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Assimilation und Akkommodation: was Piaget wirklich meinte, und warum es nie nur eines von beiden gibt

Assimilation ordnet Neues in ein vorhandenes Schema ein, Akkommodation passt das Schema an. Piagets Definitionen, Beispiele und warum beide zusammengehören.

Entwicklung12 Min. Lesezeit
Von Psychology World

Assimilation und Akkommodation sind bei Jean Piaget die zwei Seiten der Anpassung an die Umwelt. Bei der Assimilation ordnest du etwas Neues in ein Schema ein, das du schon hast. Das Schema muss dafür nicht umgebaut werden. Bei der Akkommodation verändert sich das Schema, damit es zu den Besonderheiten des Neuen passt. Das Gleichgewicht zwischen beiden nannte Piaget Adaptation. Den Prozess, der dieses Gleichgewicht herstellt, nannte er Äquilibration. Piaget beschrieb das Begriffspaar 1936 in seinem Buch „La naissance de l’intelligence chez l’enfant“.

In vielen Lernskripten klingen die beiden Begriffe wie zwei Schritte nacheinander: zuerst Assimilation, und wenn sie scheitert, Akkommodation. Piaget selbst sah es anders. Für ihn stecken beide in jeder Handlung. Dieser Artikel zeigt die Definitionen in Piagets eigenen Worten und eine Frage, mit der du Klausurbeispiele einordnest. Er zeigt auch die Beobachtungen an Piagets Sohn, mit denen Piaget die Begriffe 1936 veranschaulichte.

  • Assimilation heißt: Das Neue wird so gedeutet, dass es in ein vorhandenes Schema passt.
  • Akkommodation heißt: Das Schema verändert sich, damit es zum Neuen passt.
  • Piaget baute beide Begriffe auf einem Modell aus der Biologie auf. Er verstand Intelligenz als Sonderfall der biologischen Anpassung.
  • Nach Piaget gibt es keine reine Assimilation. Jede Assimilation enthält etwas Akkommodation, und umgekehrt.
  • Überwiegt die Assimilation, entsteht Spiel. Überwiegt die Akkommodation, entsteht Nachahmung. Das beschrieb Piaget 1945.

Der Unterschied in einer Tabelle

Assimilation und Akkommodation nach Piaget im Vergleich.
AssimilationAkkommodation
Was passiertNeues wird in ein vorhandenes Schema eingeordnetDas Schema verändert sich nach den Besonderheiten des Neuen
Was sich ändertDie Deutung der SacheDas Schema selbst
RichtungDie Welt wird an das Schema angepasstDas Schema wird an die Welt angepasst
Beispiel aus Piagets BeobachtungenEin Neugeborenes saugt an Fingern, Kissen und Decke wie an der BrustDas Kind lässt die Decke nach kurzer Zeit los und sucht weiter nach der Brust
Was entsteht, wenn sie überwiegtSpielNachahmung

Die zwei Spalten beschreiben keine zwei getrennten Ereignisse. Sie beschreiben zwei Seiten desselben Vorgangs. Piaget nannte sie 1937 „die beiden Pole einer Wechselwirkung zwischen dem Organismus und der Umwelt“. Diese Wechselwirkung ist nach Piaget die Bedingung für jedes biologische und geistige Funktionieren. Alle französischen und englischen Zitate in diesem Artikel haben wir selbst übersetzt.

Die eine Frage, die jedes Beispiel einordnet

In der Klausur bekommst du meist eine Situation und sollst sagen, welcher Prozess vorliegt. Stell dazu eine Frage: Musste sich das Schema verändern, damit das Neue hineinpasst? Wenn nein, überwiegt die Assimilation. Wenn ja, überwiegt die Akkommodation.

Das Wort „überwiegt“ ist wichtig. Nach Piaget enthält jedes Beispiel beide Prozesse. Die Frage zeigt dir nur, welche Seite in der Situation sichtbar wird. Die folgenden Beispiele sind Lehrbeispiele, keine Studien. Nur die Beispiele mit Laurent stammen aus Piagets Beobachtungen.

