Intrinsische Motivation bedeutet, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen auszuführen — wegen des Interesses, der Freude oder der Befriedigung, die in der Tätigkeit selbst liegt. Extrinsische Motivation bedeutet, dieselbe Tätigkeit wegen einer Folge auszuführen, die sich von ihr trennen lässt: Geld, eine Note, Anerkennung oder das Vermeiden einer Strafe. So fassen es Richard Ryan und Edward Deci in ihrer Übersichtsarbeit von 2000 zusammen. Der bekannte Kurzschluss daraus — intrinsisch sei gut, extrinsisch schlecht — hält der Forschung nicht stand. Belohnungen können Interesse untergraben, aber nur unter bestimmten Bedingungen, und die Selbstbestimmungstheorie ordnet extrinsische Motivation nicht als einen Block ein, sondern als Kontinuum von der Fremdsteuerung bis zu einer Form, die der intrinsischen fast gleichkommt.
- Intrinsisch bedeutet: die Tätigkeit selbst ist der Grund. Extrinsisch bedeutet: ein davon trennbares Ergebnis ist der Grund.
- Erwartete materielle Belohnungen, die an die Aufgabe gebunden sind, können intrinsisches Interesse untergraben — der Korrumpierungseffekt. Erstmals gezeigt haben das Deci 1971 und Lepper, Greene und Nisbett 1973.
- Unerwartete Belohnungen und verbale Rückmeldung schaden in der Regel nicht; gute Rückmeldung kann das Interesse sogar stützen.
- Die Selbstbestimmungstheorie unterscheidet vier Formen extrinsischer Regulation: externale, introjizierte, identifizierte und integrierte. Die integrierte ist fast so autonom wie intrinsische Motivation, bleibt aber extrinsisch.
- Ob ein Anreiz hilft oder schadet, hängt von seiner Form, seinem Zeitpunkt und davon ab, wie interessant die Tätigkeit ohnehin ist.
Der Unterschied in einem Satz
Die entscheidende Frage ist nicht, wie stark jemand motiviert ist, sondern warum. Bei intrinsischer Motivation ist der Grund die Tätigkeit selbst; bei extrinsischer Motivation ist es ein Ergebnis, das auch ausbleiben könnte, ohne dass sich die Tätigkeit ändert.
| Merkmal | Intrinsische Motivation | Extrinsische Motivation |
|---|---|---|
| Grund für die Handlung | die Tätigkeit selbst | ein davon trennbares Ergebnis |
| Beispiel | ein Puzzle lösen, weil es Spaß macht | dasselbe Puzzle lösen, weil es Geld dafür gibt |
| Anreiz von außen | nicht nötig | Belohnung oder Strafe |
| Wenn der Anreiz wegfällt | das Interesse bleibt | das Interesse kann sinken oder verschwinden |
| Typischer Fall | Hobby, Lernen aus Neugier | Bonus, Note, Strafe, Anerkennung |
Dabei bedeutet extrinsisch nicht einfach von außen. Auch Druck von innen ist extrinsisch, wenn der Grund nicht in der Tätigkeit liegt: Schuldgefühle, Scham oder der Wunsch, das eigene Selbstbild zu schützen. Ein Gegensatz aus zwei Kästen reicht deshalb nicht aus.
Definition und Beispiele
Intrinsisch motiviert ist, wer eine Tätigkeit ausführt, weil sie interessant oder erfreulich ist. Jemand lernt ein Thema aus Neugier, übt ein Instrument, weil das Üben selbst Freude macht, oder löst ein Rätsel, weil es Freude macht, es zu knacken. Der Lohn ist die Tätigkeit. Genau so bestimmen es Ryan und Deci in ihrer Übersichtsarbeit von 2000: Intrinsische Motivation heißt, etwas zu tun, weil es inhärent interessant oder erfreulich ist.
Extrinsisch motiviert ist, wer dieselbe Tätigkeit ausführt, weil sie zu etwas führt: die Prüfung bestehen, den Bonus erhalten, eine Strafe vermeiden, Anerkennung bekommen. Der Lohn liegt außerhalb der Tätigkeit — es ist ein Ergebnis, das sich von der Handlung trennen lässt.
