage passt zu dieser Beschreibung, eine Rechenaufgabe ebenfalls. Interessant ist ein Kreativitätstest mit konvergentem Format.
Der Remote Associates Test
1962 definierte Sarnoff Mednick kreatives Denken als die Verbindung von assoziativen Elementen zu neuen Kombinationen, die bestimmte Anforderungen erfüllen oder auf irgendeine Weise nützlich sind. Je weiter die verbundenen Elemente nach seiner Theorie voneinander entfernt sind, desto kreativer ist die Lösung. Um das zu messen, entwickelte Mednick den Remote Associates Test, kurz RAT. Auf Deutsch heißt das etwa „Test entfernter Assoziationen“.
Jede Aufgabe nennt drei Wörter, und du suchst ein viertes Wort, das alle drei verbindet. Mednicks eigenes Beispiel war „rat“, „blue“ und „cottage“. Die Antwort ist „cheese“, denn jedes der drei Wörter bildet mit „cheese“ ein bekanntes englisches Wortpaar: rat cheese, blue cheese und cottage cheese. Die Aufgabe funktioniert nur auf Englisch, denn die deutschen Übersetzungen bilden keine solchen Paare. Die beiden Fassungen für Studierende, die Mednick beschrieb, hatten je 30 Aufgaben und eine Zeitgrenze von 40 Minuten. Der Wert war die Zahl der richtigen Antworten.
Jede Aufgabe hat genau eine festgelegte Antwort, also hat der RAT ein konvergentes Format. In Mednicks erster Studie korrelierten die Kreativitätsurteile von Dozierenden über Architekturstudierende mit einer frühen Fassung des Tests zu 0,70. Die Stichprobe war klein: Die Analyse hatte 19 Freiheitsgrade.
Die Forschung ist sich bis heute nicht einig, was der RAT misst. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2020 über 172 Studien schreibt, dass der RAT „im Allgemeinen als Test für konvergentes Denken gilt“. Dieselbe Arbeit berichtet, dass die RAT-Werte mit Intelligenztests zusammenhängen. Einige Studien fanden auch eine positive Korrelation mit divergentem Denken. Das Fazit der Arbeit: Der RAT verlangt ein Zusammenspiel von divergentem, konvergentem und analytischem Denken.
Eine originelle Antwort ist nicht immer eine kreative Antwort
Mednick erklärte auch, warum eine kreative Antwort Anforderungen erfüllen muss. Auf die Frage „Wie viel ist 12 + 12?“ sei 7.363.474 „eine recht originelle Antwort“. Kreativ ist diese Antwort aber nicht, denn sie löst die Aufgabe nicht. Eine kreative Antwort muss neu sein, und sie muss auch funktionieren. Divergentes Denken bringt neue Antworten hervor. Etwas muss aber auch prüfen, welche davon die Anforderungen erfüllen.
So ordnest du ein Beispiel ein
Um ein Beispiel einzuordnen, stellst du eine Frage: Hat die Aufgabe eine festgelegte Antwort oder viele zulässige Antworten? Geh in vier Schritten vor.
- 1.Finde die Aufgabe, die die Person bearbeitet.
- 2.Entscheide, ob die Aufgabe eine richtige oder beste Antwort hat.
- 3.Wenn die Aufgabe eine Antwort hat und die Person auf sie hinarbeitet, ist das Denken konvergent.
- 4.Wenn die Aufgabe viele zulässige Antworten hat und die Person mehrere davon hervorbringt, ist das Denken divergent.
Alle Aufgaben in der folgenden Tabelle stammen aus den Arbeiten von Guilford und Mednick.
| Aufgabe | Zulässige Antworten | Denkart |
|---|---|---|
| Du nennst in acht Minuten so viele Verwendungen für einen Ziegelstein wie möglich | Viele | Divergent |
| Du wählst in einer Multiple-Choice-Frage die richtige Option | Eine | Konvergent |
| Du suchst das eine Wort, das „rat“, „blue“ und „cottage“ verbindet | Eine | Konvergent, mit entfernten Assoziationen |
| Du schreibst viele mögliche Titel für ein Bild | Viele | Divergent |
| Du nennst die Folgen, wenn eine Erfindung das Essen unnötig machen würde | Viele | Divergent |
| Du rechnest 12 + 12 aus | Eine | Konvergent |
Wo die Ratgeber-Definition abweicht
Ratgeber für den Beruf beschreiben divergentes Denken meist als Brainstorming. Konvergentes Denken ist dort der nächste Schritt: Ein Team beurteilt die Liste und behält die beste Idee. In Guilfords Modell gehört dieses Beurteilen aber zu einer eigenen Gruppe von Fähigkeiten, der Bewertung. Konvergentes Denken war bei ihm das Hervorbringen der einen Antwort, die eine Aufgabe verlangt.