Klausurbeispiele: welcher Prozess überwiegt.
SituationMusste sich das Schema ändern?Was überwiegt
Ein Kleinkind kennt Hunde und ruft beim ersten Pferd „Wauwau“Nein, das Pferd wird als Hund gedeutetAssimilation
Das Kind hört „Das ist ein Pferd“ und unterscheidet ab jetzt Hund und PferdJa, aus einem Schema werden zweiAkkommodation
Laurent saugt mit neun Tagen an einer WolldeckeNein, die Decke wird wie die Brust behandeltAssimilation
Laurent lässt die Decke nach einem Moment los und weint wiederJa, das Saugen richtet sich jetzt nach der BrustAkkommodation
Du bedienst ein neues Handy mit den Gesten deines alten HandysNein, das neue Gerät wird wie das alte behandeltAssimilation
Eine Geste funktioniert nicht, und du lernst eine neueJa, das Bedienschema wird erweitertAkkommodation
Du hörst den Fachbegriff „Akkommodation“ und denkst an „Anpassung“Nein, das Wort wird einem bekannten Begriff zugeordnetAssimilation
Du lernst, dass das Wort beim Auge etwas anderes bedeutet als bei PiagetJa, dein Begriff wird in zwei Bedeutungen geteiltAkkommodation

Beachte bei Klausurfragen ein häufiges Missverständnis: Akkommodation heißt nicht nur, dass ein neues Schema entsteht. Nach dem Dorsch-Lexikon der Psychologie kann Akkommodation auch ein vorhandenes Schema differenzieren oder mehrere Schemata miteinander verbinden.

Woher die Begriffe kommen: Piagets Biologie

Piaget dachte in biologischen Begriffen. Die Einleitung seines Buchs von 1936 heißt „Das biologische Problem der Intelligenz“. Das Dorsch-Lexikon hält fest, dass er den Begriff Assimilation aus der Biologie übernommen hat. Dort bedeutet Assimilation, dass ein Organismus Stoffe aufnimmt und in eigene Bestandteile umwandelt.

In dieser Einleitung baut Piaget die Begriffe auf dem biologischen Bild auf. Intelligenz ist für ihn eine Adaptation, also ein Sonderfall der biologischen Anpassung. Ein Organismus nimmt Elemente der Umwelt in seinen Kreislauf auf und erhält dabei seine eigene Organisation. Diese Beziehung nennt Piaget Assimilation. Wenn sich die Umwelt ändert, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Kreislauf bricht ab, oder er verändert sich und bleibt dabei geschlossen. Piaget schreibt: „Wenn wir dieses Ergebnis des Drucks, den die Umwelt ausübt, Akkommodation nennen, können wir sagen: Die Adaptation ist ein Gleichgewicht zwischen der Assimilation und der Akkommodation.“

Dasselbe gilt nach Piaget für die Intelligenz. Sie assimiliert, wenn sie alle Erfahrungen in ihre eigenen Rahmen einordnet. Sie akkommodiert, wenn sie diese Rahmen an die Erfahrung anpasst. Neben der Adaptation nennt Piaget eine zweite Grundfunktion: die Organisation, also den inneren Zusammenhang der Schemata. Beide Funktionen bleiben in jedem Alter gleich. Was sich in der Entwicklung verändert, sind die Strukturen.

Was Piaget an seinem Sohn Laurent beobachtete

Seine Belege für die beiden Prozesse holte Piaget nicht aus dem Labor. Er beobachtete seine eigenen Kinder, unter ihnen seinen Sohn Laurent und seine Tochter Lucienne. Das erste Kapitel des Buchs von 1936 beschreibt den Saugreflex in den ersten Lebenswochen. Piaget notierte das Alter als Jahre, Monate und Tage: 0;0(9) bedeutet neun Tage.

  • Lucienne saugte eine Viertelstunde nach der Geburt an ihrer Hand, Laurent nach einer halben Stunde.
  • Am Tag nach der Geburt fasste Laurent die Brustwarze mit den Lippen, ohne dass jemand sie ihm in den Mund halten musste.
  • Mit 0;0(9) suchte Laurent nach der Brust. Er saugte an einer Daunendecke und dann an einer Wolldecke. Beide ließ er nach einem Moment los und begann wieder zu weinen.
  • Piaget hielt dem hungrigen Laurent seinen gekrümmten Zeigefinger hin. Laurent saugte daran, ließ den Finger nach wenigen Sekunden los und weinte. Beim zweiten Versuch geschah dasselbe. Beim dritten Versuch saugte er lange.