Für dieselbe Tätigkeit können beide Gründe zugleich gelten. Wer ein Fach aus Neugier studiert, will trotzdem eine gute Note. Die beiden Formen schließen sich also nicht aus, und die Frage, welche überwiegt, ist für jede Person und jede Situation neu zu beantworten. Genau hier setzt die Selbstbestimmungstheorie an, die weiter unten das Bild von zwei getrennten Kästen ersetzt.
Der Korrumpierungseffekt: wenn die Belohnung das Interesse verdrängt
Der klassische Befund ist, dass eine Belohnung das Interesse an einer Tätigkeit senken kann, die vorher aus Freude ausgeübt wurde. In der Forschung heißt das Overjustification-Effekt, im Deutschen meist Korrumpierungseffekt.
Edward Deci ließ 1971 Studierende dreidimensionale Puzzles lösen. Eine Gruppe erhielt einen Dollar für jedes richtig gelöste Puzzle. Danach verließ der Versuchsleiter den Raum, es gab kein Geld mehr, und gemessen wurde, wie lange die Studierenden von sich aus weiterarbeiteten. Die unbezahlten arbeiteten weiter; die bezahlten hörten auf. Sobald das Geld wegfiel, hatten die Puzzles für sie ihren Anreiz verloren. Die Studie ist als Deci (1971) erschienen.
Derselbe Effekt zeigte sich bei Kindern, und dort wird besonders klar, worauf es ankommt. Lepper, Greene und Nisbett wählten 1973 Kinder aus, die bereits gern mit Filzstiften zeichneten. Die Kinder malten unter drei Bedingungen: Eine Gruppe bekam vorher eine Belohnung in Aussicht gestellt, eine zweite erhielt sie nachher unangekündigt, eine dritte bekam nur eine verbale Rückmeldung. Ein bis zwei Wochen später durften die Kinder wieder frei spielen, die Stifte lagen bereit, und keine Belohnung war mehr zu bekommen.
Nur die Gruppe mit der angekündigten Belohnung hatte sich verändert: Sie zeichnete danach etwa halb so lang wie die beiden anderen Gruppen, und ihre Zeichnungen wurden schlechter bewertet. Entscheidend war also die Erwartung der Belohnung, nicht ihr Erhalt. Die Studie ist als Lepper, Greene und Nisbett (1973) erschienen.
Die Erklärung ist die Umdeutung: Wer für etwas bezahlt wird, das er ohnehin gern tut, führt sein Handeln nicht mehr auf das Interesse zurück, sondern auf die Belohnung. Was Spiel war, wird zur Arbeit für eine Belohnung.
Nicht jede Rückmeldung wirkt so. Deci prüfte 1971 auch verbale Rückmeldung — die Studierenden hörten, ihre Lösungszeit sei deutlich besser als der Durchschnitt — und diese Rückmeldung erhöhte das spätere Interesse. Eine Meta-Analyse über 128 Laborexperimente kam zu demselben Bild: Über alle Belohnungsarten hinweg zusammengefasst wirkt der Effekt klein, aber getrennt betrachtet untergraben erwartete materielle Belohnungen, die an die Aufgabenleistung gebunden sind, das freie Interesse verlässlich, während verbale Belohnungen es erhöhen. Die Arbeit ist als Deci, Koestner und Ryan (1999) erschienen.
Wann Belohnungen helfen und wann sie schaden
Ob eine Belohnung das Interesse senkt, hängt an vier Unterscheidungen.
Erstens der Zeitpunkt: Eine angekündigte Belohnung senkt das spätere Interesse eher, eine unerwartete Belohnung nach Abschluss lässt es meist intakt. Zweitens die Materialität: Materielle Anreize wie Geld oder Sterne schaden eher als immaterielle. Drittens die Bedeutung der Rückmeldung: Wirkt sie kontrollierend, setzt sie die Autonomie unter Druck und senkt das Interesse; wirkt sie informierend, stützt sie das Gefühl von Kompetenz und kann das Interesse sogar erhöhen. Viertens das Ausgangsinteresse: Wo wenig Interesse vorhanden ist, kann eine Belohnung den Einstieg erleichtern, weil sie kaum etwas zu verdrängen hat.