Die beiden Bedeutungen überschneiden sich, aber sie sind nicht gleich. Für eine Klausur in Psychologie benutzt du die psychologische Definition: Konvergentes Denken führt zu einer richtigen oder besten Antwort.
Ist divergentes Denken dasselbe wie laterales Denken?
Nein, die beiden Begriffe haben verschiedene Ursprünge. Manche deutschen Seiten setzen sie trotzdem gleich. „Laterales Denken“ stammt von Edward de Bono. Laut seinem Verlag Penguin hat de Bono den Begriff 1967 erfunden. Im selben Jahr erschien sein Buch „The Use of Lateral Thinking“. Der Verlag beschreibt laterales Denken als eine Technik, die jeder lernen kann.
Divergentes Denken ist dagegen Guilfords Begriff von 1956 für eine Gruppe von Fähigkeiten, die Tests messen. Laterales Denken ist also eine Methode zum Finden neuer Ideen. Divergentes Denken ist eine Fähigkeit, die die Psychologie bei allen Menschen misst. Die Grazer Forschenden beschreiben kreatives Potenzial als ein normalverteiltes Merkmal.
Ist divergentes Denken dasselbe wie Kreativität?
Nein. Divergentes Denken ist ein Teil der Kreativität. Die Forschung trennt kreatives Potenzial von kreativer Leistung. Kreatives Potenzial ist die Fähigkeit, etwas Neues und Nützliches hervorzubringen. Kreative Leistung ist das, was ein Mensch im echten Leben tatsächlich erschafft, zum Beispiel eine wissenschaftliche Entdeckung oder einen Roman.
Tests für divergentes Denken sind das übliche Maß für kreatives Potenzial, wie die Grazer Studie erklärt. Ein hoher Wert in einem Verwendungstest zeigt deshalb nicht, dass ein Mensch etwas Bedeutendes erschaffen wird. Das Dorsch-Lexikon sagt im Eintrag Kreativität dasselbe aus historischer Sicht: Die frühe Forschung hat Kreativität „unzulässigerweise“ mit divergentem Denken gleichgesetzt.
Ein Zusammenhang besteht, aber er ist nicht einfach. In der Studie von 2022 mit 88 japanischen Studierenden hingen die Werte im divergenten Denken positiv mit kreativen Arbeiten in der bildenden Kunst und mit kreativer Leistung zusammen. Der Zusammenhang mit der Leistung war bei Studierenden stärker, die sich selbst für kreative Menschen hielten.
Divergentes Denken und Intelligenz
Die Schwellenhypothese sagt: Überdurchschnittliche Intelligenz ist eine notwendige Bedingung für hohe Kreativität. Unter einem bestimmten IQ begrenzt die Intelligenz die Kreativität. Über dieser Schwelle sollen Unterschiede im IQ keine Rolle mehr spielen. Viele Studien setzen die Schwelle bei einem IQ von 120 an.
Die Grazer Studie prüfte die Hypothese mit 297 Teilnehmenden. Sie benutzte ein statistisches Verfahren, das die Schwelle in den Daten sucht, die segmentierte Regression, statt einen festen Wert anzunehmen. Die Ergebnisse hingen vom Maß für Kreativität ab:
- Für die Zahl der Ideen (Flüssigkeit) lag die Schwelle bei einem IQ von etwa 85.
- Für ein mildes Maß der Originalität (zwei originelle Ideen) lag die Schwelle bei etwa 100.
- Für ein strenges Maß der Originalität (viele originelle Ideen) lag die Schwelle bei etwa 120.
- Für kreative Leistung gab es keine Schwelle. Die Leistung profitierte auch auf hohem Niveau von höherer Intelligenz.
Über der Schwelle sagten Persönlichkeitsfaktoren das kreative Potenzial besser vorher. Dieselbe Arbeit zitiert eine Metaanalyse, nach der die Korrelation zwischen kreativem Potenzial und Intelligenz im Allgemeinen bei etwa 0,20 liegt. Das Dorsch-Lexikon kommt zu einem ähnlichen Schluss: Die These, dass sich der Zusammenhang über 120 IQ-Punkten auflöst, „hat sich empirisch so nicht halten lassen“. Eine feste Grenze bei 120 gilt also nicht allgemein.
Die Begriffe auseinanderhalten
Konvergentes Denken, divergentes Denken, Algorithmen und Heuristiken beschreiben alle, wie Menschen an ein Problem herangehen. Darum verwechselt man sie leicht. Unser Artikel über die Verfügbarkeitsheuristik und die Repräsentativitätsheuristik erklärt zwei weitere Begriffe aus diesem Bereich. Unser Überblick über kognitive Verzerrungen erklärt den Framing-Effekt.
Psychology World ist eine Wörterbuch-App mit mehr als 18.000 psychologischen Fachbegriffen. Du kannst Begriffe wie diese in einer Liste speichern. Dann übst du die Liste als Karteikarten, als Multiple-Choice-Fragen, sobald sie mindestens vier Begriffe enthält, oder durch Eintippen der Antwort. Was die drei Lernmodi können, steht auf der Startseite. Unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe erklärt, welche Lernmethoden die beste Evidenz haben.