An diesen Szenen unterscheidet Piaget drei Formen der Assimilation. Die reproduzierende Assimilation ist die Wiederholung: Der Reflex festigt sich, weil er ausgeübt wird. Die generalisierende Assimilation nimmt immer mehr Gegenstände in das Saugschema auf. In den ersten zwei Wochen saugt das Kind an den eigenen Fingern, an fremden Fingern, am Kissen und an der Decke. Die rekognitive Assimilation ist ein erstes Wiedererkennen: Ein sehr hungriges Kind unterscheidet die Brustwarze von allem anderen. Das Dorsch-Lexikon nennt noch eine vierte Form, die reziproke Assimilation, bei der sich Schemata gegenseitig assimilieren.

Auch die Akkommodation zeigt sich schon im Reflex. Piaget hält es für wahrscheinlich: Ohne die Erfahrung mit Brust und Milch hätte Laurent die Decke und den fremden Finger nicht so schnell abgelehnt. Das Saugen richtet sich also nach der Erfahrung. Das Schema wächst danach weiter. Am Ende des zweiten Monats saugt das Kind nach Piaget gezielt am Daumen. Mit etwa fünf Monaten führt es alle Gegenstände zum Mund.

Warum es nie nur Assimilation gibt

Viele Erklärseiten beschreiben eine Reihenfolge: Das Kind assimiliert, solange es geht, und erst wenn das scheitert, beginnt die Akkommodation. Piaget beschrieb es anders. Schon 1936 steht in seiner Einleitung: „Die Assimilation kann niemals rein sein, denn indem die Intelligenz neue Elemente in die früheren Schemata einfügt, verändert sie diese ständig, um sie an die neuen Gegebenheiten anzupassen.“ Und umgekehrt: Dinge werden nie „an sich“ erkannt, denn Akkommodation ist nur durch Assimilation möglich.

Piaget wiederholte diesen Gedanken 1975 als Grundannahme seines Buchs über die Äquilibration. Das zweite Postulat lautet: „Jedes Assimilationsschema muss sich an die Elemente akkommodieren, die es assimiliert“. Das Schema verändert sich also nach den Besonderheiten des Neuen. Es verliert dabei aber nicht seine Kontinuität und nicht seine früheren Fähigkeiten zur Assimilation.

Ganz falsch ist die Lernskript-Regel trotzdem nicht. Piaget schrieb 1937 auch: Die Assimilation verlangt eine fortlaufende Akkommodation der Schemata, aber sie widersetzt sich jeder neuen Akkommodation. Ein Schema hält also an seiner Form fest, solange das Neue ungefähr passt. Das Dorsch-Lexikon beschreibt Akkommodation entsprechend als Prozess, der dann eintritt, wenn die Unterschiede zu groß werden oder die Assimilation scheitert. Die Regel beschreibt also den sichtbaren Fall: die große, neue Akkommodation. Die kleine Akkommodation in jeder Handlung bleibt dabei unsichtbar.

Für die Klausur heißt das: Schreib nicht, dass Assimilation und Akkommodation getrennte Phasen sind. Schreib, dass beide immer zusammenwirken und dass in einer Situation die eine oder die andere Seite überwiegt.

Äquilibration: der Ausgleich zwischen beiden

Äquilibration ist bei Piaget der Prozess, der Assimilation und Akkommodation ins Gleichgewicht bringt. Piaget beschreibt ihn 1964 in den „Six études de psychologie“. Neue Ereignisse in der Welt oder im Körper bringen das Handeln aus dem Gleichgewicht. Hunger löst die Suche nach Nahrung aus, ein unbekannter Gegenstand löst eine Frage aus. Jedes neue Verhalten stellt nach Piaget nicht nur das Gleichgewicht wieder her. Es strebt auch zu einem stabileren Gleichgewicht als vor der Störung.

1975 widmete Piaget der Äquilibration ein ganzes Buch. Im Vorwort spricht er von „majorierenden“ Äquilibrationen, also von Ausgleichen, die frühere Gleichgewichte korrigieren und ergänzen. Der Fortschritt kommt nach Piaget nicht aus der Rückkehr zum alten Zustand. Er kommt aus einem verbesserten neuen Zustand. Das Ungleichgewicht hat nur die Rolle eines Auslösers.

Verwechsle Äquilibration nicht mit Organisation. Einige Erklärseiten setzen beide gleich. Bei Piaget ist Organisation der innere Zusammenhang der Schemata, und Äquilibration ist der Prozess des Ausgleichs.