Beim vierten Punkt ist Vorsicht angebracht, denn hier streiten sich die Meta-Analysen. Eine Zusammenfassung von 1994 kam zum gegenteiligen Schluss, dass Belohnungen der intrinsischen Motivation insgesamt wenig schaden; der Einwand dagegen lautet, dass genau das Zusammenfassen aller Belohnungsarten den Effekt verdeckt. Eine neuere Übersichtsarbeit von 2022 hält fest, dass die Untergrabung am ehesten dann auftritt, wenn die Belohnung an die Aufgabenleistung gebunden ist, und dass die Größe des Effekts außerhalb des Labors weiter umstritten ist. Die meisten Belege stammen aus kurzen Laborexperimenten; ihre Übertragbarkeit auf Gehälter und Stipendien ist deshalb nicht gesichert.
Ein verwandter, aber anderer Begriff ist die erlernte Hilflosigkeit: Sie beschreibt, was entsteht, wenn Ergebnisse wiederholt nicht am eigenen Verhalten hängen. Der Korrumpierungseffekt und die erlernte Hilflosigkeit sind nicht dasselbe — hier geht es um Belohnung, dort um Kontrolle —, aber beide drehen sich um die Frage, ob eine Folge an das eigene Verhalten gekoppelt ist.
Das Kontinuum: vier Formen extrinsischer Motivation
Der wichtigste Grund, warum extrinsisch nicht schlecht bedeutet, ist ein Modell. Ryan und Deci ordnen Motivation 2000 nicht in zwei Kästen, sondern auf ein Kontinuum. An einem Ende steht die Amotivation, an der Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit unbefriedigt bleiben; am anderen Ende steht die intrinsische Motivation, bei der alle drei erfüllt sind. Dazwischen liegen vier Formen extrinsischer Regulation.
| Form | Was sie antreibt | Beispiel |
|---|---|---|
| Externale Regulation | Belohnung oder Bestrafung | lernen für die Note |
| Introjizierte Regulation | innerer Druck wie Schuld, Scham oder Selbstwert | lernen, um sich nicht schlecht zu fühlen |
| Identifizierte Regulation | die Person hält das Ziel für wichtig | ein Fach lernen, weil es für den Beruf zählt |
| Integrierte Regulation | das Ziel ist ins Selbst aufgenommen | lernen, weil es zu den eigenen Werten passt |
Der Unterschied zwischen den vier Formen ist der Grad an Autonomie. Externale Regulation ist reine Fremdsteuerung: Die Handlung endet, wenn der Anreiz endet. Introjizierte Regulation kommt von innen, ist aber Druck und nicht Wahl. Identifizierte Regulation heißt, das Ziel bewusst zu bejahen. Integrierte Regulation heißt, es in die eigenen Werte aufgenommen zu haben.
Die integrierte Regulation ist der intrinsischen Motivation am nächsten und bleibt doch extrinsisch, weil sie auf ein Ergebnis zielt statt auf die Tätigkeit selbst. Genau hier liegt der Fehler in der Kurzfassung: Wer nur zwei Kategorien sieht, verwechselt eine Note, für die jemand aus innerer Überzeugung lernt, mit einer Note, für die jemand aus Angst lernt.
Die vier Regulationsarten sind ein Prüfungsklassiker. Wie du sie dauerhaft behältst, steht in unserem Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe.
Was das für Schule und Arbeitsplatz bedeutet
Aus dem Modell folgen Empfehlungen — nicht experimentell bewiesene Regeln, sondern Ableitungen aus der Theorie. Wo Autonomie, Kompetenz und Eingebundenheit gestützt werden, hält intrinsische Motivation besser. Im Unterricht heißt das: Bewertung nicht überbetonen, Wahlmöglichkeiten lassen, Aufgaben stellen, die fordernd und doch machbar sind, und den Sinn der Aufgabe erklären. Für das Arbeitsleben gilt Ähnliches: Bedeutung der Arbeit, Zugehörigkeit und Handlungsspielraum stützen die Motivation, reiner Leistungsdruck eher nicht. Diese Empfehlungen stammen aus der Anwendung der Selbstbestimmungstheorie auf die Schule, wie sie Niemiec und Ryan (2009) beschreiben.
Was daraus nicht folgt, ist ein Verbot von Belohnungen. Für Tätigkeiten, die kaum jemand gern tut, kann eine Belohnung der sinnvolle Einstieg sein. Für Tätigkeiten, die jemand bereits gern tut, ist die informierende Rückmeldung das bessere Mittel.