Häufige Fragen
Wer hat konvergentes und divergentes Denken erfunden?
J. P. Guilford, ein Psychologe an der University of Southern California. In seiner Rede vor der American Psychological Association nannte er 1950 die Kreativität ein vernachlässigtes Thema. In seinem Aufsatz „The structure of intellect“ von 1956 teilte er das Hervorbringen von Antworten in konvergentes und divergentes Denken.
Was sind die vier Merkmale des divergenten Denkens?
Flüssigkeit, Flexibilität, Originalität und Ausarbeitung. Es sind vier Dimensionen, nach denen ein Test deine Antworten auswerten kann, keine vier Arten des Denkens. Die Flüssigkeit zählt deine Ideen, die Flexibilität zählt ihre Kategorien, die Originalität belohnt seltene Ideen, und die Ausarbeitung belohnt konkrete Details. Torrance hat diese vier Dimensionen auf der Grundlage von Guilfords Arbeit zuerst festgelegt. Viele Studien benutzen nur die Flüssigkeit, nur die Originalität oder beide.
Was ist das Gegenteil von divergentem Denken?
Das Gegenteil ist konvergentes Denken. Guilford hat die beiden Begriffe als Paar eingeführt: Divergentes Denken sucht viele mögliche Antworten, konvergentes Denken führt zu der einen Antwort, die eine Aufgabe verlangt. Bei vielen Problemen arbeiten beide Denkarten zusammen. Zuerst suchst du in verschiedene Richtungen, dann näherst du dich der Lösung.
Denken Menschen mit ADHS divergenter?
Bei Menschen mit einer ADHS-Diagnose meist nicht, laut einer Übersichtsarbeit von 2020 über 31 Studien. Mehr divergentes Denken fanden die meisten Studien nur bei Menschen mit hohen ADHS-Werten unterhalb einer Diagnose. Für besseres konvergentes Denken bei ADHS fand die Arbeit keine Belege. Ein Kreativitätstest kann nicht zeigen, ob du ADHS hast. Das kann nur eine fachliche Untersuchung klären.
Denken Hochbegabte divergenter?
Nicht automatisch. Die Grazer Studie fand für das kreative Potenzial eine Schwelle in der Intelligenz, und die Höhe der Schwelle hing vom Maß ab. Für viele originelle Ideen lag sie bei etwa 120 IQ-Punkten. Über der Schwelle sagten Persönlichkeitsfaktoren das kreative Potenzial besser vorher. Ein hoher IQ ist also keine Garantie für viele originelle Ideen.
Ist konvergentes Denken schlecht für Kreativität?
Nein. Eine neue Idee ist nur dann kreativ, wenn sie auch funktioniert, wie Mednicks Beispiel mit 7.363.474 zeigt. Der Remote Associates Test, ein Kreativitätstest von 1962, hat für jede Aufgabe eine festgelegte Antwort. Die Übersichtsarbeit von 2020 fand 172 Studien zur Kreativität aus den Jahren 2000 bis 2019, die diesen Test benutzten.
Quellen
- 1.Guilford, J. P. (1950). Creativity. American Psychologist, 5(9), 444–454.
- 2.Guilford, J. P. (1956). The structure of intellect. Psychological Bulletin, 53(4), 267–293.
- 3.Mednick, S. A. (1962). The associative basis of the creative process. Psychological Review, 69(3), 220–232.
- 4.Jauk, E., Benedek, M., Dunst, B., & Neubauer, A. C. (2013). The relationship between intelligence and creativity: New support for the threshold hypothesis by means of empirical breakpoint detection. Intelligence, 41(4), 212–221.
- 5.Ishiguro, C., Sato, Y., Takahashi, A., Abe, Y., Kato, E., & Takagishi, H. (2022). Relationships among creativity indices: Creative potential, production, achievement, and beliefs about own creative personality. PLOS ONE, 17(9), e0273303.
- 6.Wu, C.-L., Huang, S.-Y., Chen, P.-Z., & Chen, H.-C. (2020). A systematic review of creativity-related studies applying the Remote Associates Test from 2000 to 2019. Frontiers in Psychology, 11, 573432.
- 7.Hoogman, M., Stolte, M., Baas, M., & Kroesbergen, E. (2020). Creativity and ADHD: A review of behavioral studies, the effect of psychostimulants and neural underpinnings. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 119, 66–85.
- 8.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Konvergentes Denken.
- 9.Dorsch – Lexikon der Psychologie. Divergentes Denken.
- 10.Groeben, N. (2021). Kreativität. In Dorsch – Lexikon der Psychologie.
- 11.Penguin Books. Lateral Thinking by Edward de Bono.