Wenn eine Seite überwiegt: Spiel und Nachahmung

In seinem Buch „La formation du symbole chez l’enfant“ von 1945 verwendet Piaget das Begriffspaar, um zwei weitere Verhaltensweisen zu erklären. In der Einleitung schreibt er: Das Überwiegen der Akkommodation kennzeichnet die Nachahmung, das Überwiegen der Assimilation erklärt das Spiel. Im Teil über das Spiel heißt es: „Das Spiel ist im Wesentlichen Assimilation, oder Assimilation, die über die Akkommodation dominiert.“

Was nach Piaget (1945) entsteht, je nachdem, welche Seite überwiegt.
Was überwiegtWas entstehtBeispiel
AssimilationSpielEin Kind behandelt einen Bauklotz als Auto
AkkommodationNachahmungEin Kind macht die Handbewegung eines Erwachsenen genau nach
Gleichgewichtangepasste Intelligenz, ErkenntnisEin Kind erkennt einen fremden Becher als Becher und passt dabei seinen Griff an die neue Form an

Die Beispiele in der Tabelle sind Lehrbeispiele. Piaget selbst nennt ein frühes Beispiel: Ein Säugling saugt am Daumen statt an der Brust. Hier wird der Daumen an die Stelle der Brust gesetzt, und die Assimilation überwiegt. Piaget sagt aber ausdrücklich, dass nicht jedes Daumenlutschen ein solcher Ersatz ist. Am Ende des Buchs fasst er zusammen: Solange ein Ungleichgewicht besteht, überwiegt eine der beiden Seiten. Überwiegt die Akkommodation, entsteht Nachahmung. Überwiegt die Assimilation, entsteht symbolisches Spiel. Streben beide zum Gleichgewicht, entsteht kognitive Repräsentation.

Gleiche Wörter, andere Theorie: Brandtstädters Bewältigungsmodell

Wenn du „assimilativ“ und „akkommodativ“ in einem Text über Stress, Alter oder Lebenskrisen liest, kann ein anderes Modell gemeint sein. Jochen Brandtstädter und Gerolf Renner verwenden die Wörter für zwei Arten, mit Krisen umzugehen. In ihrer Studie von 1990 beschreiben sie zwei Formen der Bewältigung, die sich ergänzen:

  • Assimilativ: Du veränderst deine Lage so, dass sie zu deinen Zielen passt. Die Skala dazu heißt auf Englisch „Tenacious Goal Pursuit“, auf Deutsch etwa „hartnäckige Zielverfolgung“.
  • Akkommodativ: Du passt deine Ziele an das an, was die Lage zulässt. Die Skala dazu heißt „Flexible Goal Adjustment“, auf Deutsch etwa „flexible Zielanpassung“.

Beide Skalen hingen in der Studie mit höherer Lebenszufriedenheit und weniger Depressivität zusammen. In der Querschnittsstichprobe mit 890 Personen zwischen 34 und 63 Jahren verschob sich die Bewältigung mit dem Alter allmählich von assimilativ zu akkommodativ. Die Logik erinnert an Piaget: Einmal passt sich die Welt an die Person an, einmal die Person an die Welt. Es ist trotzdem eine eigene Theorie. In einer Klausur über Piaget gehört sie nicht in die Definition.

Was die Kritik sagt

Piagets Begriffe sind einflussreich, aber nicht unumstritten. Jack Block veröffentlichte 1982 einen Aufsatz in der Zeitschrift „Child Development“. Nach der Zusammenfassung nennt er Probleme in Piagets Beschreibung von Assimilation und Akkommodation. Er schlägt eine engere Fassung vor, in der beide getrennte Anpassungsstrategien sind. Bei Piaget sind die beiden dagegen untrennbar. Die Äquilibration deutet Block als Ausdruck des Bestrebens, Angst zu begrenzen: Man bewahrt ein Bild der Welt oder baut eines auf, das nicht widerlegt wird.

Orlando Lourenço und Armando Machado antworteten 1996 in der „Psychological Review“ auf zehn häufige Einwände gegen Piagets Theorie. Laut ihrer Zusammenfassung beruhen die meisten Einwände auf Missverständnissen von Piagets Werk. Viele übersehen auch Änderungen, die Piaget nach 1970 an seiner Theorie vornahm. Die Autoren behaupten aber nicht, dass die Probleme der Theorie verschwinden, wenn man sie besser versteht.

Blocks Einwand betrifft also die Fassung der beiden Begriffe selbst: Er will sie trennen, Piaget nicht. Wenn eine Klausuraufgabe nach Kritik an den Begriffen fragt, ist Block das passende Beispiel.