Was der Korrumpierungseffekt nicht bedeutet
Drei Missverständnisse sind verbreitet. Erstens: extrinsische Motivation sei immer schlecht. Das Modell zeigt das Gegenteil, denn die identifizierte und die integrierte Regulation können tragfähige, dauerhafte Motivation erzeugen. Zweitens: Belohnungen senkten immer die Leistung. Interesse und Leistung sind verschiedene Ergebnisse, und der Effekt ist an Bedingungen geknüpft. Drittens: jede Belohnung zerstöre das Interesse. Betroffen sind vor allem erwartete, materielle und an die Aufgabe gebundene Belohnungen, nicht jede Form von Anerkennung.
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Häufige Fragen
Ist extrinsische Motivation schlecht?
Nein. Extrinsische Motivation ist der Grund, aus dem die meisten Dinge erledigt werden, die niemand gern tut. Sie ist nur nicht gleichwertig: Externale Regulation ist fremdgesteuert und endet mit dem Anreiz, identifizierte und integrierte Regulation können dagegen dauerhaft tragen. Schlecht ist nicht die extrinsische Motivation als solche, sondern das Verdrängen von Interesse, das entstehen kann, wenn eine erwartete Belohnung eine bereits beliebte Tätigkeit überlagert.
Was ist der Korrumpierungseffekt?
Der Korrumpierungseffekt, englisch Overjustification-Effekt, beschreibt, dass eine Belohnung das Interesse an einer Tätigkeit senken kann, die vorher aus Freude ausgeübt wurde. Deci zeigte das 1971 an bezahlten Puzzlespielern, Lepper, Greene und Nisbett 1973 an Kindern, die gern zeichneten. Entscheidend ist die Erwartung der Belohnung: Angekündigte materielle Belohnungen schaden eher, unerwartete Belohnungen und verbale Rückmeldung meist nicht.
Wie hängt das mit der Selbstbestimmungstheorie zusammen?
Die Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci ordnet Motivation auf ein Kontinuum von der Amotivation bis zur intrinsischen Motivation und unterscheidet vier Formen extrinsischer Regulation: externale, introjizierte, identifizierte und integrierte. Damit erklärt sie, warum extrinsische Motivation nicht gleich extrinsische Motivation ist und warum eine Belohnung das Interesse nur unter bestimmten Bedingungen untergräbt.
Ist intrinsische Motivation immer besser?
Für Interesse und Wohlbefinden ja, für jede Aufgabe nicht. Wo kein Interesse vorhanden ist und eine Aufgabe erledigt werden muss, kann eine Belohnung den Anfang machen. Der Unterschied liegt dann im Grad der Autonomie: Die integrierte Regulation ist der intrinsischen Motivation am nächsten, die externale am weitesten von ihr entfernt.
Was hilft, wenn eine Belohnung das Interesse zerstört hat?
Die Theorie legt nahe, das Interesse über Autonomie, Kompetenz und Eingebundenheit wieder aufzubauen: selbst wählen dürfen, machbare Herausforderungen und Rückmeldung, die informiert statt kontrolliert. Das ist eine Ableitung aus der Theorie und kein erprobtes Programm.
Quellen
- 1.Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Intrinsic and extrinsic motivations: Classic definitions and new directions. Contemporary Educational Psychology, 25(1), 54–67.
- 2.Deci, E. L. (1971). Effects of externally mediated rewards on intrinsic motivation. Journal of Personality and Social Psychology, 18(1), 105–115.
- 3.Lepper, M. R., Greene, D., & Nisbett, R. E. (1973). Undermining children's intrinsic interest with extrinsic reward: A test of the "overjustification" hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology, 28(1), 129–137.
- 4.Deci, E. L., Koestner, R., & Ryan, R. M. (1999). A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation. Psychological Bulletin, 125(6), 627–668.
- 5.Morris, L. S., Grehl, M. M., Rutter, S. B., Mehta, M., & Westwater, M. L. (2022). On what motivates us: A detailed review of intrinsic v. extrinsic motivation. Psychological Medicine, 52(10), 1801–1816.
- 6.Niemiec, C. P., & Ryan, R. M. (2009). Autonomy, competence, and relatedness in the classroom: Applying self-determination theory to educational practice. Theory and Research in Education, 7(2), 133–144.