Begriffe nachschlagen und lernen

Wenn du Assimilation und Akkommodation lernst, durchläufst du beide Prozesse selbst. Zuerst ordnest du die Begriffe dem zu, was du schon weißt. Dann veränderst du dein Wissen, bis die Unterschiede sitzen. Welche Lernmethoden dabei am besten helfen, zeigt unser Leitfaden zum Lernen psychologischer Fachbegriffe.

Psychology World ist für dieses wiederholte Üben gebaut. Du schlägst einen Begriff nach und speicherst ihn in einer eigenen Liste, zum Beispiel „Piaget“. Dann fragst du die Liste ab: als Karteikarten, als Multiple Choice ab vier Wörtern in der Liste oder durch Tippen der Antwort. Die tägliche Wortmitteilung zeigt dir außerdem jeden Tag einen Begriff. Die vier Schritte der Lernschleife und was die einzelnen Lernmodi tun stehen auf der Startseite.

Häufige Fragen

Was meint Piaget mit einem Schema?

Vereinfacht gesagt ist ein Schema bei Piaget eine wiederholbare Form des Handelns oder Denkens, in die neue Dinge eingeordnet werden. Das erste Beispiel in seinem Buch von 1936 ist das Saugen: Das Saugschema nimmt nach und nach Finger, Kissen, Decke und später den Daumen auf. Piaget schreibt im Französischen „schème“. Nach seinem ersten Postulat von 1975 strebt jedes Schema danach, passende Elemente aus der Umwelt aufzunehmen.

In welchem Stadium finden Assimilation und Akkommodation statt?

In allen Stadien. Piaget beschreibt die beiden Prozesse schon beim Saugreflex des Neugeborenen und schreibt, dass sie in allen späteren Stadien wiederkehren. Was sich von Stadium zu Stadium ändert, sind die Strukturen: zuerst Handlungsschemata, später Begriffe und Denkoperationen. Assimilation und Akkommodation bleiben als Funktionen gleich.

Gibt es Assimilation und Akkommodation auch bei Erwachsenen?

Ja. Piaget beschränkte die Begriffe nicht auf Kinder. 1937 schrieb er, dass jede Erkenntnis zugleich Akkommodation an das Objekt und Assimilation an das Subjekt ist. Schon 1936 betonte er, dass die Grundfunktionen beim Kind und beim Erwachsenen dieselben sind. Nur die Strukturen, mit denen sie arbeiten, verändern sich.

Was bedeuten Akkommodation beim Auge und Assimilation in der Soziologie?

Beides hat mit Piaget nur das Wort gemeinsam. Beim Auge bezeichnet Akkommodation nach dem DocCheck Flexikon die Anpassung der Brechkraft, damit du Gegenstände in verschiedenen Entfernungen scharf siehst. In der Soziologie bezeichnet Assimilation nach dem Dorsch-Lexikon die allmähliche Anpassung von Menschen, die lange in einer anderen Bevölkerung leben, in Verhalten, Sprache und Lebensweise.

Quellen

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  3. 3.Piaget, J. (1937). La construction du réel chez l’enfant. Conclusion: L’élaboration de l’univers. Delachaux et Niestlé.
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  6. 6.Piaget, J. (1945). La formation du symbole chez l’enfant. Chapitre IV: La naissance du jeu. Delachaux et Niestlé.
  7. 7.Piaget, J. (1945). La formation du symbole chez l’enfant. Chapitre X: Conclusion, les stades généraux de l’activité représentative. Delachaux et Niestlé.
  8. 8.Piaget, J. (1964). Six études de psychologie. Le développement mental de l’enfant. Denoël-Gonthier.
  9. 9.Piaget, J. (1975). L’équilibration des structures cognitives: problème central du développement. Avant-propos. Presses Universitaires de France.
  10. 10.Piaget, J. (1975). L’équilibration des structures cognitives. Chapitre premier: Position des problèmes et hypothèses explicatives. Presses Universitaires de France.
  11. 11.Brandtstädter, J., und Renner, G. (1990). Tenacious goal pursuit and flexible goal adjustment: Explication and age-related analysis of assimilative and accommodative strategies of coping. Psychology and Aging, 5(1), 58–67.
  12. 12.Block, J. (1982). Assimilation, accommodation, and the dynamics of personality development. Child Development, 53(2), 281–295.
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  15. 15.Flammer, A., und Caspar, F. (2021). Akkommodation. Dorsch – Lexikon der Psychologie. Hogrefe.
  16. 16.DocCheck Flexikon (2024). Akkommodation.

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